Nicht nur ein Trend: Social Media & Mobile World

Quelle: Katharina Czech

PC, Smartphone, App, und Tablet bestimmen mehr und mehr unser Leben. Das spiegelt sich auch im Veranstaltungsprogramm der ITB 2012 wider. Themen  wie  „Kollaboration Reise-Ideen und Konzepte für ein neues Zeitalter im Tourismus“, „Wie Smartphones, Tablet, PC und App den Internethandel revolutionieren“ oder  „Wie Social Media und Mobile Marketing den Kulturjournalismus verändern“  sorgen für volle Stuhlreihen in den Kongresssälen.

Dabei steht immer das Wort der Veränderung im Mittelpunkt. Im Prozess der gesellschaftlichen und kulturellen Veränderungen durch die mediale Welt befinden wir uns aber bereits nicht mehr nur am Anfang sondern sind mitten drin im virtuellen Geschehen. Viele verknüpfen  heute die reale Welt mit der virtuellen und pflegen ihre Kontakte durch Social Media Dienste (Facebook, Xing). Die Tourismuswelt hinkt diesem Prozess hinterher. Ideen, die den Einstieg in die mobile Welt ermöglichen, kommen meistens aus anderen Wirtschaftsbereichen. In der Tourismusbranche selbst ist also der Bedarf an Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten groß, damit auch dort mehr spezielle Angebote für Smartphones, etc. entwickelt werden.

„Das Reiseerlebnis beginnt schon vor der Reise“, erklärt Oliver Puhle vom Travel Trend Guide. Empfehlungen und Bewertungen bei Social Media Diensten entscheiden immer häufiger über Erfolg  oder  Niederlage einer Destination, somit hat der Märchenbuch-Reisekatalog eigentlich ausgedient. Das Social Network hat sich zum eigenen Reisekatalog  mit vielen positiven aber auch negativen kritischen Einblicken in die Tourismuswelt entwickelt.

Mobile Medien sind längst etabliert. Schon jetzt zeichnet sich ab, dass Smartphones mehr und mehr den Markt beherrschen. Das zeigen jedenfalls die Verkaufszahlen. Apps erleichtern das Leben zunehmend, Hotels und Flüge werden über das Smartphone von heute auf morgen gebucht und auch das Bestellen eines Taxis funktioniert auf Knopfdruck. 31 Prozent der Smartphonebesitzer durchstöbern in der virtuellen Welt die Rubrik Reise, der Tourismus steht dabei prozentual vor den Themen Bildung und Medizin.  Lange Warteschleifen, Wege ins Reisebüro oder auch die Buchung eines Events über die Theaterkasse sind passé. Dies hat die Reisebranche weitgehend noch nicht erkannt: Wenn der klassische Tourismus nicht schnell neue Wege einschlägt, wird dieser stagnieren.

Allgemein ITB 2012 Trends

Politischer Umbruch – Welche Rolle spielt der Tourismus?

Foto: Edith Kresta, Thomas Müller, Nicole Häusler, Dr. Peyman Javaher-Haghighi, Hamed Abdel-Samad, Dr. Wolfgang Aschauer, Burghard Rauschelbach. Quelle: Miriam Gutekunst.

Dass es einen Zusammenhang zwischen politischen Umbrüchen und Tourismus gibt, ist wissenschaftlich nachgewiesen: Während zum Beispiel Ägypten vor den Demonstrationen am Tahrir-Platz in Kairo eine führende Position im touristischen Wachstum besetzte, brach der Tourismus im Februar und März 2011 um bis zu 80 % ein. Mittlerweile hat sich der Rückgang bei circa 30 % eingependelt und die Touristenzahlen gingen von 14 Millionen auf 10 Millionen zurück. Brauchen Länder wie Ägypten in einer politisch instabilen Situation Tourismus? Und wenn ja, welche Art von Tourismus?

Abseits des regen, bunten Treibens der ITB Berlin hatte sich heute Morgen eine kleine Runde zusammengefunden, um über diese Fragen zu diskutieren. In zahlreichen Podiumsdiskussionen über die Zukunft der arabischen Länder nach der Revolution würde auf der Messe ja doch jeder das Gleiche sagen: „Kommt, bereist uns, dann helft ihr der Wirtschaft!“, erklärte der Moderator Burghard Rauschelbach, Leiter des Sektorvorhabens „Tourismus und nachhaltige Entwicklung“ der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ). Dieser scheinbare Konsens der ITB Berlin sollte in diesem überschaubaren Rahmen nun mit kritischen Stimmen beleuchtet werden. Eingeladen waren der deutsch-ägyptische Politikwissenschaftler und Autor Hamed Abdel-Samad, der Soziologe Dr. Wolfgang Aschauer, die Leiterin der Redaktion „Reisen und Interkulturelles“ der taz – die tageszeitung Edith Kresta, die Beraterin für nachhaltigen Tourismus Nicole Häusler und der iranischstämmige Experte und Autor Dr. Peyman Javaher-Haghighi.

Edith Kresta plädierte für einen „Revolutionstourismus“. Diese Art des Reisens hat seine Wurzeln bei der linken Bewegung in den 1970er Jahren. Zu dieser Zeit hieß es zum Beispiel: „Wir reisen nach Nicaragua und helfen bei der Revolution.“ Die Journalistin war in den letzten Monaten mehrere Male in Tunesien und ist begeistert von der neuen Offenheit der Menschen. Sie sieht im Tourismus eine Chance für die Bevölkerung sich dem Westen weiter zu öffnen. Das Land habe als Ursprung des arabischen Frühlings zum ersten Mal ein Gesicht bekommen. Ein Alleinstellungsmerkmal, das Tunesien als Reiseziel nicht länger austauschbar mit jedem anderen All-Inclusive-Urlaubsangebot mache. Man solle als Tourist die Bevölkerung unterstützen und abseits der 3-Sterne-Clubhotels mit den Menschen ins Gespräch kommen.

Dass Touristen nicht mehr die „Autobahn der Vorurteile“  fahren, sondern in Kontakt mit den Einheimischen treten, wünscht sich auch Hamed Abdel-Samad für sein Geburtsland Ägypten. „Touristen und Ägypter beobachten sich wie im Zoo und keiner weiß, wer der Affe ist“, beschrieb der Politikwissenschaftler die Begegnung zwischen Besuchern und Gastgebern. Diese Bilder müssten jetzt diskutiert und verhandelt werden. Die Frage sei, welche Tourismusform dabei helfen kann?

Die Ethnologin Nicole Häusler hält es in diesem Zusammenhang für wichtig, die gesamte Bevölkerung am Tourismus partizipieren zu lassen. Man müsse auch dem Mittelstand die Chance bieten sich einzubringen und Unternehmen zu gründen. Diese Länder bräuchten einen Tourismus, der mittelständig orientiert ist und auch in prekären Regionen ankommt, bestätigte Edith Kersta den Ansatz des „community-based tourism“. Bisher habe sich der Tourismus wie ein rotes Band durch Ägypten gezogen, das von Urlaubern abgeklappert wurde: immer die gleichen Hotels, immer die gleichen Restaurants.

Ob Ägypten und Tunesien für diese Art des Reisens schon bereit sind, bezweifelt Dr. Wolfgang Aschauer – war der Tourismus dort doch lange Zeit ein „paradiesischer Käfig mit starken Sicherheitsmaßnahmen“. Darüber zu urteilen, ob die Reise in ein Land im politischen Umbruch gut oder schlecht ist, hält er allerdings für ethnozentristisch. Man solle doch darauf hören, was  die Bevölkerung des Ziellandes selbst wolle.

Dr. Peyman Javaher-Haghighi weiß von Bekannten und Verwandten im Iran, dass sich die iranische Bevölkerung Tourismus wünscht und offen ist gegenüber Besuchern. Die interkulturellen Begegnungen könnten sogar den Demokratisierungsprozess anstoßen, da die Iraner durch den Kontakt mit Touristen andere Lebensformen und Sichtweisen kennen lernen könnten. Der Reiseveranstalter SKR möchte genau aus diesem Grund den Iran bald in sein Angebot aufnehmen.  Für den Geschäftsführer des Familienunternehmens Thomas Müller ist die Komponente des Austauschs zentral für Tourismus in einem diktatorisch regierten Land.

Welche Rolle spielt nun Tourismus in einem politisch instabilen Land? Die Experten sind sich einig: Man braucht diesen Wirtschaftssektor tatsächlich. Aber sie sprechen sich für eine neue Form aus – weg vom Massentourismus in abgeschotteten Hotelanlagen, gesteuert von wenigen großen Reiseveranstaltern, hin zum individuellen Reisen mit Raum für Begegnungen mit Einheimischen, von dem kleine Unternehmen profitieren. Nur dann kann der Tourismus in Ländern wie Ägypten und Tunesien nach der Revolution eine positive Rolle spielen.

Zum Abschluss warf Thomas Müller noch einen wichtigen Gedanken in die Runde: „Letzten Endes entscheidet jeder Kunde selbst, ob er in den Massenbunker möchte oder etwas anderes.“ Ob diese Botschaft zu den Besuchern und Reiseveranstalter der ITB Berlin durchdringt, bleibt durch die Abgeschlossenheit und Exklusivität dieser Veranstaltung fraglich.

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Traumbranche Tourismus: Welcher Weg führt zum Erfolg?

Quelle: ITB Berlin.

„Fragt man Bewerber im Vorstellungsgespräch, warum sie in die Tourismusbranche wollen, sagen viele, dass sie Fremdsprachen beherrschen und gerne reisen“, sagt Katrin Hörner, Leiterin der Abteilung Nachwuchsentwicklung beim Tourismus-Konzern Thomas Cook. Bei Neueinstellungen achte das Unternehmen jedoch stattdessen vor allem auf solide mathematische und betriebswirtschaftliche Kenntnisse. Bewerber müssten sich mit wirtschaftlichen Kennzahlen auskennen und diese schnell richtig interpretieren können.

Auf der Internationalen Tourismus-Börse (ITB) in Berlin raten deshalb Praktiker aus der Tourismusbranche Berufseinsteigern zu einer Kombination aus praktischer Berufsausbildung und Studium.

Denn Auszubildende lernen genau kennen, wie Unternehmen funktionieren und welche Aufgaben in der Praxis wichtig sind. „Es ist ein großer Vorteil, wenn man in der Lage ist, auch Buchungen durchzuführen“, sagt Hans-Gustav Koch, Geschäftsführer des Deutschen Reiseverbandes. Einzelne Praktika während eines Touristikstudiums könnten eine Ausbildung nicht ausgleichen. „Auch Abiturienten brauchen dafür 24 Monate, das kann kein Betrieb in wenigen Wochen leisten“, meint Katrin Hörner. Besser seien zudem einzelne längere Praktika statt vieler kurzer.

Dass eine Berufserfahrung praktische Kenntnisse vermittelt, die vielen Studenten fehlen, kann Johanna Breit bestätigen. Die 23-jährige ist Auszubildende bei FTI in München. Kürzlich musste sie eine Praktikantin einarbeiten, die seit vier Semestern studiert. „Die fängt quasi bei null an“, sagt Breit – und erklärt ihr jetzt unter anderem, dass die Abkürzung „HP“ in Preisvergleichen für „Halbpension“ steht.

Doch andererseits lernen Studenten an Universität oder Fachhochschule Abstraktionsfähigkeit und das Denken in Konzepten. „Wir brauchen auch Absolventen, die über den Tellerrand hinaus blicken, die innovativ sind und Ideen mitbringen“, sagt Katrin Hörner.

Auch Johanna Breit möchte nach ihrer Ausbildung noch studieren. Wie viele andere Berufseinsteiger hat sie allerdings Angst, dann deshalb keine Stelle mehr zu finden, weil sie nach ihrem Studium mit 28 Jahren zu alt sein könnte. Diese Befürchtung sei jedoch unbegründet, meinen viele Praktiker auf der ITB. „Nehmen Sie so viel Ausbildung mit, wie sie bekommen können“, rät Hans-Gustav Koch den Zuhörern. Und Thomas-Cook-Personalerin Hörner erklärt, ihr Unternehmen würde bei der Bewerberauswahl nicht aufs Alter schauen, sondern auf die Qualifikation.

Unerreichbar ist er glücklicherweise nicht, der Traumjob in der Tourismusbranche. Aber auf einen langen Weg dorthin müssen sich Interessierte einstellen.

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Glamping verbindet Glamour und Camping – Eurocamp setzt voll auf die neue Art von entspanntem Familienurlaub

Foto: Simone Pokrandt, Marketingleiterin von Eurocamp. Quelle: Jana Rentmeister

Gegensätzlicher kann die Vorstellung eines Urlaubs kaum sein: Wie passen unbequeme Isomatten, wettersensible Zelte und knisterndes Lagerfeuer zu luxuriösen Badezimmern und einem Vor-Ort-Service der Spitzenklasse? Eurocamp bietet jungen Familien genau das: Abenteuer für die Kids und Entspannung für die Eltern – eben Harmonie für die ganze Familie.

