Neukölln ist hip – Klischees gibt es allerdings immer noch

Tanja Dickert und Norbert Kleemann von der KGB 44.  Foto: Minou Wallesch

Raubüberfälle, Bars und hippe Touristen – Neukölln hat viel zu bieten. Nicht nur Gutes, das ist klar. Aber der Tourismus boomt und der Kiez löst sich langsam von seinem Brennpunktimage. Überall entstehen neue Hostels, kleine Cafés und Künstlerkneipen.

Auch auf der ITB ist Neukölln neuerdings vertreten. An diesem Morgen mit zwei Kiezbewohnern am „12 Bezirke“-Stand. Einer davon ist Veranstaltungskaufmann Norbert Kleemann. Er lebt seit 16 Jahren in Neukölln und hat die Kreative Gesellschaft Berlin (KGB 44), eine Art Touristinformation in Neukölln, mit auf die Beine gestellt. Den Imagewandel Neuköllns hat er miterlebt. Vor zehn Jahren hat sich noch kein Unternehmen öffentlich dazu bekennen wollen von Neukölln aus zu arbeiten. Dabei gibt es dort schon seit langer Zeit international agierende Unternehmen.

Die KGB 44 kümmert sich seit vier Jahren um die Öffentlichkeitsarbeit und den Tourismus in Neukölln. „Unser Kiez blüht auf und ist eine eigene Welt für sich“, sagt Kleemann. Es zieht viele junge Menschen nach Neukölln: Vor allem Italiener, Spanier und Griechen. Der Kiez ist international. Den multikulturellen Mix der Menschen findet auch Messebesucherin Barbara Rösch gut. Sie steht gerade am „12 Bezirke“-Stand und informiert sich über neue Reiseziele in Berlin. Durch Neukölln ist sie bisher nur mit dem Fahrrad gefahren. Sie interessiert sich für alle Berliner Bezirke. Neukölln würde sie sich also auch anschauen. Nur abends mit dem Fahrrad durch die Neuköllner Straßen fahren, das traut sie sich nicht.

Kleemann weiß, dass noch viel am Image von Neukölln ‚rumgeschraubt werden muss. Trotz des „sozialer Brennpunkt“-Stempels, den Neukölln noch nicht ganz abgewaschen hat, boomt die Künstler- und Kreativenszene. Auch in Neukölln sind schon Orte zu finden, die so hip sind, dass man sich die Neumieten nicht mehr leisten kann. Dazu gehört zum Beispiel der Reuterkiez. Deshalb konzentriert sich die Arbeit der KGB 44 auch auf den Süden Neuköllns, wo sich der Kiez noch im Wandel befindet.

Zu Fuß durch den Kiez

Neue kreative Bewohner bringen auch besondere Attraktionen in den Kiez. Es gibt beispielsweise ein veganes Viertel am Richardplatz. Kleine Cafés, Restaurants und sogar ein Großsupermarkt bieten hier Essen und Getränke, ohne tierische Produkte zu verwenden. Um diese Besonderheiten zu zeigen bietet die KGB 44  Stadttouren nur in Neukölln an. Oft werden sie gefragt, ob sie denn verrückt sind, ihr Angebot auf diesen Kiez zu beschränken. Kleemann findet die Idee hingegen gut. Sie wollen das andere Neukölln zeigen, abseits der Klischees und Vorurteile. Manchmal bekommt die Gesellschaft allerdings auch Anrufe, die nach Klischee-Touren fragen. Sowas machen sie nicht. Die vier Touren werden zu Fuß angeboten. Schließlich kann der Kiez nur richtig auf einen wirken, wenn man ihn auch sieht. In allen Facetten. Auch der Kontakt zu den Kiezbewohnern kommt bei den Touren zustande. Wer will, kann alles aber auch aus dem Bus heraus anschauen.

ITB 2013 Kurztrips Trends

Sozial verantwortlich reisen – aber wie?

