Ägypten: Optimismus nach der Revolution

Foto: Werbung für Ägypten. Quelle: Jennifer Schwanenberg

In der „Ägypten-Halle“ auf der ITB Berlin 2011 herrscht Aufbruchsstimmung. Dabei sieht es sechs Wochen nach dem Sturz des Regimes hier fast noch ein wenig nach Diktatur aus: Ein großer Gemeinschaftsstand in der Mitte, und jeder Aussteller, der da nicht mitmachen wollte, wurde an die Wand gedrängt. Die Stimmung aber ist ganz anders: „Tahir – Ein Platz rockt die Welt“ verkünden Plakate. Auf einem großen Videoscreen läuft ein Song über der Revolution auf der Straße.

Sechs Wochen nach der Revolution präsentiert sich das Land, als sei niemals ein Tourist ausgeflogen worden. „Unsere Vermarktungsstrategie ist heute anders – politischer. Wir laden die Leute ein, das freie Ägypten zu sehen“, sagt Hala El Khatib vom Ägyptischen Hotelverband, „wir möchten offener sein, denn je.“

Die Auslastung der Kairoer Hotels sei bis zum 28. Februar 2011 auf 18 Prozent gestiegen, zwei Wochen zuvor lag der Tiefpunkt bei nur 10 Prozent. Die blonde Frau im rosa Blazer sieht das als ermutigendes Zeichen: „Die europäischen Staaten haben ihre Reisewarnung für die Touristenzentren aufgehoben.“

Tourismus ist wichtig für die Ägypter: Allein zwölf Prozent der Erwerbstätigen arbeiten im Tourismus, anderen Schätzungen zufolge sogar bis zu 20 Prozent, der Anteil am Bruttoinlandsprodukt beträgt 11,5 Prozent. Dass die Touristen wieder nach Ägypten kommen, ist darum wichtig sowohl für die wirtschaftliche als auch die politische Entwicklung. „Die Tourismuswirtschaft und unsere inneren Angelegenheiten müssen parallel verlaufen“, sagt Hala El Khatib.

Am Optimismus jedenfalls fehlt es nicht: im nächsten Jahr ist Ägypten offizielles Partnerland der ITB Berlin.

ITB 2011

Die Hotellerie im Jahr 2020 – eine Zukunftsvision

Ein Hotelzimmer, das mit modernster Lichttechnik, Duftdüsen und Temperaturregelung unsere individuellen Bedürfnisse erfüllt? Ein Fernseher, der den Gast mit seinem Namen begrüßt? Und eine Musikanlage, die bei Betreten des Raumes die Lieblingsmusik abspielt? Sieht so ein Urlaub im Jahr 2020 aus?

Diese Frage wurde auf der ITB Berlin 2011 gestellt. Die Teilnehmer des Global Future und Trends Summit, Rohit Talwar (CEO des Instituts Fast Future), Christian Bölhoff (Prognos AG) und Bernd Fauser (Head of Global Travel Top Accounts bei Google) zeigten, wie neue Technologien und Kundenbedürfnisse bisherige Tourismus-Konzepte über den Haufen werfen. Ihre Prognose: Die Hotellerie steht vor einem enormen Wandel. Wer auch morgen noch mithalten und Erfolge erzielen möchte, muss Neues entdecken, Nischen etablieren und flexibel sein.

Einen Überblick über zukünftige Entwicklungen gab Rohit Talwar mit seiner Präsentation der Studie „Hotel 2020“. In Zusammenarbeit mit dem Reservierungssystemhersteller Amadeus, zeigte er mögliche Hotelstrategien auf und begründet diese mit aktuellen Befragungsergebnissen.

So beobachten 71 Prozent der Hoteliers bereits jetzt eine Zersplitterung der Hotellandschaft und empfinden es als immer schwerer klare Segmente zu definieren. Darüber hinaus meinen 92 Prozent, dass Hotelgäste einen personalisierten Service erwarten und durchaus bereit sind mehr Geld für diesen auszugeben. Es sind also neue Modelle innerhalb der Hotellerie gefragt: Um spezifischer auf Gästebedürfnisse einzugehen, könne Co-Branding für das Gastgewerbe eine große Rolle spielen. Davon gehen zumindest 78 Prozent der Hoteliers aus. Armani, Hugo Boss und Co. könnten zukünftig also wichtiger Bestandteil neuartiger Unternehmensstrategien in der Branche sein.  Auch kleinere individuelle Design und Boutique Hotels, würden laut Studie in Zukunft weiter an Bedeutung gewinnen. Vor allem jedoch sind es personalisierte Hotellösungen, die an Auftrieb gewinnen werden. Schon vor der Anreise im Hotel werden wir 2020 via Handy die Temperatur regeln und unseren Lieblingssender einstellen.

