Recherche bei Bockwurst aber ohne Bier

Chaotisch und stressig. Genau so habe ich mir das Medienzentrum der ITB 2014 vorgestellt. Auf der dritten Ebene der Halle fünf und sechs erstreckt sich auf 5000 Quadratmetern das Medienzentrum. 30 Arbeitsplätze und 60 zusätzliche Plätze für Laptops stehen zum Beispiel zum Recherchieren bereit. An einem Presse-Counter liegen farbige Broschüren und Infoflyer aus, im hinteren Teil der Halle wird hinter geschlossenen Türen der Redaktionsräume über Neuigkeiten der Messe diskutiert. 6000 bis 7000 Journalisten besuchen dieses Jahr die Messe. Die internationalen Journalisten kennen sich: Nice to see you. ¿ Cómo estás? Where is your hotel? Beim Kaffee an der gut besuchten Bar in der Mittagspause tauscht man sich aus. Die Computerplätze sind morgens nur sporadisch besetzt, es herrscht Gelassenheit bei den Journalisten. Ab nachmittags sitzen viele sogar mit ihrem Laptop auf dem Boden und tippen schnell in ihre Tasten.

Alte Bekanntschaften

v.l. Rita Schokman, Georg Honold

Rita Schokman arbeitet seit Jahren auf der ITB und erklärt den Journalisten am Presse -Counter, wie sie den Weg zur nächsten Pressekonferenz finden oder stattet sie mit Flyern, Broschüren und einer Pressemappe auf einem USB-Stick aus. „Ein paar Journalisten kenne ich seit Jahren, sie kommen jedes Jahr und mittlerweile erkennt man sich eben“, beschreibt sie ihr Verhältnis zu den Journalisten. In den Jahren habe sich einiges verändert. Früher haben sich Journalisten noch um die Computerplätze gestritten, heute können sie mit ihren Laptops an Einzelplätzen arbeiten und es gibt WLAN im Medienzentrum. Aber auch in diesem Jahr ist es schon passiert , dass die drahtlose Internetverbindung wegen Überlastung zusammen gebrochen ist – eine kleine Katastrophe für die internationalen Journalisten, die von hier ihre Berichte, Videos und Fotos in die Welt schicken.
Die Infobroschüren, Flyer, Kataloge und Newsletter gibt es nur auf Englisch und Deutsch. In diesen beiden Sprachen werden auch die Fragen der Journalisten von Rita Schokman und ihren Kollegen beantwortet, während Telefone klingeln und Geschirr klirrt. Wo finde ich eine Liste der Pressekonferenzen? Wie komme ich zu Halle 2.1? Wo finde ich den Shuttle zur Asienhalle? Hätte die Pressereferentin zwei Minuten Zeit für mich? Während der Messe wird das Presseteam der Messe verdreifacht und aufwendige Presseanfragen von einer PR-Agentur beantwortet.

Hinter verschlossenen Türen

In den Redaktionsräumen ist der Alltag stressiger. Für Sabine Galas, Chefredakteurin vom Geschäftsreisemagazin Business Traveller, ist die ITB seit Jahren ein Pflichttermin. In drei Tagen hat sie 30 Geschäftstermine oder muss Pressekonferenzen besuchen. Ähnlich stressig sieht der Alltag der Journalisten aus, die sich mit einer Bockwurst oder einem Kaffee an der Bar im Medienzentrum bei Kräften halten wollen. Bei hohem Geräuschpegel und mit Laptop auf dem Schoß beißt der Redakteur in seine Wurst während er mit einem anderen Journalisten quatscht. „Die ITB ist für uns eine Netzwerkmesse, man pflegt die Kontakte und knüpft neue, es herrscht gute Stimmung“, erklärt Sabine Galas. Ihr Tag beginnt zu Messezeiten um sechs Uhr morgens und endet erst um zwei Uhr nachts. „Es ist wahnsinnig viel Stress und Verpflichtung – aber wegen des internationalen Windes ist es immer schön.“ (ani)

 

Allgemein ITB 2014 Tag 2 | 6. März 2014

Arbeiten auf der Messe – Ein Tag mit Joana am Infostand

Joana Buchwald am Infostand;  Foto: Pia-Maria Schäfer

„Ich mache hier die Halleninfo“, sagt Joana Buchwald und zeigt auf den runden Buchentisch, der sie umgibt. Viele bunte Infobroschüren und Kataloge mit großen Bildern von fernen Ländern liegen aufgestapelt darauf.  Joana lächelt, als eine Frau mit großem Rucksack und Lageplan auf sie zukommt. „Bin ich hier richtig für Halle 2?“, fragt sie die schmale Joana, die fast hinter dem Tisch verloren geht. Sie ist nicht sehr groß und muss sich über den Tisch beugen, um auf den Plan der Frau zu gucken. Nach kurzem Schauen nickt Joana. Sie streicht eine blonde Strähne aus ihrem Gesicht und sagt: „Sie müssen nur noch links durch die große Tür.“ Die Frau folgt der Handbewegung und verschwindet.