Centre for Community Tourism in the Amazon; Foto: Madeleine Hofmann 

Wer in fremde Länder reist, erlebt häufig einen Kulturschock. Nicht nur ist man einem ganz neuen Klima ausgesetzt, auch Sprache und Lebensgewohnheiten der Einheimischen wirken oft erst einmal befremdlich. Mehr über die fremde Kultur und die Traditionen des Urlaubslandes kann der Reisende lernen, wenn er sich einen Reiseveranstalter sucht, der Touren und Aktivitäten mit Einheimischen organisiert. Die Entscheidung für ein Programm fällt bei der großen Auswahl an Reiseangeboten jedoch oft schwer.

Gleich mehrere Möglichkeiten, mit der brasilianischen Bevölkerung in Kontakt zu treten bietet das „Centre for Community Tourism in the Amazon“ (CCTA). Dieses, von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) geförderte Projekt verspricht „gemeindebasierten Tourismus“. In der Niederlassung des CCTA in der Stadt Manaus können Touristen Übernachtungen im Amazonasgebiet buchen – zum Beispiel in voll ausgestatteten Holzhütten oder auf einem am Flussufer ankernden Schiff. Wer mag, kann den Einheimischen auch bei der traditionellen Herstellung von Kunstgegenständen über die Schulter schauen oder mit ihnen gemeinsam Bootstouren unternehmen. CCTA legt besonders Wert darauf, dass die Gemeinden ihre Projekte selbst auf die Beine gestellt haben und übernimmt lediglich die Rolle desVermittlers zwischen Kunde und Anbieter. Ziel des Projektes ist es, die Entwicklung dieser regionalen Tourismusprojekte anzutreiben und den Beteiligten vor Ort auch Know-how im Bereich Marketing zu vermitteln. „Alle finanziellen Mittel, die von Touristen gezahlt werden, bleiben in der Gemeinde“, berichtet Dirk Henker, der das Projekt als Abgesandter der GIZ unterstützt. „Wir sind ein auf NGOs gestütztes Projekt“.

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Anders ist das bei Anbietern wie „Socialtours“ aus Nepal oder „The Blue Yonder“ aus Indien. Auch hier kann man in Gemeinden übernachten und Workshops zum Beispiel im Töpfern oder Kochen mit Einheimischen belegen. Die Projekte sind allerdings nicht aus einer Idee von Einheimischen entstanden, sondern auf Nachfrage durch die Agenturen. Diese möchten mit ihren Angeboten kulturelle Schätze erhalten. „Manche Traditionen würden einfach aussterben, wenn wir den Einheimischen durch den Tourismus kein neues Standbein bieten würden“, erklärt Anne Zummach von „The Blue Yonder“. Die Gemeinden bekommen etwa ein Drittel von den Gebühren, die Touristen für die Touren zahlen.

Beim Stöbern in all diesen Angeboten darf man nicht vergessen, dass der Kontakt mit der Bevölkerung im Reiseland immer zwei Seiten hat. Für Europäer ist es wichtig, Einblicke in fremde Kulturen zu bekommen. Gleichzeitig dürfen die im Reiseland bestehenden Sozialsysteme aber nicht zu sehr beeinflusst werden. Als Besucher sollte man deshalb immer sicherstellen, dass die Gemeindemitglieder mit dem Besuch der Touristen einverstanden sind und über die Häufigkeit und Dauer selbst bestimmen können. „Häufig wird die Tradition in ländlichen Gegenden durch den Tourismus erhalten“, erklärt Adina Panicke von Tourism Watch. „Der Tourismus ist ein wichtiger Arbeitssektor, ohne den die Jugendlichen abwandern würden.“ Damit der Ausflug in die fremde Kultur sozialverträglich ist, sollte ein langfristiger Nutzen der Einheimischen gewährleistet sein. Adina Panicke rät dazu, sich vor der Reise gut zu informieren: „Eine Möglichkeit die Sozialverträglichkeit sicherzustellen ist, sich einen für sozialverträgliches Reisen zertifizierten Veranstalter zu suchen.“