Mit der Rolle Klopapier unterm Arm über den dunklen Campingplatz zu den Sanitäranlagen huschen, ein vom Regen durchnässtes Zelt wieder abbauen und nachts vom Lärm der Jugendlichen wachgehalten werden – keine schöne Vorstellung für viele Mütter und Väter, die sich Erholung für die ganze Familie wünschen. Viele Reisende lehnen oftmals das Camping als Urlaubsform ab – besonders mit kleinen Kindern sind das eigene Kochen und die Anreise mit viel Ausstattung genügend Hindernisgründe und der Urlaub ist mit mehr Aufwand verbunden, als man im Gegensatz an Entspannung zurückbekommt.

Beim Glamping zieht sicher der Glamour durch die den ganzen Urlaub, von Anfang bis Ende: Familien erreichen ihren gebuchten Campingplatz und finden das aufgebaute Zelt vor, während des Urlaubs nutzen sie Geschirr und Töpfe der Unterkunft und erkundigen sich nach Ausflugsmöglichkeiten bei der extra eingerichteten Eurocamp-Rezeption und vor Abreise können die Urlauber getrost auf die Endreinigung verzichten – das ist alles inklusive.

„Es gibt wirklich einen positiven Unterschied“, weiß Ralph Binder aus Idstein. Er hatte bei der ITB 2012, der weltweit größten Reisemesse, dem Vortrag von Simone Pokrandt, der Marketingleitung von Eurocamp, gespannt zugehört, denn er kennt Eurocamp und lacht: „Die Atmosphäre ist einfach der Hammer! Unsere Kinder waren die ganze Zeit beschäftigt, hatten direkten Anschluss zu den anderen Urlaubskindern und meine Frau und ich mussten uns erst einmal daran gewöhnen, dass wir gar nicht gefragt waren.“ Auf den gewohnten Standard musste Binder nicht verzichten.

Eurocamp spricht vor allem junge Familien an, bei denen viel Wert auf Natur, Gesundheit und Kindererziehung gelegt wird. Die meisten haben ein mittleres bis hohes Einkommen. „Vor allem die Vielverdiener“, so Simone Pokrandt, „sind oft von den 5-Sterne Hotels gelangweilt. Zwar wollen sie auf das eigene Bad nicht verzichten, aber bevorzugen für den eigenen Sommerurlaub mit der Familie eine legere Atmosphäre ohne gehobene Etikette. Oft nutzen auch Großeltern Eurocamp, um mit ihren Enkeln entspannte Tage zu genießen.

Durchschnittlich kostet eine Woche Urlaub für eine Familie mit bis zu sechs Personen 800 Euro. Für Alleinerziehende gibt es einen besonderen Rabatt. Das ist vergleichbar mit einer normalen Ferienwohnung. Zum Service zählt außerdem eine kompetente vor Ort-Betreuung sowie die qualifizierte Kinderbetreuung. Besondere Highlights werden gegen Gebühr hinzugebucht.

Mehr Informationen unter http://www.eurocamp.de

Allgemein ITB 2012 Trends

Tourismus als Lebenselexier?

Foto: Tanouri-Tänzer auf der ITB Berlin. Quelle: Miriam Gutekunst

Es wird still im Publikum. Mit fünfzehnminütiger Verspätung treffen die angekündigten Tanoura-Tänzer ein. Mit ernster Miene schreiten die drei jungen Männer auf die Bühne und positionieren sich in einer Reihe. Mit dem ersten Trommelwirbel der Musik beginnen sie sich zu drehen. Schneller und schneller. In Windeseile falten sich ihre langen, bunten Röcke auf und steigen höher und höher. Tanoura ist  die Kunstform des traditionellen Tanzes der Derwische, der Vertreter des mystischen Islams. Das Drehen soll zu Ekstase und dadurch in himmlische Sphären führen.

Aber an diesem Mittwochmorgen handelt es sich nicht um eine religiöse Zeremonie, sondern um eine Aufführung für die Besucher der ITB Berlin. Die drei Tänzer vertreten das Partnerland Ägypten und werben um Touristen. Ein Jahr ist es her, dass der arabische Frühling nach Ägypten schwappte und sich am Tahrir-Platz in Kairo hunderttausende Menschen zusammenfanden,  um gegen die Regierung Mubarak zu demonstrieren. Der Präsident wurde gestürzt. Die erfolgreiche, friedliche Revolution der Ägypter löste weltweit Respekt und Bewunderung aus. Nun ist es unklar, wie sich das Land weiterentwickeln wird. Doch eines steht für Tourismusminister Mounir Fakhry Abdel Nour fest: „Die Regierung muss 800.000 jungen Menschen Arbeit geben, sie kann nicht auf Urlauber verzichten.“ Vor der Revolution reisten noch 14,7 Millionen Touristen in das Land der Pyramiden, davon 1,3 Millionen aus Deutschland. Seit den politischen Umbrüchen sind diese Zahlen stark eingebrochen. Die diesjährige ITB soll dazu beitragen, den Tourismus wieder anzukurbeln.      

Die drei Ägypter wirbeln über die Bühne.  Sie sind umgeben von ihren kreisförmigen Röcken, deren grelle Farben verschwimmen, so schnell drehen sie sich. „Elixier der Glückseligkeit“, so wird der Tanz der Derwische genannt. Als „Lebenselixier“ bezeichnet auch Dr. Christian Gölke, Geschäftsführer der Messe Berlin, die Bedeutung des Tourismus für Ägypten. Die Branche ist ein wichtiges Standbein für das Land und erwirtschaftete vor der Revolution zwölf Prozent des Bruttoinlandsprodukts.

Folgt nach der politischen Revolution im Land der Pauschalreisen eine Revolution im Tourismus? Ein Blick in das Kongressprogramm der ITB Berlin zeigt, dass darüber kontrovers diskutiert wird. In Podiumsdiskussionen und Workshops geht es um die Bedeutung und Auswirkungen der Tourismuswirtschaft  in einem Land, das sich im politischen Aufbruch befindet: Minister, Wissenschaftler und Reiseveranstalter debattieren zum Beispiel über die Frage, ob es sich bei der „Arabellion“ um einen arabischen Frühling oder um eine touristische Eiszeit handelt. Auch der CDU-Politiker Klaus Brähmig, Vorsitzender des Bundestags-Tourismusausschusses, äußerte sich kurz vor der Eröffnung der Tourismusmesse gegenüber dem Hamburger Abendblatt kritisch und sprach sich gegen Urlaubsreisen nach Ägypten in der momentanen Situation aus, unter anderem wegen der Unterdrückung der koptischen Christen und den Prozessen gegen Mitarbeiter von Organisationen wie der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Einer der Tänzer wirft plötzlich seinen Rock in die Luft, blickt flehend gen Himmel und schlägt die Arme über dem Kopf zusammen.  Die Show ist aus und die Künstler verlassen unter verhaltenem Applaus die Bühne. Ob es tatsächlich Folkloreaufführungen sind, die Touristen wieder nach Ägypten locken, oder es etwas Anderes, etwas Neues braucht, um die Menschen zu überzeugen, wird sich in der kommenden Urlaubssaison zeigen.

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Allgemein ITB 2012 Topstories

SO-LO-MO – oder wohin die Reise der Reise geht

Foto: Dipl. Math. Heike Helmers. Quelle: Jana Rentmeister

Alle Referenten beim Panel sprechen von den diesjährigen Trends im eTourismus: Social Media. Ob alle Unternehmer und auch kleine Betriebe mithalten können, ist noch die Frage. Denn wie so oft geht es bei Trends um Erwartungen, nicht um Versprechungen.

In ganzen Hallen der ITB Berlin, der weltweit größten Messe für Tourismus, geht es nur um das Thema „Wohin geht die Reise der Reise?“, sprich: welche Entwicklungen können wir im Tourismus erwarten? Und es gibt viele Antworten. Die Trends im eTourismusmarketing auf sind nach einem Tag schnell auf den Punkt gebracht: SO-LO-MO, die Kurzform für social, local und mobile.

Im eTravel World Lab der Halle 7.1c dreht sich jeder Vortrag darum. Auf „Konsumentenmarkting im Social Web“ folgt „Social Media 2012 – 10 Thesen vom Hype zum Kommunikationsalltag“ über „Social Media along the travel chain“ bis hin zu „Kollaboratives Reisen – Ideen und Konzepte für ein neue Zeitalter im Tourismus“.

„Dabei ist das Bewusstsein für Social Media bei Klein(st)unternehmen noch längst nicht da“, weiß Dipl. Math. Heike Helmers aus eigener Erfahrung. Die Marketingberaterin von Tourismuskontor sitzt mit im Publikum und hört gespannt den Vorträgen zu. Sie entwickelt für Kleinst- und Kleinunternehmen aus der Tourismusbranche Strategien zur Marktbeschreitung und ist seit zehn Jahren selbstständig. „Wie Social Media funktioniert, welche Chancen und Tücken es mit sich bringt, wissen viele noch nicht. Mit Seminaren machen wir vorwiegend Aufklärungsarbeit.“

Im Kern geht es bei Social Media um folgendes: Mit „Web 2.0“ oder „Mitmach-Web“, zwei Synonyme für „Social Media“, hat sich nicht etwa eine neue Version des Internets entwickelt, sondern es ist vielmehr ein neues Verständnis darüber in unserer Gesellschaft entstanden. Es hat eine Machtverschiebung gegeben, denn es sind nicht mehr nur große Konzerne, die Inhalte im Netz publizieren können sondern jeder einzelne Reisende. Das geschieht vorrangig über Dialogfunktionen und vereinfachte Kommunikationswege, über Bewertungsfunktionen und eine erhöhte Zugänglichkeit von Informationen.

Der Reisende entscheidet, was er wahrnehmen möchte und was nicht. Für die Masse an Werbebotschaften, die täglich auf ihn einprasseln, hat er Filter entwickelt, die Informationen selektieren, bevor ihnen große Aufmerksamkeit geschenkt wird. Björn Zimmer, CEO von Yourfans, empfiehlt Unternehmen daher, auf kontinuierliche und kanalübergreifende Berichterstattung mit konstanten Botschaften zu setzen. Erfolgsfaktoren bei Facebook-Marketing seien Markenbildung, Botschaften, Frequenz, Reichweite und Vertrauen: „Ein Wanderreise-Anbieter wird erst dann mit seiner Social Media-Strategie erfolgreich sein, wenn der Internetnutzer bei seiner Recherche im Internet ihn immer wieder entdeckt.“

Markenbildnerin Heike Helmers sieht die Problematik vor allem darin, dass in Kleinunternehmen zu wenige Kapazitäten für Social Media vorhanden sind. „Für das Verfolgen einer Social Media Strategie müssen Mitarbeiter erst einmal geschult werden, bevor sie kontinuierlich Inhalte veröffentlichen, denn jede Veröffentlichung bringt im besten Fall Kommunikation und erfordert Zeit für Dialog.“ Die Beraterin wünscht sich mehr Mut, damit die unternehmerische Schere zwischen kleinen und großen Unternehmen aus der Tourismusbranche nicht zu stark auseinander geht. Kleinunternehmer sollen mit offenen Augen durch das Web gehen und sich nicht von alltäglichen Sachzwängen leiten lassen. Besonders für den Regionaltourismus erkennt sie hohes Potential und viele Chancen.

In einem Punkt sind sich alle Referenten einig: Die Urlaubsentscheidung liegt nicht mehr in der Kontrolle des Vermarkters, denn sie haben dank des Internets eigene Möglichkeiten zum Vergleich. Der Vermartker stattdessen kann nur mit Mehrwert und Kompetenz punkten.

Allgemein ITB 2012 Topstories Trends

Action, Spaß und Spannung

Foto: Halle Trends und Events. Quelle: Myriel Camp.

Die ITB Berlin 2011 kann eine sportliche Herausforderung sein. Zumindest in der Halle 4.1. des Messegeländes.

Der Gurt wird angelegt und rauf geht es den etwa 10 Meter hohen Kletterfelsen. Oder versucht man sich doch lieber auf einem Surfboard beim Wellenreiten? Definitiv eines der Favoriten, zumindest die lange Schlange der geduldig wartenden Menschen davor deutet darauf hin.

Geschick und Balance sind gefragt, wagt man sich auf die Slag Line, ein gespanntes, elastisches Seil über dem Boden. Die reinste Wackelpartie – und auch für Zuschauer sehr amüsant. Ziemlich komisch sieht das aus, wenn die Wagemutigen um kostbare Sekunden auf dem Seil kämpfen.

Wer nicht mit ganzem Körpereinsatz dabei sein möchte, der kann Sport im „kleinen Rahmen“ machen: Minigolf und Skateboarding als Fingerakrobatik. Und mit etwas Glück lässt sich beim Glücksrad auch noch ein kleiner Gewinn abstauben. Für die Ruhepause zwischendurch bieten sich einzelne Konzerte und Vorführungen aus verschiedenen Kulturen an. Halle 4.1: Definitiv eine aktionsgeladene Halle, ein großer Spielplatz für groß und klein.

Wer sich darüber hinaus noch über spannende Reiseangebote insbesondere für junge Leute informieren möchte, der kann sich von den zahlreichen Hostel- und Abenteuerveranstalter schon mal gedanklich mitnehmen lassen auf die große Reise.