 

Allgemein ITB 2011

Im Siegel-Dschungel

Foto: Olaf Seiche vom TÜV Rheinland. Quelle: Jennifer Schwanenberg

Mobil E-Mails empfangen, ständig erreichbar sein, überall arbeiten können – die Arbeitsbelastung in den vergangenen Jahre ist immer mehr gestiegen. Parallel dazu hat es sich durchgesetzt in „Wellness-Urlaub“ zu fahren. Die Menschen möchten entspannen, abschalten vom stressigen Alltag, sich „Me-Time“ gönnen, wie Michael Altewischer, Geschäftsführer der Wellness-Hotels-Deutschland (W-H-D) auf der ITB Berlin 2011 erklärt. Für den Gast ist es schwierig sich zu entscheiden, in welchem Hotel er sich diese „Me-Time“ holen kann, denn es existieren eine Vielzahl von Wellness-Siegeln auf dem Markt. Ein europaweites Siegen gibt es hingegen noch nicht. Alle Siegel werden in Kooperationen vergeben, denen die Hotels freiwillig angehören. In welchen Verband oder in welche Kooperation das Hotel Mitglied wird ist der Geschäftsleitung überlassen.

Im Gegensatz zu anderen Siegeln übernimmt nicht die W-H-D selbst die Prüfung, sondern der TÜV Rheinland. Verantwortlich dafür ist Olaf Seiche vom TÜV Rheinland. Der Ingenieur leitet das Prüferteam, das neben Qualitäts- und Sicherheitsleistungen im Tourismus, auch Wellness-Angebote bewertet.

Die Prüfer checken als normale Gäste in das Hotel ein, das Mitglied beim W-H-D werden möchte. Sie buchen Behandlungen, gehen Essen und nutzen das SPA. Seiche erklärt, dass sie dabei besonders auf die Wahrung der Privatsphäre achten, „ist der Schambereich vor der Massage bedeckt worden, gibt es Hygienewäsche, gibt es einen intimen Bereich um sich auszuziehen.“ Darüber hinaus wird erwartet, dass Allergien und andere Unverträglichkeiten vom Personal abgefragt werden. „Außerdem gibt es noch etwas, dass ich ‚Unterlassene Hilfeleistung‘ nenne.“ Seiche meint damit, wenn dem Gast nicht erklärt wird, was er für eine Behandlung bekommt und auch nicht nach bestimmten Problemen oder Vorlieben gefragt wird. Erst nach der Behandlung gibt der Prüfer sich zu erkennen, fragt nach Ausbildung des Personals, Maßnahmen zur Qualitätssicherung und technischen Voraussetzungen

Die Prüfung durch den TÜV ist unabhängig. „Mir ist es völlig egal, ob das Hotel Mitglied wird und ein Siegel erhält.“ Das ist der Hauptunterschied zu anderen Siegeln, bei denen keine unabhängige Stelle, sondern der Verband oder die Gesellschaft selbst das Siegel vergibt. Der Deutsche Wellness Verband schickt anonyme Tester in die Hotels, der Hotelverband Deutschland bewertet lediglich nach der Selbstauskunft der Hotels.

Der Ingenieur Seiche vom TÜV hat aber auch einige Tipps, wie der Gast schon vor der Buchung gute Qualität erkennen kann. „Man sollte beim Hotel anrufen und sich beraten lassen. Besonders gut ist es, wenn das Hotel Spezialisierungen hat und nicht einfach alles anbietet.“ Außerdem empfiehlt er nach der Ausbildung der Mitarbeiter zu fragen. Ein gutes Hotel gibt da gerne Auskunft – ganz ohne Siegel.

Allgemein ITB 2011

„More sex please, we’re on holiday!“

Foto: Peter Brun, René Schudel, Christine Webber und Philipp Tingler auf dem Diskussionspanel des Kuoni Report Launch 2011. Quelle: Moritz Jacobi

Wie machen Leute aus verschiedenen Ländern eigentlich Urlaub? Darauf gibt der auf der ITB Berlin 2011 vorgestellten Kuoni Global Holiday Report zumindest teilweise Antworten. Über die Motivationen, Werthaltungen und Verhaltensweisen von Urlaubern präsentierten Lucia Tallo und Peter Brun von der Kuoni Reisen AG aus Zürich die interessantesten oder auch gar nicht so überraschenden Resultate der Erhebung, um anschließend mit der britischen Moderatorin, Autorin und Psychotherapeutin Christine Webber, dem Schriftsteller und Philosophen Philipp Tingler sowie TV-Koch René Schudel zu diskutieren.