Allgemein Fernreisen ITB 2013 Nachhaltigkeit Trends

Chance für Nachwuchsjournalisten. Presseworkshop young press berichtet täglich von der ITB Berlin 2013

Zum 19. Mal veranstaltet die Thomas-Morus-Akademie Bensberg in Kooperation mit der Messe Berlin einen Presseworkshop auf der weltgrößten Tourismusmesse in Berlin. Ein Training on the job bietet der Workshop 15 jungen Teilnehmern und Teilnehmerinnen, die journalistische oder touristische Vorerfahrungen aus Studium oder Beruf mitbringen und sich um einen der Workshopplätze beworben haben. Unter fachkundiger Begleitung erstellen sie während der ITB Berlin 2013 den Pressedienst young press und vertiefen ihre (reise-)journalistischen Kenntnisse. Mit kritischer Distanz begleitet young press die Tourismusmesse in der Bundeshauptstadt. Das Augenmerk des Pressedienstes, der u.a. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell unterstützt wird, richtet sich dabei vor allem auf Themen, die sonst eher vernachlässigt werden: internationale Kinder- und Jugendreisen.

Betreut werden die jungen Journalistinnen und Journalisten von Dr. Jan-Christoph Kitzler (Deutschlandradio), Christine Berger (freie Reisejournalistin, u.a. National Geographic), Tobias Asmuth (freier Journalist u.a. FR, Berliner Tageszeitung), Edith Kresta (die tageszeitung) und Yvonne Zagermann (u.a. http://www.justtravelous.com). Die von young press produzierten Artikel werden auf mehreren Social-Media-Portalen wie Social-Media-Portalen wir Xing oder Facebook für spannende Diskussionen rund um das Thema Tourismus sorgen. Zudem werden die Artikel auf der Homepage der ITB Berlin und im Blog der Thomas-Morus-Akademie platziert.

Das Büro von young press befindet sich im Pressezentrum (Zwischengeschoss, Raum 503) und ist vom 6. bis 10. März 2013 täglich von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr besetzt. Ansprechpartner sind Astrid Zand, Messe/ITB Berlin sowie Stefan Leister von der Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

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Allgemein ITB 2013 Topstories

Verleihung des Tourismus Wissenschaftspreises 2012

Quelle: Katharina Czech.

Die Deutsche Gesellschaft für Tourismuswirtschaft (DGT) verlieh auf der ITB in Berlin den Wissenschaftspreis  für Tourismus 2012.  In fünf Kategorien wurde der Nachwuchspreis von Professor Dr. Edgar Kreilkamp überreicht, darunter auch die „Beste Arbeit zum Thema Nachhaltigkeit im Tourismus“ von Johanna Karoline Krechel von der Universität Leipzig.

Insgesamt wurden 30 Abschlussarbeiten aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz  eingereicht. Sie durchlaufen ein faires Verfahren: Die Gutachter können das Titelblatt der Arbeiten nicht mehr einsehen. Bewertet wird nach einem transparenten Punktesystem.  Falls es in der Jury Auseinandersetzungen  gibt, wird ein Dritt- oder sogar Viertgutachter hinzugeholt.

„Preisträger sollen einen Preis bekommen“, so Professor Dr. Kreilkamp. Gesa Wicke, die für die Beste Arbeit zum Thema  „Touristische Fachsprache, Medien und Kommunikation“ ausgezeichnet wurde, bekam einen Scheck in Höhe von 2.000 Euro überreicht. Einen Zweitagestrip nach Berlin für zwei Personen im 4-Sterne Hotel bekam Josef Schmid aus Österreich für seine Masterarbeit in der „Kategorie Beste wissenschaftlich-theoretische Arbeit.“

Allgemein ITB 2012

Tourismus als Lebenselexier?