Allgemein ITB 2011

Sonne, Strand und neue Hüfte: Medizintourismus in Thailand

Foto: Das Bangkok Hospital. Quelle: geographyteachingtoday.org.uk

Inmitten der Stände von Airlines, Reiseanbietern und Ländern Südostasiens steht ein Stand, der auf der ersten Blick gar nicht in das exotische Ambiente traumhafter Urlaubsorte zu passen scheint. Keine lächelnden Thais, keine bunten Panoramen, keine Bildschirme, keine Musik. Es ist der Stand eines Krankenhauses. Hinter dem Infostand sitzt ein Deutscher – und wartet.

Ralf Krewer ist eigentlich Sinologe. Als ihm das Chinesischlernen in Berlin nicht mehr ausreichte, zog es ihn nach Asien. Heute ist er Direktor des Bangkok Hospital. Dazwischen liegt der rasante Aufstieg Thailands zum Mekka im internationalen Medizintourismus.

Medizintourimus, das sind Reisen zwecks ärztlicher Behandlung im Ausland, und eigentlich so alt wie die Zivilisation, meint Krewer. Früher mussten Menschen manchmal weite Reisen auf sich nehmen, um bestimmte Behandlungen oder Arzneien zu bekommen. Alte Kurorte etwa zehren noch heute von ihrem Ruf als Pilgerziel der Kranken. Als globales Phänomen, mit erdumspannender Logistik und technologisch hochspezialisierten Kliniken, boomt diese moderne Form des Tourismus derzeit. Der Mittelstand hat in weiten Teilen der Welt mehr Geld zur Verfügung, außerdem werden die globalen Transportmöglichkeiten immer erschwinglicher. Und damit steigt auch die Nachfrage nach medizinischen Leistungen im Ausland. Wer das Geld hat, kauft sich und seiner Familie die bestmögliche Behandlung.

In Deutschland dürfen Krankenhäuser seit 1998 Gewinne aus der Behandlung von Patienten aus dem Ausland behalten. Aber Kunden aus Afrika, dem Nahen Osten, Asien und Europa machen sich inzwischen auf in ganz unterschiedliche Regionen: nach Polen oder Ungarn; nach Brasilien, das Land des Skalpells; nach  Singapur, Indien, Malaysia und Thailand. Grund genug für Bangkok Hospital, sich auf der ITB Berlin 2011 zu präsentieren.

Bangkok Hospital ist eines von 27 Krankenhäusern der Dusit Medical Services (DMS). Neben der thailändischen Hauptstadt hat das Unternehmen auch Filialen in anderen Ländern, etwa in Äthiopien. Bangkok Hospital ist eine Kette von Krankenhäusern – eine sehr erfolgreiche. Das Forbes Magazine listete es 2006 als eines der besten Unternehmen der Asien-Pazifik-Region. Weltweit arbeiten 4200 Ärzte für die Unternehmensgruppe. Im letzten Jahr wurden stolze 52 Prozent des Umsatzes durch Medizintouristen generiert.

Die größte Teilgruppe darunter stellen Burmesen, vom Umsatz her aber bestimmen Qataris, Emiratis, Äthiopier und Deutsche das Bild, so Krewer. Das große Plus der DMS Kliniken ist modernste Technik: „Ich habe viel mit europäischen Netzwerken wie den Maltesern zu tun. Wenn deutsche Kollegen zu uns nach Thailand kommen und unsere Technologien sehen, sind die immer ganz erschlagen und sagen, so etwas hätten sie nicht mal in Deutschland.“ Die Emirate beispielsweise haben zwar eine gute ärztliche Versorgung, doch viele reiche Araber wollen sich daheim nicht gern von ihren libanesischen oder pakistanischen Ärzten und Krankenschwestern behandeln lassen. Und wieder andere kommen schlicht wegen der Ersparnis an Zeit und Geld. Und warum sollte man sich nach stressigen Untersuchungen oder einer Operation nicht gleich einen Urlaub gönnen? Die DMS-Krankenhäuser liegen bereits in Urlaubsregionen – Samui, Krabi, Phuket. Medizinische Leistungen sind mit einem Erholungsurlaub kombinierbar, gern auch mit Kind und Kegel.

Die Kosten für das alles? „Sie können sich den Urlaub allein durch die Ersparnis bei den Behandlungen leisten“, sagt Krewer. Für einen Rundum-Check, der in Deutschland locker 2.800 Euro und mindestens zwei Tage Zeit koste, zahle man in seinem Unternehmen gerade mal umgerechnet 860 Euro. Alles inklusive. Auch kosmetische Chirurgie, eine Spezialität der klinischen Medizin in Thailand, ist im Angebot, etwa das Face Lift Package für rund 2.800 Euro. Am Service lässt man es im Bangkok Hospital mit der bunt gemischten Kundschaft nicht fehlen: Dolmetscher in 26 Sprachen, Zimmerservice, vier Moscheen, Halal-Küche, tägliche Jazz- oder Klassikkonzerte. „So ein Krankenhaus ist vergleichbar mit einem Fünf-Sterne-Hotel“ erklärt Krewer, „das macht seinen Profit auch nicht mit den Zimmerpreisen, sondern an der Bar, mit Dienstleistungen und im Restaurant.“

Das Geschäft geht gut, und obwohl sich auch in anderen Ländern seit einiger Zeit Reiseunternehmen auf Medizintouristen spezialisieren, wundert sich Krämer, dass sein Stand immer noch der einzige seiner Art auf der ITB Berlin ist. Der Grund: Das ganze von Deutschland aus als Komplettpaket inklusive Transport zu vertreiben, ist aus haftungsrechtlichen Gründen noch nicht möglich. Krewer kann deshalb bisher nur Werbung machen, doch er ist optimistisch: „Auf der nächsten ITB Berlin finden Sie vielleicht schon ganze Reisepakete bei uns.“

Allgemein Fernreisen ITB 2011

Die Jagdsaison ist eröffnet: Privatbesucher stürmen die ITB Berlin 2011

Foto: Give-Away Ausbeute. Quelle: Claudia Kovaricek

Seit heute Morgen können sich Privatbesucher auf der größten Tourismusmesse der Welt, der ITB Berlin 2011, über aktuelle Reisetrends und Angebote informieren. Bereits vor neun Uhr sitzen schon viele vor den verschlossenen Messeingängen und warten darauf, endlich hineingelassen zu werden.

Kaum sind die Tore der Messe geöffnet, beginnt die Jagd auf die Werbegeschenke der Aussteller. Sammler kommen ganz auf ihre Kosten: Give-Aways fließen en Masse. An jeder Ecke gibt es etwas – Kugelschreiber, Schlüsselbänder oder Taschen liegen wie jedes Jahr hoch im Kurs. Auch kleine Urlaubshelfer werden in den Messehallen ausgegeben. Praktisches wie einen Asienknigge mit Verhaltenstipps oder Hinweise für unbeschwerte Ferien werden verteilt. Klar wird: Beim Messebummel tauchen inzwischen immer häufiger auch ausgefallene Ideen auf. Zum Teil sind diese hilfreich, manchmal sehen sie aber auch nur nett aus. Quietscheentchen mit lila Federboa, ein traditioneller Strohhut oder eine kostümierte Plastikpuppe in Uniform sind nur einige Beispiele für nichtssagende Werbegeschenke.

Originell wird es dagegen schon beim Anti-Stress-Flugzeug in Knautschoptik, das bestimmt einen angenehm-entspannten Flug verspricht: Durch leichtes Zusammendrücken in der Handinnenfläche werden die Handmuskeln gelockert. Gesundes findet sich auch auf der ITB Berlin 2011: Äpfel mit Laser-Slogan, die neben Fast-Food-Snacks am Rand der Messehallen für vitaminreiche Abwechslung sorgen. Die kreativste Idee: Ein Strandtuch weist mit großen Buchstaben darauf hin, dass es bereits „belegt“ ist. Damit lassen sich die besten Poolliegen im Urlaubsort reservieren. Die Kuriosität des Tages: Ein Light Board,  dessen Zusammenhang mit dem Aussteller sich dem Besucher nicht richtig erschließt. Dass zeitnah auf politische Situationen im Land reagiert wird und Werbegeschenke zum Nachdenken anregen sollen, zeigt sich beispielsweise an einem Poster mit Hinweis auf die friedliche Revolution und den Umbruch in Ägypten.  Imagekampagnen müssen flexibel sein.

Für Beobachter des Messegeschehens am Wochenende wird schnell klar, dass das Interesse der Besucher am Materiellen oft größer ist, als am Aussteller. Scheinbar haben sie gut gefrühstückt, denn die Taschen sind schon am Mittag randvoll, das schwere Gewicht nicht zu übersehen. Zurückhaltung ist für viele ein Fremdwort: Es wird gedrängelt und gegrabscht, um Ausreden sind einige nicht verlegen. Wer sich heimlich bedient und dabei ertappt wird, hat plötzlich einen Bruder, der auch ganz dringend einen Kugelschreiber braucht. Es wird rücksichtslos zugelangt, sodass kurz nach Mittag bereits die ersten Aussteller keine Give-Aways mehr anbieten können. Aber zum Glück gibt’s ja noch den nächsten Stand, an dem man es nochmal versuchen könnte.

Allgemein ITB 2011

Was macht glücklicher, die Partnerschaft oder eine Reise?

Quelle: www.flickr.com/KiralyMikos-Keralka

„Glück ist das Freisein von Unlust“, sprach der weise Epikur vor mehr als 2.000 Jahren. Glück, das kann ein Lächeln sein, beruflicher Erfolg oder das Blättern im Fotoalbum des letzten Urlaubs. Das Gefühl von Glück ist schwer zu definieren und für jeden einzigartig. Wahrscheinlich gerade deshalb fühlt Professor Dr. Karlheinz Zwerenz von der Hochschule für angewandte Wissenschaften München diesem  Phänomen auf den Zahn. In einer Umfrage zum Thema „Wie glücklich macht das Reisen?“ befragte er 211 Teilnehmer im Alter zwischen 20 bis 60 Jahren.

Häufig werden die unbewussten Motive des Reisens außer Acht gelassen. Nicht von  Zwerenz.  Erst sei es die Vorfreude, die uns in einen besonders euphorischen Zustand versetzt, nach dem Urlaub sei es das Erinnern. Der Professor spricht von einem Drang zur Dokumentation und vom Menschen als Jäger und Sammler von Erinnerungen. Glücklich mache neben der Reise an sich daher besonders der Rückblick auf den Urlaub. Im Nachhinein wird „das negative Bild umgedichtet“, Probleme und Ärgernisse werden dramatisiert und zu heldenhaft gemeisterten Abenteuern stilisiert.

Bei der Frage „Geben sie drei Dinge an, die Sie glücklich machen“, nennen die meisten an erster Stelle den beruflichen Erfolg (37 Prozent), das Reisen (36 Prozent) steht an zweiter Stelle. Weniger relevant sind zum Beispiel Partnerschaft und Gesundheit, die nur 7.6 Prozent angeben. Die Umfrage zeigt, dass vor allem das Auswählen der Reise Freude bereitet. Die Reise in die Tat umzusetzen – sich informieren und buchen – macht hingegen wenig Spaß. Professor Dr. Karlheinz Zwerenz, der für die Veranstalter forscht, will dafür ein neues Handwerkzeug entwickeln. Seine Studie soll den Reiseveranstaltern helfen, diese Momente glücklicher zu gestalten.

Allgemein ITB 2011

Sorgenkinder der Tourismusentwicklung: Eritrea und Haiti

Quelle: flickr / Siri B.L.

Asmara lautet der Name der Hauptstadt Eritreas. Für die 601.000 Einwohner Stadt im Süden des Landes ist eines charakteristisch: die weltweit größte Ansammlung von Gebäuden im Stil der 30er Jahre. Asmara gilt als eine der schönsten Hauptstädte Afrikas. Wussten Sie das?

Vermutlich nicht, und genauso wenig weiß man wohl über das schmale Land im Nordosten Afrikas und dessen Tourismuspotenzial. Urlaub in Eritrea? Das klingt nach bitterer Armut, Hitze und Gefahr, nicht aber nach Architektur, Gebirge, Wüsten- und Vulkanlandschaften, Höhlenmalereien, Steppe und Tieren. Dennoch konnte sich nach der Unabhängigkeit 1993 ein Hauch von Tourismus für „speziell Interessierte“ so Prof. Dr. Rainer Hartmann von der Hochschule Bremen, entwickeln. Ein Tourismus, an den viele Hoffnungen geknüpft seien. Alle Zukunftsvisionen brachen abrupt ab, als es 1998 zum Grenzkrieg mit Äthiopien kam.

Eritrea hat Tourismuspotenzial. Das alleine reicht aber nicht, um das Land für Touristen attraktiv zu machen. Eritrea belegt den letzten Platz bei Reporter ohne Grenzen und die politischen Beziehungen zu Äthiopien sind instabil. Touristen aber suchen nach Stabilität und Sicherheit. Negative Schlagzeilen über Menschenrechtsverletzungen schrecken sie nur.