Der Wecker von Joana klingelte heute Morgen um halb acht. „Ne Stulle mit Wurst und Salat“ gab es zum Frühstück, sagt Joana. Beim Sprechen berlinert sie leicht. Im ostdeutschen Slang erzählt sie, dass sie um „dreiviertel zehn“, am Stand war und sich erst einmal einrichten musste. Für Joana ist es wichtig, dass die Karten griffbereit liegen. Es gibt 26 Hallen in denen mehr als 10.000 Aussteller ihr Land vorstellen. Wo das Partnerland zu finden ist oder wo die Shows stattfinden, das alles musste sie während der Messe selbst auswendig lernen. Eine Vorbereitung gibt es nicht. „Ich kann nicht zwei Stunden suchen, wenn jemand was fragt“. Es ist etwas leichter, da es die zweite ITB-Messe für Joana ist. Da ist nicht mehr alles neu. Wenn nicht gerade Messe ist, arbeitet sie Teilzeit beim Bundesforum für Kinder- und Jugendreisen und als Softwaretesterin. Die Menschen in der Halle sind ständig in Bewegung. Joana blickt ihnen nach. Die Besucher laufen zwischen den Ständen hin und her. Die Musik dröhnt aus den großen Lautsprechern in der Nähe des Infostandes. Joana dreht den Kopf um die Fragen besser zu verstehen. „Es wird sehr oft nach Spanien und der Karibik gefragt. Aber auch die Halle 25 ist gefragt. Dort sind die ganzen Reiseveranstalter.“ Dieses Jahr können Interessierte zum ersten Mal auf der ITB-Berlin direkt an die Stände gehen und Reisen buchen. Die Menschen sind neugierig ob es Schnäppchen gibt.  Sie lächelt. „Aber auch die Fachbesucher haben in den letzten Tagen danach gefragt.“ Heute am Samstag und Sonntag ist die Messe für jeden offen.

Abschalten kann die 25-Jährige erst abends und eine richtige Pause gibt es auch nicht. Möchte sie kurz weg, muss sie einen Kollegen anrufen, der sie in der Zeit vertritt. Aber Joana geht nicht oft weg. Den Tag über verpflegt sie sich selbst. „Ist viel zu teuer hier“, sagt sie über das Essen auf der Messe und zeigt ihre Dose mit Essen: Cornflakes und Weintrauben. Denn das Essen muss praktisch und schnell zu kauen sein. Wenn die nächste Frage kommt, will der Besucher schnell die Antwort und weiter. Ein voller Mund ist da nicht „angezeigt“.

Die meisten, die an den Stand kommen sind freundlich. Nur selten ist jemand griesgrämig und raunt „Halle 12“. Joana lacht, als sie den Besucher nachahmt. Stillstand gibt es bei der Arbeit am Infostand nicht. In der Halle 4.1., die mehrere Hallen miteinander verbindet, gibt es viele Besucher, die kurz die Orientierung verlieren und die Hilfe von Joana in Anspruch nehmen. Die Besucher sind reichlich mit Taschen und Tüten von den Ständen bepackt. „Der typische Messebesucher trägt mindestens vier Taschen oder hat sogar einen Rolltrolley dabei. Da tun sich die Fachbesucher und die Privatbesucher nichts“, berichtet Joana über ihre Kunden. Das lange Stehen und die vielen Besucher fordern Joana. Und manche Fragen sind überflüssig. „Einmal hat man mich nach dem Globetrotter-Stand gefragt. Der direkt vor diesem Counter ist. Ich hab den Plan geholt, drauf getippt und er hat sich dann umgedreht und entschuldigt.“

Wenn sie um „dreiviertel“ acht zu Hause ist, wird nur was gegessen und dann kuschelt sie sich auf dem Sofa an ihren Freund. Denn am nächsten Tag geht es wieder weiter.

Wenn morgen die Messe endet ist, freut sich Joana auf ihr Bett. Das Schlafen kam in den letzten Tagen zu kurz. Am Montag ist wieder der Alltag da. Joana muss ins Büro. „Deswegen habe ich alle Partys sausen lassen“, denn „Messe ist anstrengend“.

Allgemein ITB 2013

Rebellin auf Mission – Auf der Suche nach dem Drei-Gänge-Menü

Wie ein Tiger schleicht sie um den Stand herum. Sie will etwas, traut sich aber nicht. Das Raubtier bin ich. Was ich will ist ein Apfel. Den habe ich am Infostand entdeckt. Aber da die Herren der Hotelkette dort unglaublich wichtige Gespräche führen, erbeute ich keinen. Im Imagefilm des Hotels bekommen gutaussehende Gäste ein Gourmetgericht serviert. Das will ich auch! Ich habe gewettet. In der Mittagspause zwischen zwölf und ein Uhr soll ich für mich ein Drei-Gänge-Menü ergattern. Ich könnte es auch schnorren nennen, Geld ausgeben sieht die Wette nämlich nicht vor. Als „How I Met your Mother“-Junkie kenne ich auf solche Herausforderungen nur eine Antwort: Challenge accepted. Die Zeit läuft, ich habe nur noch 55 Minuten.