Foto: Tanouri-Tänzer auf der ITB Berlin. Quelle: Miriam Gutekunst

Es wird still im Publikum. Mit fünfzehnminütiger Verspätung treffen die angekündigten Tanoura-Tänzer ein. Mit ernster Miene schreiten die drei jungen Männer auf die Bühne und positionieren sich in einer Reihe. Mit dem ersten Trommelwirbel der Musik beginnen sie sich zu drehen. Schneller und schneller. In Windeseile falten sich ihre langen, bunten Röcke auf und steigen höher und höher. Tanoura ist  die Kunstform des traditionellen Tanzes der Derwische, der Vertreter des mystischen Islams. Das Drehen soll zu Ekstase und dadurch in himmlische Sphären führen.

Aber an diesem Mittwochmorgen handelt es sich nicht um eine religiöse Zeremonie, sondern um eine Aufführung für die Besucher der ITB Berlin. Die drei Tänzer vertreten das Partnerland Ägypten und werben um Touristen. Ein Jahr ist es her, dass der arabische Frühling nach Ägypten schwappte und sich am Tahrir-Platz in Kairo hunderttausende Menschen zusammenfanden,  um gegen die Regierung Mubarak zu demonstrieren. Der Präsident wurde gestürzt. Die erfolgreiche, friedliche Revolution der Ägypter löste weltweit Respekt und Bewunderung aus. Nun ist es unklar, wie sich das Land weiterentwickeln wird. Doch eines steht für Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour fest: „Die Regierung muss 800.000 jungen Menschen Arbeit geben, sie kann nicht auf Urlauber verzichten.“ Vor der Revolution reisten noch 14,7 Millionen Touristen in das Land der Pyramiden, davon 1,3 Millionen aus Deutschland. Seit den politischen Umbrüchen sind diese Zahlen stark eingebrochen. Die diesjährige ITB soll dazu beitragen, den Tourismus wieder anzukurbeln.      

Die drei Ägypter wirbeln über die Bühne.  Sie sind umgeben von ihren kreisförmigen Röcken, deren grelle Farben verschwimmen, so schnell drehen sie sich. „Elixier der Glückseligkeit“, so wird der Tanz der Derwische genannt. Als „Lebenselixier“ bezeichnet auch Dr. Christian Gölke, Geschäftsführer der Messe Berlin, die Bedeutung des Tourismus für Ägypten. Die Branche ist ein wichtiges Standbein für das Land und erwirtschaftete vor der Revolution zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Folgt nach der politischen Revolution im Land der Pauschalreisen eine Revolution im Tourismus? Ein Blick in das Kongressprogramm der ITB Berlin zeigt, dass darüber kontrovers diskutiert wird. In Podiumsdiskussionen und Workshops geht es um die Bedeutung und Auswirkungen der Tourismuswirtschaft  in einem Land, das sich im politischen Aufbruch befindet: Minister, Wissenschaftler und Reiseveranstalter debattieren zum Beispiel über die Frage, ob es sich bei der „Arabellion“ um einen arabischen Frühling oder um eine touristische Eiszeit handelt. Auch der CDU-Politiker Klaus Brähmig, Vorsitzender des Bundestags-Tourismusausschusses, äußerte sich kurz vor der Eröffnung der Tourismusmesse gegenüber dem Hamburger Abendblatt kritisch und sprach sich gegen Urlaubsreisen nach Ägypten in der momentanen Situation aus, unter anderem wegen der Unterdrückung der koptischen Christen und den Prozessen gegen Mitarbeiter von Organisationen wie der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Einer der Tänzer wirft plötzlich seinen Rock in die Luft, blickt flehend gen Himmel und schlägt die Arme über dem Kopf zusammen.  Die Show ist aus und die Künstler verlassen unter verhaltenem Applaus die Bühne. Ob es tatsächlich Folkloreaufführungen sind, die Touristen wieder nach Ägypten locken, oder es etwas Anderes, etwas Neues braucht, um die Menschen zu überzeugen, wird sich in der kommenden Urlaubssaison zeigen.