Schreck und Unsicherheit prägen auch das Image von Haiti, dem anderen kleinen Entwicklungsland, das am touristischen Kuchen teilhaben möchte. Zwar wurde dieses Jahr wieder Karneval gefeiert, und Haiti vergaß für einen Moment das Trauma, dass das Erdbeben am 12.1.2010 ausgelöst hat und „das Land in die Steinzeit katapultierte“. Doch Haiti „is still alive“, so die Moderatorin der Veranstaltung Haiti ein Jahr nach dem Erdbeben. Auch wenn die Koordination der Projekte und Hilfsorganisationen noch immer schwierig ist, „Haiti wird teilhaben an der Zukunft“, versichert der haitianische Botschafter Patrick Saint-Hilaire optimistisch.

Haiti hofft dringend auf die Tourismuswirtschaft. Schon jetzt sind zwei internationale Flughäfen in Planung, die in zwei bis drei Jahren Touristen empfangen sollen. 50.000 km karibische Küstenlinie warten nur darauf, von Urlaubern besucht zu werden. „Wir suchen Investoren, wir brauchen Hotels“, betont der Botschafter. Haiti habe nicht viel Geld, da die Natur kein Gold hergebe, dafür aber eine interessante Kultur und Geschichte. Haiti richtet sich auf, so scheint es, und geht selbstbewusst und entschlossen der Zukunft entgegen.

Allgemein ITB 2011

Superlative und Mund-zu-Mund-Propaganda

Quelle: Heide-Park Resort.

Fast jährlich eröffnet ein deutscher Freizeitpark eine Achterbahn, die Rekorde schlägt. Dabei geht es nicht primär um die Befriedigung der Zielgruppenbedürfnisse, sondern vielmehr um die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit.

Auch Heide-Park Resort hat auf der ITB Berlin 2011 eine neue Achterbahn präsentiert. Der Park stellt „die Krake“ als „Deutschlands ersten Dive Coaster“ vor. Eine „Fahrattraktion der Superlative“, ein „Wunderwerk der Technik“ aus 700 Tonnen Stahl. Große Worte für eine Fahrt, die keine 60 Sekunden dauert, wie Projektleiter Dirk Loppnow bei der Pressekonferenz zugibt.

Der Park wolle damit seine Position als Marktführer in Norddeutschland stärken, erklärt Sabrina de Carvalho, Marketing/Sales Direktorin des Parks. Dabei folgt man einer festen Strategie: „Wir investieren in Zyklen: Drei Jahre lang in Familienattraktionen, dann wieder eine große Investition in eine Achterbahn.“

Durch die Strategie wird die Kernzielgruppe – Familien – zufrieden gestellt und der Park kommt regelmäßig in die Medien. Denn die größte, schnellste, teuerste Achterbahn ist immer ein gefundenes Thema für die Presse. Es drängt sich die Einsicht auf, dass Medien über Märchenwälder, Kinderkarussells oder Bootsfahren seltener berichten. Das scheint nicht spannend, nicht sexy genug.

Der Deutschlandmarktführer Europa-Park investiert mit ähnlicher Strategie, wenn auch ohne den festen Zyklus. Andrea Oswald, Sales Managerin des Parks, ist der Meinung, dass Familien mehr Geld in den Park bringen, „als Marktführer müssen wir trotzdem auch Achterbahnen bauen. Wir müssen da Flagge zeigen.“

Flagge für bis zu 21 Millionen Euro, wie im Fall der 2001 eröffneten Holzachterbahn „Colossos“ im Heide-Park. Warum das sein muss, kann keine der beiden Sales Managerinnen auf der ITB Berlin 2011 so recht erklären. Mund-zu-Mund-Propaganda ist für Freizeitparks ein wichtiges Mittel in der Kommunikation, das belegen mehrere Studien. Kein Werbeträger ist so erfolgreich, wie die Empfehlung eines Besuchers.

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Ein großer Schritt aus den Kinderschuhen: ITB Berlin unterzeichnet Kinderschutzkodex

Bild: Die ECPAT setzt sich für Kinderschutz ein. Quelle: Claudia Kovaricek

Soziale Verantwortung im Tourismus zu übernehmen: Diesem Thema widmet sich die ITB Berlin in diesem Jahr besonders intensiv. Und zu dieser Verantwortung bekennt sich die Messe jetzt auch ganz offiziell: Mit der Unterzeichnung des Verhaltenskodex zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung im Tourismus.

Für die Organisation ECPAT Deutschland e.V. (End Child Prostitution, Pornography and Trafficking of Children), ist das absolutes Neuland: Bisher haben rund 1.000 Reiseunternehmen, Touristikverbände und Hotelketten – hauptsächlich als Mitglieder des Deutschen Reiseverbandes (DRV) – den Verhaltenskodex unterzeichnet. Die Teilnahme der größten Tourismusmesse der Welt bietet dem Thema jetzt eine viel größere Öffentlichkeit. „ Die deutsche Reisebranche hat erkannt, wie wichtig es ist, soziale Verantwortung zu zeigen gegenüber den Menschen, die nicht selber sprechen können“, erklärt der DRV-Beauftragte Hans-Gustav Koch.

Die Arbeitsgruppe, zu der neben der ITB Berlin unter anderem auch der DRV, die REWE Touristik, Studiosus und die Thomas Cook AG gehören, ist sich einig: Untenehmen die mitmachen wollen, müssen eine Firmenphilosophie entwickeln, die sich mit der Bekämpfung der sexuellen Ausbeutung von Kindern auseinandersetzt, die Sensibilisierung und Schulung der Beschäftigten und Kunden sowie ein jährlicher Fortschrittsbericht gehören ebenso dazu. Damit sowohl Reisende, als auch Angestellte in Touristikunternehmen auf das Thema Kinderschutz vorbereitet werden, hat die ECPAT sogar ein spezielles E-Learning- Programm entwickelt: Der kostenlose Kurs ermöglicht es, sich Schritt für Schritt in der Umsetzung des Verhaltenskodex zu schulen.

Aber was geschieht jenseits des gesprochenen und geschriebenen Wortes? „Man muss gewisse Tabuzonen betreten“, sagt Dr. Martin Buck, Direktor des KompetenzCenters Travel und Logistics der Messe Berlin, „dabei besteht die Gefahr, dass man es sich mit kommerziellen Partnern nicht gerade leichter macht“. Schließlich verfolgt eine Region, die sich als Aussteller auf der ITB Berlin präsentieren will, eine andere Marketingstrategie und wird ungern über Widersprüche reden, die dieses positive Bild trüben könnten. Zudem ist es schwierig, Erfolge im Kampf gegen sexuelle Ausbeutung von Kindern zu messen: „Es gilt, Bewusstsein zu wecken, Informationen zu geben und nachzuhalten, was daraus geworden ist“, erklärt Buck. Die strafrechtliche Verfolgung der Täter liegt schließlich in der Hand der einzelnen Länder und diese handhaben das bekanntlich ganz unterschiedlich. Dass sich eine Reisemesse, trotz dieser offensichtlichen Schwierigkeiten zu der Unterzeichnung des Kinderschutzkodex entschlossen hat, nennt Matthias Leisinger, Vorsitzender der Organisation TheCode und CSR Beauftragter von Kuoni, einen „mutigen Schritt“. Für ihn stellt die Pionierrolle der ITB Berlin eine große Chance dar, um ein Thema – welches in vielen Ländern nach wie vor tabu ist – wirksam einer breiten Masse zu vermitteln.

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Move Your Imagination: Polen auf der ITB Berlin 2011

Foto: Quietschbunt – die Monster von jenseits der Oder. Quelle: Pressemappe des polnischen Fremdenverkehrsamts.

„Toll gemacht“, findet Sabine Gellert, als sie vor der Bühne in Halle 15.1 steht und der polnischen Liveband beim Spielen zuschaut. Ihre kleine Tochter hingegen ist ganz vom Spiel eines kostümierten Maskottchens absorbiert. Umringt von Hunderten, die am ersten Besuchertag der ITB Berlin 2011 in die Ausstellungshalle des diesjährigen Partnerlandes strömen, sind beide sichtlich angetan von den optischen Reizen, die zur Augenweide der Besucher aufgefahren werden.  3D-Filme, Monsterfiguren und stylische Präsentationen entlocken den Besuchern „Aaahs“ und „Ooohs“ – Polen präsentiert sich dynamisch.

Viel ist investiert worden in den Messeauftritt, und das sieht man auch. 72 Aussteller versammeln sich auf 1500 m², so viele wie noch nie. Doch hat es sich gelohnt? „Durchaus“, meint Magdalena Beckmann vom polnischen Fremdenverkehrsamt. „Es lief bisher alles bestens, und die Medienaufmerksamkeit stimmt uns sehr zufrieden. In die Monster haben wir Mitarbeiter uns inzwischen schon ein bisschen verliebt.“ P.O.L.E.N. für jeden der Buchstaben im Landestitel ist ein buntes Monster entworfen worden, und vor allem die Kleinen quietschen vergnügt, sobald eine der mysteriösen Figuren auftaucht. Als Statuen stehen sie derzeit in ganz Berlin verteilt, etwa am Breitscheidplatz. „Wir wollen ein anderes Polen zeigen“ erklärt Beckmann, „ein junges, dynamisches, modernes Polen. Für die Zukunft möchten wir vor allem junge Leute nach Polen einladen.“ Leute, die gern auf Festivals gehen und in treibendes Nachtleben eintauchen wollen. Leute, die Aktivurlaub machen.

Oder Leute wie Sabine Gellert. Die 30-Jährige fährt in diesem Jahr erstmals zum Wellness-Urlaub nach Polen. „Das könnte ich mir hier in Deutschland kaum leisten.“ Auch dafür wirbt das Land auf der ITB 2011, um junge Klientel anzuziehen. Denn die hat wenig Lust auf die altbekannten Kurorte, die aus Deutschland traditionell von älteren Jahrgängen besucht werden. Moderne Wellness-Behandlungen? „In Polen auf höchstem Niveau, und weitaus billiger als in Deutschland“, versichert Magdalena Beckmann.

Wie kommt der Auftritt von jenseits der Oder bisher bei den Besuchern an? „Ich habe viel positives Feedback bekommen, zum Beispiel von der Eröffnungsveranstaltung. Unsere Idee eines 3D Films kam bei den Leuten richtig gut an. Auf diese Idee war hier zuvor noch niemand gekommen.“ Schon 2004 habe Polen bei der ITB Berlin den Antrag gestellt, Partnerland zu werden.  Und dieses Jahr sei dafür ideal, sagt sie, „wegen der EM 2012.“

„Das Einweihungsspiel im neuen Fußballstadion von Warschau wird ein Freundschaftsspiel sein: Deutschland gegen Polen.“  Filip Kwiatowski strahlt über beide Ohren, wenn er von der kommenden Europameisterschaft in seiner Heimatstadt erzählt. Er steht an einem Stand, der extra für die EM in der Hauptstadt unseres östlichen Nachbarlands wirbt. „Die Besucher sind auch sehr interessiert. Ich denke, es war eine gute Idee, diesen Stand zusammen mit den anderen zu machen. Hier stehen ja auch Gdansk, Kraków, Mazury.“ Polen freut sich das Großevent 2012, das in Polen und der Ukraine stattfinden wird. Und auf die vielen baldigen Besucher.

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Polen gibt sich jugendlich

Bild: Polen präsentiert sich neu als Partnerland auf der ITB 2011. Quelle: Jennifer Schwanenberg.

Polen präsentiert sich auf der ITB Berlin 2011 mit einer neuen Imagekampagne. Fünf Monster, die „Vinyl Toys“, gestaltet von Tomasz Baginski, einem polnischen Trickfilmregisseur, werben für ein modernes und kreatives Polen. Schon eine Woche vor der Messe warb Jan Wawrzyniak, der polnische Fremdenverkehrsdirektor, in der Wochenzeitung DIE ZEIT für „junge Kartoffeln mit Dill und dazu ein Glas Sauermilch“, statt für die Wurst- und Fleischportionen für die Polen bislang bekannt war.

Generell solle jeder kommen, verkündet Wawrzyniak, mit der Kampagne spreche man aber eher junge Reisende an. Auf der ITB Berlin 2011 bemerken die zahlreichen Besucher am Wochenende das kaum. Eine junge Besucherin mutmaßt, dass die Kampagne für Integration wirbt, ihr Freund findet die Kampagne passe nicht zu Polen. Er war oft dort und empfand das Land als religiös, konservativ, verknöchert. Ein anderer Besucher reist jedes Jahr nach Polen. Der Messestand kommt ihm so vor wie jedes Jahr auf der ITB Berlin. Der Stand sei zwar schick, konkrete Informationen wie Reisekarten seien aber schwierig zu bekommen.