Das 1906 gegründete Schweizer Reiseunternehmen Kuoni hatte das Umfrageinstitut Opinion Matters mit einer Onlineumfrage beauftragt, um die landesspezifischen Präferenzen von Urlaubern aus der Schweiz, Italien, Frankreich, Indien, den Benelux-Staaten und weiteren Zielmärkten des Unternehmens zu ermitteln. 12.117 Teilnehmer zwischen 25 und 65 Jahren gaben Antwort auf insgesamt 25 Fragen. Anders als Studien, die sich auf Budgets und Reisedauer konzentrieren, interessierten hier jedoch Reisevorbereitungen, Essgewohnheiten, das Liebesleben, die Vorlieben und Abneigungen der Urlauber sowie die Auswirkungen, die Urlaubserlebnisse auf das Alltagsleben haben.

Einige Ergebnisse sind recht unspektakulär. „Surprise, surprise“ kommentiert Tallo die ‚Entdeckung‘, dass Frauen tendenziell mehr Vorbereitung in den Urlaub investieren, durch Klamottenkäufe oder Diäten für die richtige Strandfigur. Auch Klischees des flirtenden und gutgekleideten Italieners (der sich auch für einen solchen hält), des im Urlaub etwas zu locker gekleideten Briten oder auch der auf Spaßtourismus erpichten Holländer werden statistisch bedient. „Klischees sind deshalb Klischees, weil sie eben immer auch einen wahren Kern haben“, sagt Tingler. Andere Ergebnisse dagegen scheinen Klischees auch zu widerlegen. So suchen Männer im Urlaub eher noch als Frauen, eine feste Beziehung.

Warum wir uns im Urlaub oft anders verhalten als zu Hause? „Urlaub wirkt oft wie ein Katalysator im Leben der Menschen,” konstatiert Christine Webber. Wir täten im Urlaub Dinge, für die in unserem Alltag keine Zeit oder kein Raum sei, und mit denen wir uns selbst belohnen. Wir essen mehr Fast Food, geben mehr Geld aus und unterhalten uns spontan mit Fremden. Und: Die Ergebnisse des Kuoni Reports aus dem Jahr 2010 deuteten darauf hin, dass Urlaubserfahrungen oftmals Änderungen im Lebensstil der Menschen bewirken. Es kann eine Konversation sein, die einen zum Nachdenken anregt, oder der Einblick in die Lebensweise anderer Menschen – im Urlaub sind wir empfänglicher für die feinen Unterschiede.

Gerade in Liebesdingen macht sich dies bemerkbar. So gab mehr als ein Drittel aller Befragten an, im Urlaub mehr Sex zu haben, als daheim. Webber sieht den Urlaub als stimulierendes Umfeld für romantische Gefühle, besonders für Paare: „Der ganze Tag wird zum Vorspiel.“

Allgemein ITB 2011

Tel Aviv – Hippes Leben im Heiligen Land

Tel Aviv ist weiter Magnet für junge Menschen aus der ganzen Welt. Längst gilt die Stadt nicht mehr als Geheimtipp unter jungen Israelis, sondern ist über die Landesgrenzen hinaus bei Partymenschen und Städtereiseliebhabern bekannt. Besonders beliebt ist die Metropole am Meer bei Reisenden aus den USA, Russland und Deutschland.

Tagsüber können Besucher nach Lust und Laune auf Shoppingtour in der Innenstadt gehen oder mit einem Museumsbesuch in die israelische Kultur eintauchen. Den Abend beginnt man mit einem Sundowner im schicken Café am Strand und startet von dort aus in die angesagtesten Bars und Clubs. Für Musikfans bieten sich ganzjährig zahlreiche Konzertangebote – so hat sich für das jüngere Publikum beispielsweise Nachwuchstalent Justin Bieber in diesem Jahr als Act angekündigt. Dieser wird es Musikurgesteinen wie Elton John und Madonna nachmachen, die bereits in der Vergangenheit die Massen in Tel Aviv begeisterten.

Kein Wunder, dass die Einwohner bei solcher Angebotsvielfalt ihre Stadt nur selten verlassen und sowohl Arbeitsalltag, als auch Freizeitleben in Tel Aviv verbringen.

Bild: Israel Ministry of Tourism (www.goisrael.com)

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Fliegen – aber fair!