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Allgemein ITB 2012 Topstories

Community Based Tourism – Chancen und Gefahren

Foto: TO DO! Preisverleihung: Andaman Discoveries. Quelle: Myriel Camp.

Bereits zum 16. Mal wurde dieses Jahr auf der ITB Berlin 2011 der TO DO! Preis für sozialverantwortlichen Tourismus vergeben. Unter den drei Gewinnern war die thailändische Organisation Andaman Discoveries. Sie setzt sich für die Entwicklung der Gemeinden der Küstenregion Phang Nga in Südthailand ein. Eine Möglichkeit diese voranzutreiben sehen sie im Aufbau von Community Based Tourism (CBT). Entstanden ist die Organisation nach dem Tsunami 2004, der Fischern durch die Zerstörung zahlreicher Schiffe die Lebengrundlage nahm.

Community Based Tourism als nachhaltige Form des Tourismus gewinnt immer mehr an internationaler Anerkennung. Aber ist diese Form des Tourismus wirklich nachhaltig, zukunftsträchtig?  Ein Gespräch über Chancen und Gefahren mit dem TO DO! Preisträger Bodhi Garrett, Unternehmensgründer von Andaman Discoveries.

Myriel Camp: Wie werden Gemeinden auf die Möglichkeit des Community Based Tourism als Instrument für Entwicklung aufmerksam gemacht?

Bodhi Garrett: In einigen Gemeinden haben wir im Zuge des Tsunamis Community Based Tourism aufgebaut. Das Konzept hat sich in den benachbarten Gemeinden rumgesprochen und nun wollen viele Gemeinden Tourismus in ihren Dörfern aufbauen. Ein Problem ist, dass es sich mittlerweile zu einem Trend entwickelt und dass das Angebot die Nachfrage weit überschreitet.

Myriel Camp: Auf der TO DO! Preisverleihung betonten Sie die Chancen, die Community Based Tourism für Gemeinden hat, wie zusätzliches Einkommen,  Engagement im Umweltschutz und Stärkung des Traditionsbewusstseins . Sehen Sie auch Probleme hinsichtlich der Umwelt und Kultur, die diese Form des Tourismus mit sich bringt?

Bodhi Garrett: Natürlich hat der Tourismus auch negative Auswirkungen auf die Umwelt, genauso wie jede Form von Entwicklung und Modernisierung negative Auswirkungen auf die Umwelt hat. Der Tourismus jedoch, im Vergleich zu vielen anderen treibenden Modernisierungsfaktoren, führt Einheimischen die Wichtigkeit des Umweltschutzes und Kulturerhalts vor Augen. Schließlich bedingen diese den Tourismus. Bedauernswert ist auch, dass es auf Regierungsebene noch wenig Verständnis für nachhaltigen, partizipativen Tourismus gibt.

Myriel Camp: Wie schaffen es Gemeinden die Aufmerksamkeit der Touristen zu gewinnen?

Bodhi Garrett: Wir produzieren Broschüren über das Tourismusangebot der Gemeinden und vermarkten sie an Reiseveranstalter, die sich dem sozialverantwortlichen Tourismus verschrieben haben. Ziel ist es jedoch, dass sich die Gemeinden in Zukunft selbstständig vermarkten können.

Myriel Camp: Wie lange dauert es im Durschnitt bis sich eine Gemeinde selbstständig vermarkten kann und ohne organisatorische und finanzielle Hilfe von außen zurechtkommt?

Bodhi Garrett: Das ist ganz unterschiedlich und kommt auf die Gemeinde an. Aber ein bis zwei Jahre dauert es mindestens. Andaman Discoveries agiert jedoch auch dann weiterhin als Reisevermittler um Touristen in die Gemeinden zu senden.

Myriel Camp: Hat jedes Gemeindemitglied die Chance am Community Based Tourism teilzunehmen?