In keiner Halle ist es am Samstag Vormittag so voll, wie in der Polen-Halle. Die Besucher drängen sich durch die Gänge und stehen dicht gedrängt vor der Bühne. Dort tanzen leicht bekleidete Frauen und Männer in schicken Lederjacken zu polnischer und internationaler Pop-Musik moderne Choreografien, während zehn Meter weiter ein traditionelles gekleidetes Trio Volksmusik spielt. Einige Mitarbeiter auf dem Polen-Stand finden das gar nicht toll: „Die Tänze passen nicht zu Polen – sie könnten ebenso gut für jedes andere Land stehen.“

Die meisten Mitarbeiter auf dem Stand möchten nichts zur Kampagne sagen und lehnen lächelnd ab. „Wir wissen nicht, was die Kampagne bedeutet, es fehlt das Traditionelle“, sagt dann doch eine Mitarbeiterin.

Doch es gibt auch Mitarbeiter, die die Kampagne gut finden. Monika Rajczak ist Dolmetscherin für den Kurort Busko-Zdrój. sie sieht die Kampagne positiv: „Die Tradition kommt nicht zu kurz – wir müssen sie nur mitbringen“, erklärt sie und weist auf ihre traditionell gekleidete Kollegin. „Hier in der Halle ist immer was los – nicht wie in den anderen Hallen, hier passiert richtig was.“

Ähnlich sieht das auch Alex Lubawinski, Bürgermeister a.D. von Berlin-Pankow. Er pflegt die Städtepartnerschaft zwischen Pankow und Kotobrzeg und sieht die Kampagne als mutigen Schritt: „Polen hat hier einen starken Bruch vorgenommen, wie erfolgreich es sein wird, wird sich noch zeigen.“ Er sieht bei Polen einen Trend, dem die gesamte Messe folgt. „Früher konnte man sich von der Atmosphäre der Länder auf der Messe inspirieren lassen. Heute geht das nicht mehr.“ Seinem Empfinden nach haben die Fachbesucher der letzten Tage das gut angenommen. Für die Verbraucher ist die Kampagne schwieriger zu verstehen, aber für die hat Polen eine Menge Geschenke mitgebracht. Die sind immer gut für neue Freundschaften.

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Vielfalt in High-Tech-Verpackung

Quelle: Jennifer Schwanenberg.

Trotz geschwungener Erker ist es gradlinig, trotz einiger Teppiche und Kissen wirkt es steril. Die Hallen, in denen die Staaten am arabischen Meer, Süd- und Zentralarabien auf der ITB Berlin 2011 auftreten, glänzen in modernem Traditionsbewusstsein.

Am Freitag sind die Hallen bevölkert von Geschäftsleuten, Ausstellern und Schaulustigen. „Es ist nicht so gedrängt, wie vergangenes Jahr aber es gibt viele Give-Away-Sammler“, erklärt mir Imran A. Siddiqui, Manager bei Emirates Springs Hotel Apartments. Auf dem kleinen Messetisch stehen Datteln und Nüsse für mich bereit. Die bunten Teller sind das einzige aus Pappe in der Halle. Glänzende Materialien und High-Tech neben Teppichen und blechernen Teekannen.

Ein Counter in Bootsform schmückt den Stand von Dubai, hinter Sharajah stehen Nachbauten traditioneller Holz-Behausungen. Der Fotograf ist gerade in der Pause, sonst könnte ich in einen Kaftan schlüpfen, mich auf die Kissen setzten und ein Erinnerungsfoto machen lassen.

Die Staaten präsentieren sich mit hohen Ständen und geometrisch korrekt angeordneten Sitzecken. Fast alle sind besetzt. Egal ob Männer im schwarzen Anzug oder in weißen Gewändern, ob Frauen mit dunklen Haaren und bunten Kopftüchern, alle sind im Gespräch. Am Empfang des Kuwait-Standes steht Sheikha Al-yaqoub, Angestellte der kuwaitischen Tourismusbehörde. Sie sagt, „es ist ruhig dieses Jahr. Die Menschen beziehen wohl die Ereignisse in Nordafrika auf alle Staaten des mittleren Ostens.“

Schlendert man durch die Halle spürt man die Schnelllebigkeit. Niemand hier „schlendert“. Die Stewardessen am Stand von Emirates sehen zwar entspannt aus, aber das Lächeln bleibt in jeder Lage professionell. Emirates hat den größten Touchscreen der Welt in die Halle gestellt und die – nach eigenen Angaben – schönste Business-Class-Suite. Für mein Empfinden ist sie etwas zu goldglänzend, um gemütlich zu sein und noch immer zu klein, um wirklich den Namen „Suite“ zu verdienen. Aber was will man erwarten – es ist schließlich ein Flugzeug.

Viel auf wenig Raum zu packen scheint für Emirates ein Leichtes. Sie haben einen gigantischen Erdball auf ihren Stand gebaut. Damit er in die Halle passt, haben sie ihn platt gedrückt. So haben sie die Welt mit auf der Messe, können darin Gespräche führen und darauf ihren Flugrouten zeigen.

Alles in der Halle ist bis ins Detail geplant und organisiert. Die Stände sind gepflegt, wie die Anzüge der Manager, die geschwungenen Silhouetten der Stände und die bunten Gewänder der Bacuhtänzerinnen erinnern an „Tausend und eine Nacht“. Nur etwas fehlt: „Es gibt keinen Platz zum beten in der Halle.“ Das stört den Hotelmanager Imran A. Siddiqui. Trotz der schönen Fassaden.

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Allgemein ITB 2011

Japan schließt seinen Stand

Quelle: Isabel Schoelen

Es gibt keine Glückskekse und Tee an diesem Vormittag am Stand von Japan auf der ITB Berlin 2011. Dort, wo gestern noch munter dem Alltag nachgegangen wurde, wird heute emsig zusammengepackt. Der Ernst der Lage ist den Japanern ins Gesicht geschrieben. Auf der Veranstaltungstafel kleben gelbe Zettel auf denen handschriftlich „entfällt“ steht. Die Besucher grabschen nach den letzten Tüten, die der Stand unter die Menge bringt. Man könne keine Informationen geben, sagt die perfekt Deutsch sprechende Mitarbeiterin. Der Manager des Standes sitzt ein wenig benommen an einem Tisch in der Mitte der Tische, eine Mitarbeiterin fragt ihn, ob er bereit wäre, einige Fragen zu beantworten. Die Mitarbeiterin kommt zurück und sagt, er sei beschäftigt und habe leider keine Zeit. Fest steht, dass die Japan Tourism Agency beschlossen hat, den Stand auf der Messe bis 11.30 Uhr zu schließen. Zurück bleiben vier Mitarbeiter des japanischen Teams, die die Stellung halten sollen. Was die Japaner in ihrer Heimat erwartet, ist ungewiss.

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„Ein Wasserkocher reicht nicht mehr“ – Chinesischer Auslandstourismus als Zukunftsmarkt

Foto: Prof. Dr. Wolfgang Arlt klärt Touristiker über die Bedürfnisse chinesischer Kundschaft auf. Quelle: Moritz Jacobi.

Sie kommen in Gruppen, machen viele Fotos, kaufen unheimlich viel ein und verlassen nach durchschnittlich zwei Übernachtungen Deutschland schon wieder: chinesische Touristen. Vor 2001 als touristische Zielgruppe noch ignoriert, sind Chinesen inzwischen eine der wichtigsten überhaupt. Sie bereisen Afrika, Europa, Asien und die Karibik. Unternehmer und Regierungen reiben sich die Hände angesichts der zahlungskräftigen Oberschicht, die in typischen Urlaubsländern nicht zuletzt die finanziellen Löcher stopfen soll, die die Wirtschaftskrise bei europäischen und amerikanischen Quellmärkten gerissen hat.

Innerhalb Chinas wurde schon immer viel gereist. Eine Reise von 1.000 Li sei wie das Lesen von 10.000 Büchern, sagt ein Sprichwort. Doch schaffte es jahrhundertelang kaum ein Chinese je ins Ausland. Selbst Xiu Xiake, der berühmteste Reiseschriftsteller in der Geschichte des Landes, verließ China niemals. Im Jahr 1925 reisten zwanzig Chinesen zur Kirschblüte nach Japan. Sie gelten als die ersten Outbound Touristen des Landes – und sollten lange Zeit die einzigen bleiben. Erst seit der wirtschaftlichen Öffnung des Landes und der Hinwendung des Mittelstands zum Konsumerismus seit den 1990er Jahren nimmt der Tourismus eine immer bedeutendere Rolle ein.

Heute wird das Reich der Mitte als wichtigster Zukunftsmarkt im Tourismus prognostiziert. Waren bisher westliche und arabische Länder die größten Zielgruppen der Tourismusindustrie, so entwickelt sich nun China langsam aber stetig zum wichtigsten Quellmarkt für Outbound Tourismus. Die UNWTO beschwört die magische Zahl von 100 Millionen Ausreisen im Jahr 2015, in diesem Jahr werden es schätzungsweise 55 Millionen sein. Die meisten Reisen führen dabei lediglich nach Hong Kong, Macau oder zur chinesischen Diaspora in Südostasien, ein weiterer Teil betrifft nur den täglichen Grenzverkehr von Händlern. Doch auch Europareisen gehören zunehmend zum Statussymbol, vornehmlich unter wohlhabenden Chinesen. Deutschland verzeichnet dabei mehr chinesische Touristen, als jedes andere EU-Land: über eine halbe Million.

Doch die Bedeutung von Auslandsreisen und die Vorstellung eines gelungenen Urlaubs sind in China andere, als hierzulande; etwas, worauf sich Reiseveranstalter, Fremdenverkehrsämter und Hoteliers in den nächsten Jahren einstellen müssen. Für Westler gilt das Reisen in der Freizeit als eine Parallelwelt der Erholung, Selbstfindung oder Bildung des Individuums, idealerweise verbunden mit Orts- und Klimawechsel. Im Urlaub eine andere Person werden – für Chinesen undenkbar. Skifahren, am Strand in der Sonne liegen oder tausend Jahre alte Kulturstätten besuchen, können sie auch zu Hause. Sie verbinden Urlaub stattdessen mit Prestigegewinn, Erlebnissen im Kollektiv und Einkaufsmöglichkeiten. Ein Großteil der chinesischen Auslandstouristen sind – vor allem in Deutschland – Geschäftsreisende. Studien zeigen, dass Freizeittouristen oftmals die deutschen Städte aufsuchen, die sie zuvor auf Geschäftsreisen besucht hatten: die kennen sie, und die wollen sie später ihrer Familie zeigen.

Doch je mehr Auslandsreisen zu einem Teil des im Leben von immer mehr Chinesen werden, umso unterschiedlicher wird die Klientel. „Es gibt jetzt auch die Macchiato-Fraktion, gut ausgebildete und auslandserfahrene Individualreisende aus China. Es reicht einfach nicht mehr aus, einen Wasserkocher ins Hotelzimmer zu stellen, weil Chinesen so gerne Tee trinken“ , sagt Professor Dr. Wolfgang Arlt, Tourismusforscher und Chinaexperte an der FH Westküste und Gründer des China Outbound Tourism Research Institute. Arlt war im vergangenen Jahr u. a. vom jamaikanischen Tourismusministerium eingeladen worden, das nach dem rezessionsbedingten Ausbleiben der US-amerikanischen Touristen auf die chinesische Oberschicht zielt. Seit 2008 gibt es verstärkt Nachfrage nach sinologischer Expertise in der Tourismusindustrie. Man beginnt, China als Käuferpool wahrzunehmen. „Wir alle sind schließlich auch Kunden der Chinesen. Jeder trägt irgendetwas made in China am Körper. Es ist immer gut, zu schauen, wie die Kunden ticken,“ sagt Arlt.

Im kleinen Metzingen, der Heimatstadt von Designer Hugo Boss in der Nähe Stuttgarts, weiß man das längst. Chinesische Touristen stellen im berühmten Outletcenter inzwischen eine der kaufkräftigsten Gruppen – mit zweistelligen Wachstumszahlen. „Die Chinesen geben pro Person deutlich mehr aus als der durchschnittliche deutsche Kunde“ sagt Ute Christmann von Outletcity Metzingen. Der Global Blue Report, der die Zahlen über Kunden aus dem Ausland, denen die Mehrwertsteuer zurückerstattet wird, nach Ländern aufschlüsselt, listet China bereits auf Platz Sieben. Mehr als die Hälfte des Reisebudgets geht im Schnitt für Markenprodukte drauf. Und so gibt es inzwischen auf chinesisch geschulte Servicekräfte und Verkäufer, chinesische Broschüren und außerhalb von Metzingen sogar das erste Hotel für chinesische Reisegruppen. Damit beweist man Gespür für die kulturelle Identität der ostasiatischen Gäste. „Chinesische Touristen im Ausland sehen sich selbst vor allem als chinesische Touristen. Informationen und Beschilderungen auf Chinesisch helfen also nicht nur dem individuellen Urlauber, sondern zollen gewissermaßen allen Chinesen und der Bedeutung Chinas in der Welt Respekt,“ erklärt Arlt. Nicht ohne Grund ist der chinesische Auslandstourismus in Europa weitgehend in auslandschinesischer Hand.