Ich bin optimistisch. Halle 26 ist mein Ziel und direkt davor steht ein Imbiss neben dem anderen. Es riecht köstlich nach gebratenem Reis und Sojasauce. In der Halle riecht es nicht mehr so gut. Es riecht auch nicht schlecht, aber einfach nicht nach Essen. Wenn ich schon nicht die Nase eines Raubtieres habe, suche ich mir ein Leittier. Zwei Männer laufen an mir vorbei. Sie tragen jeweils zwei Tüten voller Essen. Hier ein Ausfallschritt, dort ein Sprint. Primitiv wie ich bin, folge ich ihnen. Doch plötzlich schlagen sie einen Haken und die Tür vor meiner Nase zu. Nach dem verlorenen Hindernisrennen schreit mein Magen nach Aufmerksamkeit. Und dann muss mein Körper auch noch die Last des Zeitdrucks auf seinen Schultern tragen. Ich habe schon zehn Minuten vertrödelt. Wohin soll das führen? Keine drei Minuten später habe ich einen malaysischen Tee in der Hand. Eigentlich bin ich wegen der Konservendosen zu dem Stand gelaufen. Die Dosen sind zu und was sie dort sollen, verstehe ich nicht. Aber man versichert mir, dass der traditionelle Tee immer getrunken werden könne. Auch als Appetizer. Ich trinke und bekomme einen Zuckerschock. Der Tee liefert sogar Energie, ist mein erster Gedanke. Mein zweiter ist weniger euphorisch: Nach dem Zuckerhoch folgt üblicherweise das Zuckertief. Jetzt muss ich neben der weltlichen auch noch die biologische Uhr bezwingen. Ich habe nur noch 40 Minuten. Die Mission geht vielversprechend weiter, ich bekomme eine Brezel. Malaysischer Tee und bayerisches Gebäck – wenn das mal kein Appetizer ist. Jetzt ist der Hauptgang dran.

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Ich habe eine Theorie. Eine Art Geheimbund verteilt die leckeren Häppchen exklusiv an seine um den Stand verteilten Mitglieder. Essen sehe ich jetzt nur noch, wenn es gegessen wird – und zwar von anderen. Trotz Augenkontakt und freundlichem Lächeln wird mir von dem Geheimbund keine Mitgliedschaft angeboten. Ich bin kein Barney Stinson, meine Mittel sind begrenzt. Als mich auch noch ein Gitter von einem Buffet trennt, wächst in mir die Rebellin. Bin ich eine Gefangene? Als Revoluzzerin bin ich natürlich gegen ungerechte Verteilung. Die Uhr tickt, das Ziffernblatt gibt mir nur noch 30 Minuten. Also durchbreche ich die Mauern. Eben war noch ein Minister aus Indonesien auf der anderen Seite. Jetzt ist er weg. Jetzt bin ich da. Ich stehe auf der anderen Seite, kaue auf einem Bananenblatt rum und löse das Rätsel. Der Geheimbund heißt Cateringfirma und arbeitet für den Indonesienstand. Von dem Essen kann, nein soll ich gerne mal was probieren: Rindersaté, scharfe Erdnusssoße und Shrimpchips. Ach, wie schön ist das Rebellenleben. Das Bananenblatt war übrigens als Deko gedacht. Hauptgang: Check!

Hier eine Schokolade, da ein Bonbon. Überall stehen Schälchen mit Knabbersachen und Gummibärchen. So was es zumindest gestern. Doch wo sind die Nachspeisen, wenn man eine Wette zu gewinnen hat? James Bond spielt in Macao mit dem Glück, bekommt Geld und trifft sein Bondgirl. Ich bin auch auf Mission, also folge ich seinen Spuren. Doch James und ich müssen zwei verschiedene Macao aufgesucht haben. Mir wird an diesem Messestand mein ganzer Optimismus genommen. Essen sei hier nicht so wichtig. Was würde James tun? Waffen besitze ich nicht, auf die stehe ich als friedliebende Rebellin auch nicht. Also probiere ich es mit Charme und bekomme einen Hinweis. Es geht gen Hongkong. Dort bietet man seinen Gästen etwas an. Die Verantwortlichen evaluieren sogar, welche Gerichte bei den Besuchern gut ankommen und welche nicht. Ich habe noch zwölf Minuten und die Mission in Bond-Manier erfüllt. Wie im Film erwartet mich ein Happy End: Panna Cotta.

Gegen mich gewettet hatte übrigens mein Magen. Der scheint mit der Niederlage aber ganz gut leben zu können.

Allgemein Ernährung ITB 2013