Bodhi Garrett: Im Prinzip ja. Um jedoch Gästen einen Homestayaufenthalt anbieten zu können müssen bestimmte Standards erfüllt sein. Fehlt es dem Hauseigentümer an finanziellen Mitteln um diese Kriterien zu erfüllen, leiht ihm die Gemeinde Geld, das er später durch die Einnahmen durch den Tourismus zurückzahlt. Wichtig ist, das Tourismuskonzept unter Einbezug der finanziell schwächsten Mitglieder aufzubauen und es immer wieder entsprechend an die Bedürfnisse aller anzupassen.

Myriel Camp: Was sind Ihrer Meinung nach die größten Herausforderungen die Community Based Tourism bewältigen muss um sich in Zukunft nachhaltig selbst tragen zu können?

Bodhi Garrett: Die größte Herausforderung ist definitiv Zugang zum Markt zu bekommen und dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. CBT muss von den Gemeinden als Instrument für lokale Entwicklung gesehen werden und nicht als Privatunternehmen. Häufig bieten einige wenige Leute einer Gemeinde Homestayaufenthalte an und verkaufen sich nach außen als Community Based Tourism, ohne dabei die Anforderungen dieses Tourismuskonzepts zu erfüllen. Der Begriff CBT wird schnell und häufig missbraucht, ohne dass leisten zu können, was das Konzept eigentlich verspricht.

Myriel Camp: Was machen Sie mit dem Geld, das Sie bei den TO DO! Awards gewonnen haben?

Bodhi Garrett: Das Geld soll dafür genutzt werden, einen neuen Projektkoordinator auszubilden, der für die Ausbildung der einzelnen CBT Gemeinden der Region  zuständig ist. Außerdem soll etwas Geld für Notfälle und weitere Projekte beiseitegelegt werden.

Link: http://www.to-do-contest.org/

 

 

 

 

 

 

 

ITB 2011

Tunesien – Folgt nach dem politischen der touristische Neuanfang?

Foto: Mehdi Houas, Minister für Handel und Tourismus. Quelle: Myriel Camp

Neues Logo, neuer Slogan „I love Tunisia – the Place to be … now!“, damit präsentiert sich Tunesien auf der ITB Berlin 2011. Mit dieser Kampagne möchten die Tunesier Urlauber in ihrem Land willkommen heißen. Denn inzwischen ist die Lage sicher, so die Botschaft.

Die Pressekonferenz von Tunesien lockte  dieses Jahr viele Journalisten an. Wie läuft der Tourismus nach der Revolution und dem Sturz des Diktators Ben Ali? Was erwartet sich das Land von der Zukunft? Diesen Fragen widmete sich Mehdi Houas. Tunesiens neuer Minister für Handel und Tourismus appelliert dabei gleich an die Deutschen, sein Land wieder zu bereisen. Denn seiner Meinung nach ist die Revolution in Tunesien vorbei, die Lage hat sich stabilisiert und Touristen können wieder kommen.

Dennoch: Das Vertrauen in die Sicherheit des Landes muss erst wieder aufgebaut werden. Zurzeit hat Tunesien 40 Prozent weniger Besucher als vor einem Jahr. Doch für große Werbekampagnen ist es wahrscheinlich noch zu früh, dafür ist die Lage im Land noch zu verworren. Aber es gibt auch ermutigende Zeichen: Rewe Touristik schickte als erster Veranstalter schon am 22. Februar 2011 wieder Touristen nach Tunesien, am 27. Februar 2011 folgten weitere Unternehmen. „2011 wird ein schwieriges Jahr für Tunesien werden“, sagt Mehdi Houas, „wir wollen jedoch die Zeit für Investitionen nutzen und den Tourismus auch in neuen Bereichen fördern.“

Der Kulturtourismus soll wichtiger werden, damit Besucher besser am Leben der Tunesier teilnehmen und die reiche Tradition des Landes erleben können. Als Beispiel nennt der Minister zwölf archäologische Fundstätten, die zu Besuchermagneten ausgebaut werden. Und möglicherweise kommen jetzt auch ganz neue Besucher ins Land, nämlich die, die aufgrund des korrupten Regimes Tunesien bislang boykottiert haben. Vor sechs Wochen haben die Tunesier ihren Diktator ins Exil geschickt. Und genau wie das Land, muss sich nun auch Tunesiens Tourismus wieder stabilisieren.