Die chinesische Regierung, die die touristischen Agenturen noch fest in staatlicher Hand hält, sorgt sich um ihren Ruf. Regelmäßig erneuert die Regierung ihren Aufruf, während Auslandsreisen etwa nicht in der Öffentlichkeit zu urinieren, nicht mit freiem Oberkörper in die Öffentlichkeit zu gehen, nicht rückwärts zu laufen, nicht zu spucken, zu schmatzen oder Essensreste auf den Boden zu werfen. Universitäten veranstalten Etikettenwettbewerbe. Das Benimmbuch eines in London lebenden chinesischen Autors rät, „sich nicht in der Öffentlichkeit die Ohren zu säubern“ oder „Frauen besser nicht nach ihrem Alter zu fragen.“

Auch das Bild von Europa ist in China ein anderes: die Alte Welt wird als eine Destination mit unterschiedlichen kulturellen Facetten auf kleinem Raum wahrgenommen. Dabei interessieren weniger die historischen Stätten oder das Verlangen nach authentischer Kultur, sondern Entertainment. „Mit den Chinesen reisen keine Bewunderer unserer Kunstschätze an“, so Arlt. Die erste große Gruppe chinesischer Touristen in Island beispielsweise war von spontan akquirierten chinesischen Studenten aus Norwegen durch das Land geführt worden, von dem diese selbst genauso wenig Ahnung hatten wie ihre Reisegruppe. Die auf der Tour frei erfundenen Märchengeschichten der Guides, etwa über Berge, an denen früher Jungfrauen geopfert worden seien, erfüllten schließlich ihren Zweck: Unterhaltung der Reisenden, auf chinesische Art. Es geht eben auch ohne die Suche nach Authentizität.

Allgemein Fernreisen ITB 2011 Trends

„Wenn wir gerechtere Verhältnisse herstellen wollen, sind die Menschenrechte der Rahmen“

Foto: Heinz Fuchs, Leiter von Tourism Watch. Quelle: Jennifer Schwanenberg.

Tourism Watch hat vor der ITB Berlin 2011 die Studie „Alles was Recht ist“ zur Beachtung der Menschenrechte im Tourismus veröffentlicht. Neben vielen Zahlen und Beobachtungen werden Forderungen an politische Gremien und Regierungen, an Reiseveranstalter und Verbände gestellt. Gespräch mit Heinz Fuchs, dem Leiter von Tourism Watch, dem Informationsdienst des Evangelischen Entwicklungsdienstes.

Jennifer Schwanenberg: Sie sagten in einem Interview, Ägypten müsste innerhalb der Demokratisierung den Tourismus neu gestalten. Ist das nicht zu idealistisch?

Heinz Fuchs: Wir können dem Land nur raten, auch auf den Tourismus zu schauen und ihn nicht so weiter zu führen wie er bisher war. Der Tourismus war sehr mit dem Militär und den Herrscherfamilien verstrickt.

Jennifer Schwanenberg: Wie soll eine Neugestaltung aussehen?

Heinz Fuchs: Man muss sich entscheiden: Setzt man weiterhin auf die großen Investoren mit ihren Anlagen oder verstärkt auf eine diversifizierte Struktur mit kleineren und mittleren Betrieben. Ein gutes Beispiel ist Südafrika: Dort wurde eine Politik des Black-Enpowerments initiiert. Bisher besonders benachteiligte Bevölkerungsgruppen wurden im neuen Südafrika stärker am Tourismus beteiligt. Eine ähnliche Strategie könnte es auch in Ägypten geben. Ich denke, wenn Menschen selbst Verantwortung übernehmen und Business betreiben, trägt dies auch zu einer demokratischen Gesellschaft bei.

Jennifer Schwanenberg: Nach dem arabischen Frühling soll jetzt ein touristischer Frühling kommen?

Heinz Fuchs: Das wird sich zeigen. Auch Deutschland und die EU werden sich vermutlich mit Geldern an der Neuorganisation der ägyptischen Gesellschaft beteiligen – da sollte der Tourismus und von wem er in Zukunft getragen werden soll Thema sein. Am Rande der Messe habe ich schon deutlich wahrgenommen, dass sich auch Reiseveranstalter Gedanken machen, wie es weiter gehen kann. Sie schauen, wer die Geschäftspartner sind und waren und ob sie mit denen in den alten Strukturen wirklich weiter arbeiten wollen.

Jennifer Schwanenberg: Wie realistisch ist es in Ihren Augen, dass deutsche Reiseveranstalter mit ihren ägyptischen Geschäftspartnern brechen und sich neue suchen?

Heinz Fuchs: Das mag ein extremer Schritt sein. Das Thema familiengeführte Hotels gibt es derzeit in Ägypten noch kaum. Da könnte ein Anstoß kommen. Auch die Bundesregierung könnte mit den Mitteln, die sie zum gesellschaftliche Neuaufbau Ägypten zur Verfügung stellt, den Aufbau von privaten touristischen Unternehmen wie familiengeführte Hotels unterstützen. Beratung über Struktur, ökonomisch-sozialen Stellenwert und für mehr Partizipation im Tourismus könnte Teil der Entwicklungszusammenarbeit sein.

Jennifer Schwanenberg: Welchen Einfluss hat Korruption auf Menschenrechte im Tourismus?

Heinz Fuchs: Wir haben uns Korruption nicht genauer beschäftigt, gibt es sie auch im Tourismus. Ich bezweifle aber, dass jemand hier belastbare Zahlen und Fakten nennen kann. Natürlich dürfen die Staaten keine Korruption zulassen.

Jennifer Schwanenberg: Aber was tut man, wenn er es doch zulässt?

Heinz Fuchs: Da hilft es wenig, sich hinzustellen und „Pfui“ drauf schreiben oder irgendein Flugblatt verteilen. Beraten, erinnern und Antikorruptionsstrategien entwickeln im Sinne von „good governance“ ist ein Aspekt, der in den Regierungsgesprächen mit Ägypten eine Rolle spielen sollte. Dazu gehören Fragen: Wie schafft man es Korruption zu minimieren? Welche Regeln gelten für touristische Investitionen? Das Feld ist riesengroß und wird sehr komplex, wenn man es auf die Details herunter bricht.

Jennifer Schwanenberg: Was früher in der Tourismuskritik kritisch benannt wurde, glauben Sie jetzt über den Menschenrechtsbegriff sanktionsfähig zu machen. Doch wer setzt den rechtlichen Rahmen für Menschenrechtsverletzungen?

Heinz Fuchs: Der frühere UN-Generalsekretär Kofi Anan vertrat deutlich die Auffassung, dass die Souveränität einzelner Staaten bei den Menschenrechten endet. Er hat die Menschenrechte ganz hoch gehängt. Wenn wir gerechtere Verhältnisse auf der Welt herstellen wollen, sind die Menschenrechte der Rahmen dafür. Die allermeisten Staaten haben diesen Rahmen anerkannt und die Menschenrechtskonventionen unterschieben. Innerhalb dieses Rahmens müssen wir agieren. Auf dieser Ebene gibt es viel Bewegung, um die Menschenrechte auch auf die Verantwortlichkeit von Unternehmen zu übertragen. Wenn man beispielsweise auf die Web-Seite des Bundesverbandes der Deutschen Industrie geht, gibt es dort Informationen, dass deutsche Unternehmen im Ausland die Pflicht haben, die Menschenrechte zu respektieren und ihre Umsetzung zu fördern. Als Thema ist es dort angekommen – bei einem Verband, der nicht gerade als der progressivste gilt. Hinsichtlich Tourismus hat in Deutschland meines Wissens noch kein Verband eine eindeutige menschenrechtliche Verantwortung angemahnt.

Jennifer Schwanenberg: Unternehmen sollen also in die Pflicht genommen werden, sich für menschenrechtliche Belange zu engagieren. Aber warum sollten sie das tun?

Heinz Fuchs: Dass wir uns damit beschäftigt haben, hat vor allem den Hintergrund, dass wir in den letzten fünf Jahren die Diskussion über die gesellschaftliche Verantwortung im Tourismus, im Sinne von Corporate Social Responsibility, mit initiiert und geführt haben. Wir haben ein bisschen darauf vertraut, dass sich unternehmerische Verantwortung im Kerngeschäft freiwillig reguliert und haben die Politik weitgehend außen vor gelassen. Wir haben aber gemerkt: es gibt Dinge, die haben nichts mit Freiwilligkeit zu tun: Menschenwürdige Arbeit, die Kernarbeitsnormen oder Schutz von Kindern – das sind Verpflichtungen und keine freiwilligen Leistungen. Die Staaten müssen dafür sorgen, dass diese Pflichten eingehalten werden und bei Nicht-Einhalten auch sanktioniert werden können.

Jennifer Schwanenberg: Und welche Sanktionsmöglichkeiten gibt es?

Heinz Fuchs: Es gibt staatliche Instrumente der Außenwirtschaftsförderung wie beispielsweise die Hermes-Bürgschaften: Wenn jemand gegen Menschenrechte verstößt könnte er beispielsweise für einige Jahre von den Hermes-Bürgschaften ausgeschlossen werden, also von den staatliche Förderinstrumenten. Oder jemand könnte Außenwirtschaftsförderung nur in Anspruch nehmen, wenn er eine menschenrechtliche Risikoprüfung durchgeführt hat. Wenn jemand bei der Deutschen Bank einen Kredit für Auslandsinvestitionen bekommen will, ginge das nur, wenn das Investitionsvorhaben eine Menschenrechtsprüfung durchlaufen hat. Die Möglichkeiten liegen auf der Hand, sie sind nur noch nicht im Einsatz.

Jennifer Schwanenberg: Sollte man diese auf internationaler Ebene diskutieren?

Heinz Fuchs: Es ist gut und wichtig, dass es den internationalen Menschenrechtsrahmen gibt, um sich überhaupt in diese Richtung zu bewegen. Aus nationalstaatlicher Sicht ist es immer schwierig. Wie beispielsweise bei der Ticketbesteuerung – immer kommt die Antwort: National können wir da gar nichts machen. Wir müssen zumindest europäisch oder gleich global agieren. Mit dem Argument kann man natürlich Vorreiterrollen und Pionierarbeit ausbremsen.

Jennifer Schwanenberg: Wie setzten wir das in verantwortliches Wirtschaften um? Soll Deutschland das alleine durchziehen?

Heinz Fuchs: Es wäre eine große Chance, wenn Deutschland hier eine aktive Vorreiterrolle für mehr menschenrechtliche Verantwortung in der internationalen Wirtschaft übernehmen würde. Wenn dann die Regierung zusätzlich ihre Rolle im Weltsicherheitsrat für eine konsequente Menschenrechtspolitik nutzen würde, wäre dies ein wichtiger Beitrag und Deutschland würde bei diesen Prozessen nicht immer hinterher rennen.

Jennifer Schwanenberg: Im globalen Markt kann das ägyptische Unternehmen aber auch auf andere Partner setzten. Wenn es die Sanktion nur in Deutschland gibt, ist es sehr eingeschränkt.

Heinz Fuchs: Jetzt verfallen Sie in diesen Sog: „Wir können ja gar nicht, weil es die anderen auch nicht machen.“ Die Diskussion gibt es jetzt gerade auch bei der Überarbeitung der OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen: Macht man die Regeln besonders streng, oder so, dass man auch Länder wie China mit an Bord bekommt. Ich bin dafür, dass man es so macht, dass man auch China mit an Bord hat. Gemeinsame Regeln verhindern Wettbewerbsverzerrungen und fördern den Dialog zur Rolle von Unternehmen in der Gestaltung einer menschlichen Globalisierung.

Jennifer Schwanenberg: Was ist ihre konkrete Forderung an die Reiseveranstalter in Bezug auf Ägypten und Tunesien?

Sie sollen sich einen Moment Zeit nehmen, um zu sehen, mit wem sie bislang gearbeitet haben und mit wem sie zukünftig arbeiten wollen. Sie sollten die Länder nicht als Schnäppchen präsentieren. Ägypten und Tunesien werden Schwierigkeiten haben aus dieser Billig-Politik überhaupt wieder raus zu kommen. Zusätzlich übt es enormen Preisdruck auf vergleichbare Urlaubsziele wie Türkei oder die Dominikanische Republik aus. Die Preise, die gezahlt werden, sind Abzocke auf Rücken derjenigen, die die Revolution organisiert haben. Sie sind kein ernst zu nehmender Beitrag, dass zukünftig faire Löhne bezahlt werden können. Die gängigen 198 Euro pro Woche mit Flug nach Ägypten sind im Grunde schon eine Menschenrechtsverletzung.

Allgemein Interview ITB 2011

Alleine stark – zusammen bekannt: Die neue Marke Seidenstraße

Quelle: flickr.com/spielbar.com

Kann die Seidenstraße mehr sein, als nur ihre romantische Geschichte? Ist es möglich, sie als gesamttouristische Destination zu vermarkten? Uzbekistan, Turkmenistan, Aserbaidschan und andere Anlieger wollen der Straße ein neues Image geben: „Towards a Stronger Silk Road Brand“ – heißt die Marketingkampagne für die Seidenstraße und ihrer angrenzenden, touristisch interessanten Länder. Doch wie lässt sich eine 10.000 km lange Straße vermarkten, die sich von Europa bis Zentralasien zieht? Die sich in viele Routen aufteilt und bisher hauptsächlich durch Marco Polo oder Genghis Khan bekannt wurde? Motiviert durch die vielfältige Geschichte der Seidenstraße und dem touristischen Potential der angrenzenden Länder geht die World Tourism Organization (UNWTO) dieser Frage auf der ITB Berlin 2011 nach: Unter anderem in Gesprächsforen mit Ansprechpartnern aus den teilnehmenden Ländern der Seidenstraße.