Kurz vor 11.00 Uhr morgens auf der ITB Berlin 2011. Eine Mitarbeiterin raunzt ihren Kollegen an, bloß nicht zu viele Leute in die Räume des Kongresszentrums zu lassen. Ein Problem aber, das sich an diesem Morgen auf der Pressekonferenz von atmosfair gar nicht stellt: es kommen nämlich nur sieben Journalisten. atmosfair, das ist die Organisation, bei der jeder Reisende seinen CO2 Ausstoß genau errechnen und anschließend durch eine Spende ausgleichen kann. Somit beruhigt der Fluggast nicht nur sein eigenes Gewissen, sondern unterstützt auch Umweltprojekte in Entwicklungsländern.

Das Interesse an der Pressekonferenz deckt sich mit dem allgemeinen Bewusstsein der Deutschen für die finanzielle Wiedergutmachung. Laut Dietrich Brockhagen, Geschäftsführer von atmosfair, leistet weniger als 1 Prozent seinen Beitrag zum Umweltschutz beim Fliegen. Ein einfacher Flug beispielsweise von Berlin nach London belastet die Umwelt mit 270 kg CO2, den Reisenden würde das sieben Euro kosten. Das wesentliche Potenzial des freiwilligen Obolus im Interesse der Umwelt sieht Brockhagen folglich auch nicht bei Privatreisenden, sondern hauptsächlich bei großen Unternehmen, die die teure Business-Class der Flugzeuge buchen.

Pünktlich zur ITB Berlin 2011 stellt atmosfair nun den „Airline Index“ vor. Anhand unterschiedlicher Kriterien wie Flugzeugtyp und Material sowie Sitzplatzkapazität werden die effizientesten und somit umweltfreundlichsten Fluggesellschaften ermittelt. Die Nummer Eins in Deutschland ist Condor und liegt auf Rang zwei von 133. Billigflieger wie Germanwings und Easyjet werden in der Studie nicht berücksichtigt, da die Reisenden oftmals für ein billiges Ticket eine weitere Anfahrt zum Flughafen in Kauf nehmen und folglich die gesamte CO2 Belastung schwer zu ermitteln ist.

Weitere Informationen und die Ergebnisse des Airline Index unter:
https://www.atmosfair.de/index.php?id=573

Allgemein ITB 2011

Chance für Nachwuchsjournalisten. Presseworkshop young press berichtet täglich von der ITB Berlin 2011

Zum 17. Mal veranstaltet die Thomas-Morus-Akademie Bensberg in Kooperation mit der Messe Berlin einen Presseworkshop auf der weltgrößten Tourismusmesse in Berlin. Ein Training on the job bietet der Workshop acht jungen Teilnehmern und Teilnehmerinnen, die journalistische oder touristische Vorerfahrungen aus Studium oder Beruf mitbringen und sich um einen der Workshopplätze beworben haben. Unter fachkundiger Begleitung erstellen sie während der ITB Berlin 2011 den Pressedienst young press und vertiefen ihre (reise-)journalistischen Kenntnisse. Mit kritischer Distanz begleitet young press die Tourismusmesse in der Bundeshauptstadt. Das Augenmerk des Pressedienstes, der u.a. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell unterstützt wird, richtet sich dabei vor allem auf Themen, die sonst eher vernachlässigt werden: Reisebedürfnisse von jungen Leuten, auf sie zugeschnittene Reiseangebote, studentische Tourismusinitiativen und wissenschaftliche Diskussionen.

Betreut werden die jungen Journalistinnen und Journalisten von Dr. Jan-Christoph Kitzler (Deutschlandradio), Günter Ermlich (freier Journalist, u.a. DIE ZEIT, die tageszeitung, Der Tagesspiegel), Tobias Asmuth (freier Journalist u.a. fluter, FR, Berliner Tageszeitung) und Edith Kresta (die tageszeitung). Die von young press produzierten Artikel werden auf mehreren Social-Media-Portalen u.a. auf  Facebook für spannende Diskussionen rund um das Thema Tourismus sorgen. Zudem werden die Artikel auf der Homepage der ITB Berlin und im Blog der Thomas-Morus-Akademie platziert.

Das Büro von young press befindet sich im Pressezentrum (Zwischengeschoss, Raum 503) und ist vom 9. bis 13. März 2011 täglich von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr besetzt und unter der Rufnummer 0 30 / 30 38 – 81 119 erreichbar. Ansprechpartner sind Astrid Ehring, Messe/ITB Berlin sowie Susanna Theunissen von der Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

Die Redaktionsmitglieder von young press:

Myriel Camp, Moritz Jacobi, Joana Juckel, Marie-Christine Kesting, Maria Langhammer, Claudia Kovaricek, Jennifer Schwanenberg, Isabel Schoelen

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