Allgemein ITB 2011

Griechenland träumt von einem Neustart

Foto: Vor der Pressekonferenz Griechenland auf der ITB Berlin 2010. Quelle: Imke Schroeder

Kalimera – Guten Tag lautet das neue Motto des Reiselands Griechenland. Es scheint, als ob das von der Krise gebeutelte Land ganz von vorne beginnen will. Auf der Pressekonferenz Griechenlands wollte die Stellvertretene Ministerin für Kultur und Tourismus Angela Gereku das griechische Tourismusprogramm 2010 vorstellen. Doch die Ministerin musste vor allem Fragen der zahlreichen, zur Pressekonferenz gekommenen Journalisten zur andauernden Wirtschaftskrise, der Mehrwertsteuererhöhung um zwei Prozent, den aktuellen Streiks und den möglichen Auswirkungen auf den Tourismus beantworten.

Zu Beginn kommt die Ministerin sogleich auf das Problem zu sprechen, welches Griechenland momentan hat. Die neugewählte griechische Regierung ergreife mit der Mehrwertsteuererhöhung und den Kürzungen der Renten jetzt zwar drastische Maßnahmen, aber der Großteil der griechischen Bevölkerung unterstütze diese Vorgehensweise. Griechenland sei sich des enormen Wirtschaftspotenzials der Tourismusbranche bewusst, rund eine Millionen Griechen seien in diesem Wirtschaftszweig tätig. „Und so wird auch diese Krise überstanden werden“, ist sich Angela Gereku sicher.

Auch würden die Deutschen trotz ihrer „hässlichen und unschönen Berichterstattung“ von den Griechen immer noch geliebt. Tourismus sei in Griechenland eine Herzensangelegenheit, denn die griechische Gastfreundschaft sei legendär und bilde den Grundstock für eine funktionierende Tourismusbranche. Und so erfährt die Zuhörerin nebenbei, dass die beste Freundin der Ministerin Gabriele heißt und aus Deutschland kommt.

Außerdem bestehe Griechenland aus weitaus mehr, als Problemen. Schifffahrt und Tourismus stellten die beiden größten Wirtschaftszweige Griechenlands dar. Um beide Branchen 2010 voranzubringen, würden viele Investitionen getätigt. 20 neue Häfen und der Ausbau der Tourismusbranche auf Wandertourismus und das neue Kongresscentrum in Athen sollen neue Klientel anlocken. Auch sollen von 2007 bis 2013 über 100 Millionen Euro in grünen Tourismus investiert werden, um das Image eines neuen, umweltbewussten Griechenlands zu prägen. Allerdings sei die Finanzierung für all diese Großprojekte meist noch nicht gesichert, da sie abhängig von Privatinvestoren und künftigen Entscheidungen der Regierung ist.

Den Großteil der Journalisten interessierte vor allem: Wird es trotz der Streiks möglich sein, ungestört Urlaub zu machen? Und welche Auswirkungen wird die Krise auf das Preisniveau in Griechenland haben? Die Ministerin wiegelte ab: „Griechenland ist ein absolut sicheres Reiseland.“ Doch einige Zugeständnisse musste auch sie machen: „Wahrscheinlich wird maximal ein Prozent der Tourismusbranche davon betroffen sein.“ Ansonsten seien Streiks nun mal Ausdruck einer Demokratie.

Noch optimistischer sieht sie die wirtschaftlichen Folgen der Mehrwertsteuererhöhung. Ihrer Einschätzung nach werden die Krise und die Preiserhöhungen vom Markt absorbiert werden. Bleibt nur zu hoffen, dass Andrea Gereku mit diesen Vermutungen recht hat, ansonsten Kalinichta – Gute Nacht!

Foto: Imke Schroeder

Allgemein ITB 2010