Die teilnehmenden Vertreter sind sich einig: Reisende auf der Suche nach neuen, unbekannten Zielen werden zur Zielgruppe, die man für Orte begeistern kann, die auf ihrer touristischen Landkarte bisher ein weißer Fleck waren. Mit einer Mischung aus Legenden, Romantik und Geschichten aus vergangener Zeit. Aber auch mit einer Anlehnung an die aktuelle Realität unterschiedlicher Religionen und ethnischer Gruppen entlang der Straße.

Soweit das Ziel – und der Weg dorthin? Laut aktueller Marktforschungsergebnisse seitens der UNWTO aus dem Jahre 2011 im Rahmen des Silk Road-Programmes – bei dem über 300 Blogs, Chat-Rooms und Soziale Foren auf Schlagworte im Zusammenhang mit der Seidenstraße untersucht wurden – zeigte sich: Insbesondere junge Reisende, Backpacker und Individualtouristen interessiert eine Reise entlang der Seidenstraße. Die kulinarische Vielfalt, die sich von Europa über Zentralasien zieht, spielt dabei eine große Rolle. Aber auch der Sicherheitsaspekt und die Transportmittel vor Ort müssen stimmen. Für einen reibungslosen Grenzübergang ist sogar ein Silk Road-Touristenvisum geplant.

Kulturelle Vielfalt ist in jedem Fall ausreichend vorhanden, bietet doch jedes der teilnehmenden Länder an der Seidenstraße seine eigenen Highlights: Die Seidenraupen-Farm im kleinen griechischen Dorf Soufli, die Moschee in Bukhara in Usbekistan, von der auch heute noch die Gebetsrufe erklingen, oder der Stoffbasar in Xian, auf dem Händler schon seit Jahrhunderten feilschen. „Bis sich die Marke Seidenstraße aber tatsächlich in den Reisekatalogen wiederfindet, wird es sicherlich noch einige Jahre dauern“, erklärt Dr. Roger Carton, Managing Director der TEAM Tourism Consulting, „eigentlich hat es noch gar nicht richtig begonnen. Aber wir beziehen alle Nationen der Seidenstraße in unser Marketing-Projekt ein.“

Allgemein Fernreisen ITB 2011

Auf zu neuen Ufern – Themenkreuzfahrten erobern die Welt

Bild: Auf und ahoi!. Quelle: Isabel Schoelen

Der Boom hält weiter an und die Nachfrage scheint ungebrochen. Laut aktueller Studie des Deutschen ReiseVerbandes (DRV) haben 2010 im Vergleich zum Vorjahr 18,9 Prozent mehr Deutsche eine Kreuzfahrt gebucht. Über 1,6 Millionen Gäste aus der Bundesrepublik sind im vergangenen Jahr an Bord gegangen. Dabei scheint das Potenzial lange noch nicht ausgeschöpft zu sein.

Inzwischen zeichnet sich mit Themenkreuzfahrten ein neuer Trend ab. Neben Heavy-Metal-Törn oder Golfsport an Bord, setzen Reedereien zunehmend auch auf  Familien als Zielgruppe. So auch die Reederei Disney Cruise Line. Das größte jemals in Deutschland gebaute Schiff, die Disney Dream ist bereits auf Tour in der Karibik. Neben ihr gibt es zwei weitere Disney Schiffe und ein viertes befindet sich bereits im Bau. An Bord erlebt der Gast nicht nur Mickey & Co. live, sondern das Schiff steuert auch die konzerneigene Privatinsel Castaway Cay auf den Bahamas an.

Es zeigt sich, dass Schiffe längst keine Fortbewegungsmittel nur für ältere Menschen sind. Mittlerweile werden für jede Altersklasse das entsprechende Programm und Unterhaltung geboten. Außerdem ist eine Schiffsreise nicht mehr nur etwas für Reiche, sondern auch für Normalverdiener.

Wer sich nicht sicher ist, ob eine Kreuzfahrt das Richtige ist, für den bietet sich eine Minikreuzfahrt von drei oder vier Tagen Dauer an. So kann man Bordluft schnuppern und sich einen Eindruck verschaffen.

Auf der ITB Berlin 2011 sind die Reedereien in Halle 25 vertreten. Daher nichts wie hin und „Leinen los“. Bis Sonntag wird dort noch über aktuelle Trends und Angebote informiert.

Allgemein ITB 2011

Japanische Gelassenheit am Stand – Verzweiflung und Zerstörung im eigenen Land

Quelle: Isabel Schoelen.

Als die Veranstaltung „Haiti ein Jahr nach dem Erdbeben“ in Halle 4.1. beginnt, nimmt die Messe wie gewohnt ihren Lauf: Am Stand von Burundi wird getanzt und getrommelt, Fachbesucher informieren sich in den Hallen, man verhandelt und trinkt Kaffee. Dabei wird in diesem Moment Japan von einer Naturkatastrophe heimgesucht. Haiti wurde durch das Erdbeben am 12. Januar 2010 zurück in die Steinzeit katapultiert.

Die genauen Ausmaße des bisher schwersten Erdbebens in der Geschichte Japans mit der Stärke 8.9 sind noch nicht bekannt, doch es bringt Japan, ein Land des Fortschritts und der Strebsamkeit zum Stillstand. Nichts geht mehr an den Flughäfen im Norden, das Telefonnetz ist zusammengebrochen und auch der Strom ist ausgefallen. Die Rede ist von bis zu zehn Meter hohen Wellen, die die Gegend rund um die Stadt Sendai verwüsten.

Ein Wunder, dass die Vertreter am japanischen Stand in Halle 26 dabei so gelassen und ruhig bleiben. Professionell und routiniert lächelt und scherzt man – und geht seinem Business nach. Das Mitgefühl des Teams für ihre Landsleute ist minimal. Man entschuldigt sich stattdessen: „What can we do?“ „We are very sorry, but”, der freundliche Japaner druckst ein wenig herum, „it is our duty promoting Japan“.  Viel wissen die japanischen Repräsentanten noch nicht über die Katastrophe in ihrer Heimat, tausende Kilometer  entfernt vom geschäftigen Messestand auf der ITB Berlin 2011.

Die zurückhaltende Dame vom Infocounter der Region Mie lässt sich wenig Emotionen entlocken, sie komme ja eh aus dem Süden und veranschaulicht die Distanz zum betroffenen Gebiet auf einer Landkarte. Weitere  Auskünfte möchte sie nicht erteilen, da dies ja ein negatives Licht auf Japan werfen könnte. Keiner vom Messestand beklagt offenbar Angehörige unter den Opfern. Die Repräsentanten geben sich erstaunlich optimistisch in dieser Situation. Japan, ein Land mit 127 Millionen Einwohnern habe die Erfahrung und das Wissen, die Folgen der Naturkatastrophe zu meistern. Nur aus der guten Idee, den Vulkantourismus weiter auszubauen, werde wohl vorerst nichts, sagt die scheinbar einzige Betroffene: Mie Schneider-Yamato.  Sie aber hat gut reden: Sie lebt in der Schweiz.

Allgemein ITB 2011

Jürgen Stein präsentiert: Familienunternehmen Dschungelcamp

Quelle: Isabel Schoelen.

„Am 24. Dezember 2010 ging das Licht an“ berichtet Jürgen Stein, Gründer der Selva Bananito Lodge in Costa Rica. Er meint hiermit nicht etwa die Geburt Jesu, sondern die Solartechnik, die den Strom in sein kleines Dschungelcamp gebracht hat. Wer einen braungebrannten Ranger im sportlichen Outdoor- oder gar Ökooutfit erwartet, liegt falsch. Der engagierte Großgrundbesitzer mit heller Haut und leicht igelartigen, dunkelbloden Haaren spricht ein perfektes Englisch, Deutsch und selbstverständlich das für Costa Rica typische, akzentfreie Spanisch. Wer ihn anspricht, wird erst einmal herzlich umarmt.

Jürgen Stein wuchs in Kolumbien auf, sein Großvater wanderte bereits 1926 aus Deutschland aus und widmete sich der Landwirtschaft. Die Mutter unterrichtete Jürgen Stein und seine zwei Schwestern, denn eine Schule gab es weit und breit nicht. Die Familie zog nach Costa Rica als er acht Jahre alt war. Hier ging Stein auf die Deutsche Schule in San José. Studiert hat Jürgen Stein Kunstgeschichte in den USA und Tourismusmanagement in Österreich. Sein Vater kaufte 15 Hektar Land in der Nähe der Hafenstadt Limón an der Karibikküste. Von der Hauptstadt dorthin, mitten ins Nirgendwo, dauerte es damals fünf Stunden mit dem Auto, dann weiter mit dem Zug und nochmal drei Stunden auf einem Pferd. Heute erreicht man die Lodge und das dazugehörige inzwischen 850 Hektar große Steinsche Privatreservat innerhalb von  vier Stunden. 

Die Idee, das Land des Vaters für den Ökotourismus zu nutzen, entwickelten seine Schwester und er schon früh. „Wir sind umweltbewusst aufgewachsen, und es ist so schön dort“, so Stein. Im Dezember 1995 kommen die ersten Gäste ins Hotel, das damals aus sieben Zimmern besteht. Die Häuser sind alle aus Abfallholz gebaut und mit Öllampen ausgestattet. Strom gibt es anfangs nicht. Das Wasser wird durch Solarenergie erhitzt. Stein legt großen Wert auf Recycling und die verantwortungsvolle Nutzung von Ressourcen. Die Seife des Hotels zum Beispiel ist komplett ökologisch abbaubar und selbst die Visitenkarten und Flyer bestehen zu 90 Prozent aus Bananenfasern. Gebadet wird nicht im Pool sondern in Flüssen oder  Wasserfällen.

Costa Rica, so sollte man meinen, ist das ideale Land für Ökourlauber: rund 20 Prozent der Fläche des Landes, das die Größe Niedersachsens hat, stehen unter Naturschutz. Insgesamt kann sich Costa Rica mit vier Prozent der Artenvielfalt der Erde brüsten. Doch so stolz ein jeder Costarikaner darauf auch sein mag: die Realität offenbart sich außerhalb der Schutzgebiete. Müll liegt überall am Straßenrand und die Flüsse sind stark verschmutzt. Dass ihr Trinkwasser nicht aus dem Hahn, sondern aus eben diesen Flüssen kommt, ist den Wenigsten bewusst.

In der der Selva Bananito Logde kämen die überwiegend europäischen Touristen zurück zu ihrer Ursprünglichkeit, so Jürgen Stein. Wer nicht an Wanderungen, Canopy- oder Reittouren teilnehmen möchte, den fordert er auf, stattdessen den Geist zu entspannen, die Hängematte zu genießen und ein Buch zu lesen oder Vögel zu beobachten. Was der Regenwald ihm persönlich bedeute? „Der Regenwald“, sagt er ohne zu zögern, „das ist der Ursprung des Lebens“.

Wenn man den fixen Manager reden hört, so glaubt man, es gebe keine Rückschläge und Misserfolge in seinem Leben. Kaum vorstellbar, in einem Land, in dem es keine Straßennamen gibt und in dem kleinere Erdbeben zum Alltag gehören. Doch selbst bei Überschwemmungen ist die Lodge zu Pferd erreichen. Und im Notfall kann man sich immer noch an einem Drahtseil vorbei an Faultieren und Affen von Baumkrone zu Baumkrone hangeln. Jürgen Stein selbst saust nur noch selten zwischen den Wipfeln hin- und her. Er sitzt im Büro in der Hauptstadt, von wo aus er die Natururlauber koordiniert und alles weitere delegiert. Der nachhaltige Tourismus auf seiner Lodge ist trotz aller Regenwaldromantik ein Geschäft und Stein versteht es, dies überzeugend zu verkaufen. Ein flotter Satz hier, ein Lachen dort, für jeden hat Stein den passenden Spruch auf Lager.

Die Selva Bananito Lodge funktioniert als Familienunternehmen. Sein Cousin Benny Stein betreut mit ihm gemeinsam den Stand auf der ITB Berlin 2011, seine Schwester organisiert Schildkrötentouren in Costa Rica. „Die Finanzierung kommt aus reiner Leidenschaft und  Verantwortung“, so sagt er in seinem Vortrag, und klingt dabei ein bisschen wie sein eigener Pressesprecher. Mehr über den ökonomischen Hintergrund einer der ökologischsten Lodge Costa Ricas erfährt niemand etwas.

Auf die Frage nach seiner Heimat antwortet Stein: „Ich glaub, der Urwald!“ Für die Zukunft plant er weitere vier Zimmer. Und auch das wird dem zielstrebigen, selbstbewussten Mann mit Brille vermutlich mühelos gelingen.

Allgemein ITB 2011

Urlaub = Sonne, Strand, Palmen

Quelle: Isabel Schoelen

Was ist das Symbol schlechthin, das wir Deutschen mit Tourismus und Urlaub verbinden? Professor Dr. Felix Bernhard Herle, Dozent an der Hochschule Bremen, kennt die Antwort. Ganz oben auf der Liste stehen Sonne, Strand und Palmen. Ganz anders allerdings sehen das  Chinesen. In einer Studie in Kooperation mit der East China Normal University in Shanghai bestätigt Herle das, was viele schon immer wussten: das Topsymbol der Chinesen ist: das Fotografieren. Außerdem verbinden die Asiaten mit Tourismus Sehenswürdigkeiten und  Reiseleiter. Mit diesen neuen Erkenntnissen können Verlage jetzt besser Reiseführer und Magazine an ihre Zielgruppe anpassen, so Herle.

Allgemein ITB 2011

Ready, set, go! – Alpine Ski-Weltmeisterschaft in Schladming

Bild: Werbebanner als Vorgeschmack auf die Ski WM 2013. Quelle: Joana Juckel

Der Countdown läuft. In knapp 700 Tagen fällt der Startschuss für das Winter-Sportereignis in Österreich – die Alpine Ski WM in Schladming. Seit Februar diesen Jahres ist die Stadt in der Steiermark offizieller Träger der FIS-Fahne. Vom 04.02. bis 17.02.2013 findet die Ski WM nach zwei erfolglosen Bewerbungen erneut in Schladming statt. 1982 war die Weltskielite zuletzt zu Gast in der Steiermark, nun laufen die Vorbereitungen für das anstehende Sportevent auf Hochtouren. Bereits im kommenden Jahr muss alles fertig sein – vom Stadion bis hin zur Zufahrt für die Besucher. Dann findet nämlich das Saisonfinale der FIS in Schladming statt und dient als „letzte Feuerprobe“, weiß Margot Bachbauer vom Steiermark Tourismus. Am Messestand in Halle 17 informiert sie über die Region und natürlich über die WM.

Alle offiziellen Bauten sollen in diesem Jahr fertig gestellt werden und mit der futuristischen Talstation „Planet Planai“ ist der erste Meilenstein schon erreicht. Diese ist bereits in Betrieb und im Winter 2011/2012 soll sowohl das Stadion, als auch das so genannte Service Deck mit Parkmöglichkeiten stehen.

Was die Besucherzahlen angeht, rechnet die Stadt mit mehr Besuchern als bei der WM in Garmisch Partenkirchen. Dort waren zwischen 5000 und 10000 Besucher täglich an der Piste, um den Sportlern zuzujubeln.

Was die Lautstärke am Pistenrand angeht, will Schladming neue Maßstäbe setzen: und zwar mit Hilfe von grünen „Herzglocken“ – kleine Kuhglocken, die bereits bei der Abschlussveranstaltung der FIS WM 2011 an die Besucher verteilt wurden.

Sie sollen einen Vorgeschmack darauf geben, was die Sportfans 2013 in Schladming erwartet. Ähnlich wie Südafrika im vergangenen Fußballsommer mit dem Phänomen Vuvuzela, setzt die Steiermark auf ein lautstarkes Instrument, um einen Wiedererkennungswert zu schaffen.

Um dem erwarteten Besucheransturm zu regeln, setzt Schladming auf die tatkräftige Unterstützung der Nachbarstädte. In der gesamten Region stehen rund 25000 Betten zur Verfügung und hier und da sind weitere Hotels in Planung. Außerdem erweitern Hotels ihr Kontingent und bauen aus. Alternativ zum typischen Hotelaufenthalt empfiehlt sich eine Unterbringung im eigenen Almdorf. „Almhütten direkt an der Piste mit eigener Sauna liegen voll im Trend“, sagt Margot Bachbauer.

Skifahrer unter den Besuchern brauchen sich während der WM nicht sorgen, selbst keinen Ski auf die Piste zu setzen, denn bis auf wenige Ausnahmen, werden alle Pisten im Skigebiet geöffnet sein. Lediglich das Pistenvergnügen am Hausberg Planai wird um etwa 20 bis 30 Prozent gemindert. Schladming und ganz Österreich ist bereit, den Skizirkus zu eröffnen und die Weltelite des Skisports zu begrüßen. Für die Einheimischen könnte es am Besten schon heute losgehen.

Allgemein ITB 2011

Auszeit und Abenteuer: Ein Urlaub im Zoo

Foto: Tierpark Hagenbeck, Hamburg. Quelle: Götz Berlik

Im Urlaub entspannen, ein bisschen Natur genießen und nebenbei vielleicht auch noch etwas für die Bildung tun? Dafür geben viele Menschen eine Menge Geld aus – müssten sie aber nicht. Direkt vor der Haustür gibt es das alles günstiger: Im Zoo.

Was früher ein Ort für Wochenendausflüge mit den Großeltern war, ist heute bei vielen Menschen wieder „in“. Viele Zoos in Deutschland profitieren von diesem Trend, wie der „Zoo am Meer“ in Bremerhaven und der Tierpark Hagenbeck in Hamburg zeigen. Die Zoos von heute bieten weit mehr als nur „Tiere gucken“. „Wir bieten kommentierte Fütterungen, bei uns kann man Lernen, Kuscheln, Spaß haben – oder einfach die Seele baumeln lassen“, erzählt Nicole Tönjes, Prokuristin des „Zoos am Meer“ in Bremerhaven.  Das Besondere am „Zoo am Meer“: Bei direktem Blick über den Deich auf die Weser, lassen sich durch die Glasfenster gleichzeitig Pinguine, Seerobben und andere Wasserbewohner beobachten. Das Prinzip der unterschiedlichen Ebenen macht es möglich, erklärt Nicole Tönjes, denn jedes Tier kann sowohl an Land, als auch unter Wasser beobachtet werden. Dass es unter Wasser im Zoo am Meer besonders tierfreundlich zugeht, ermöglicht eine spezielle Meerwasseraufbereitungsanlage, die – im Unterschied zu den meisten Zoos – einmal pro Stunde 3,5 Millionen Liter Salzwasser filtert. Das, und die Tatsache, dass sich der „Zoo am Meer“ auf wasserbezogene und nordische Tiere spezialisiert hat, machen den kleinsten Zoo Deutschlands zu einem attraktiven Ausflugsziel.

Wem ein Tag im Zoo in Bremerhaven nicht ausreicht, der kann ins nahe Hamburg weiterfahren: In den Tierpark Hagenbeck. Über 100 Jahre gibt es ihn schon und seit seiner Gründung ist er immer ein Familienbetrieb geblieben. Hier kann sogar direkt neben dem Zoo wohnen: Im von Gründer Hagenbeck konzipierten Hotel, dass auch längere Urlaubsaufenthalte mit unmittelbarem Zoo-Charakter ermöglicht: Das erst kürzlich von holidaycheck.de ausgezeichnete Hotel, hat seine Zimmer mit tierischen Accessoires aus Afrika originalgetreu eingerichtet. „Auf seiner Afrikareise ist Herrn Hagenbeck durch Zufall sogar eine Kiste in die Hände gefallen, die von Auswanderern aus Hamburg stammte. Die ist nun wieder in der alten Heimat und schmückt das Hotel“, erzählt Katrin Hotes, Leiterin der Marketingabteilung des Tierparks Hagenbeck. Wer nach wie vor der Meinung ist, im Tierpark trifft man nur auf Familien mit Kindern, der kann sich im Hagenbeckschen Tierpark eines Besseren belehren lassen: Unter den Besuchern gibt es selbst Businessleute, die ihre Mittagspause während einer Tagung im Hotel mit einem Spaziergang durch den Zoo auflockern. Außerdem gibt es für Unternehmen spezielle Angebote, wie beispielsweise das „Dinner unter Haien“. „Bei unseren Firmenevents bieten wir auch Dinner direkt vor der Panoramascheibe unseres Tropenaquariums an, in dem Haie, Rochen und andere Meeresbewohner umherschwimmen“. Ein Erlebnis für sich, findet Katrin Hotes.

Neben dem Tropenquarium – das auch bei schlechtem Wetter nicht von einem Zoobesuch abhalten muss – ist der Tierpark Hagenbeck für seine gitterlose Tierhaltung bekannt. Tiger, Löwen oder Elefanten werden nur durch natürliche Barrieren, wie beispielsweise Gräben, Hecken oder Wälle von den Besuchern getrennt: Eine Methode, die sich Gründer Hagenbeck sogar patentieren ließ. „Kürzlich kam aus San Diego eine Anfrage, dieses Prinzip dort auch vor Ort umzusetzen“, sagt Hortes. Auch verfallene Hütten, eine Ranch im Schlangengehege oder Skorpione im alten Kleiderschrank sind im Tierpark Hagenbeck eine Art der Gehege-Einrichtung, die es den tierischen Bewohnern ermöglicht, sich „ganz wie zuhause“ zu fühlen. Außerdem ist der Tierpark Hagenbeck auch im Zuchtprogramm und Artenschutz aktiv. In diesem Jahr ist die Eröffnung des Eismeers geplant: „Da wird es eine Art Kanal geben, durch den man unmittelbar durch das Eismeer laufen kann. Pinguine und Eisbären lassen sich also direkt beobachten“. Etwas völlig Einzigartiges in der Zoolandschaft, findet Katrin Hortes.

Allgemein

Frankreich setzt neue Standards

Quelle: Maria Langhammer

Fünf Kategorien und 240 Bewertungskriterien in vier Themenfeldern: Ausstattung, Kundenservice, Barrierefreiheit und Verantwortung für Umwelt und Gesellschaft. „Die bisherigen Kriterien konzentrierten sich lediglich auf Hotelausstattung und schlossen überhaupt nicht den Faktor Service ein, der das eigentliche Herzstück der Hotellerie ist”, sagt Christine Trotignon vom französischen Verkehrsbüro. Seit 1986 gibt es die Hotelklassifizierung in Frankreich, doch seitdem hat sich viel getan. Vieles, was damals noch gar nicht zur Debatte stand, ist heute selbstverständlich und verlangt auch von den Unternehmen ein Umdenken: Heute muss ein Hotel umweltfreundlich sein. Außerdem steht der Gast stärker im Mittelpunkt und Sonderwünsche werden wichtiger, z.B. bei Menschen mit Behinderung. Auch die Sprachkenntnisse des Personals spielen inzwischen eine große Rolle bei der Vergabe von Sternen.

Bisher ging Frankreich bei der Hotelklassifizierung immer eigene Wege. Weltweit sind fünf Sterne Standard, In Frankreich gab es zuletzt nur vier. Ein direkter Vergleich war für Reisende also sehr schwer. Das soll sich ändern: Die Gäste können Hotels jetzt besser einschätzen und diese werden dadurch international konkurrenzfähiger.

Seit der Einführung des neuen Systems im Januar 2010 haben sich schon 1.000 Hotels in ganz Frankreich freiwillig klassifizieren lassen, 4.000 stehen noch in der Warteschlange und täglich bewerben sich weitere. Die Kosten für die Inspektionen tragen die Hotels selbst. Darüber hinaus müssen sich die vier und fünf-Sterne Häuser einmal alle fünf Jahre den kritischen Augen eines unangekündigten Testers stellen. „Die meisten Unternehmen haben ihr eigenes System aufgebaut, um den hohen Standard zu halten. Schließlich ist es ja in ihrem eigenen Interesse, zufriedene Gäste zu beherbergen und so wettbewerbsfähig zu bleiben“, betont Christine Trotignon. Ein Grund für die neue Klassifizierung war auch, dass es in den vergangenen Jahren nur wenige Kontrollen gegeben hat. Hotels, die einmal Sterne errungen hatten, wurden danach nicht mehr überprüft – auf Kosten der Qualität. Bisher fehlte also die Selbstkontrolle. Ob sich das mit dem neuen System ändert, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Vielleicht setzt Frankreich auch für andere Regionen einen Maßstab. Eines ist jedoch sicher: Mit diesem Schritt möchte Frankreich wieder den Menschen und den Service in das Zentrum des Gastgewerbes rücken.

 

Allgemein ITB 2011

Auf dünnem Eis: Wie man den Klimawandel vielleicht besser nicht inszenieren sollte

Quelle: Isabel Schoelen

Die Veranstaltung „Between Melting Glaciers and Social Responsibility – Course Correction in Tourism” klingt vielversprechend. Eingeladen sind unter anderem Vertreter der Tourism Watch/EED Germany, der Climate Change and Disaster Prevention und des Centre for Ecology and Development und last but not least: ein Jongleur. Der Künstler muss zwischen den einzelnen Rednern die Balance zwischen Tourismus und Umweltschutz „metaphorisieren“, wie die Moderatorin Mary Amiri es ausdrückt. Geschickt wirft er bunte Globen durch die Luft und hält dabei das Gleichgewicht. Danach jongliert er mit Ringen zu spanischen Rhythmen.

Irgendwie verloren geht dabei die Glaubwürdigkeit der Veranstaltung. Künstliche Pinien, die liebevoll mit Kunstschnee dekoriert sind, einer Brücke, die  über einen glitzernden Fluss führt, Eisbären und Pinguine, die das Geschehen völlig zurecht misstrauisch beobachten und der unvermeidliche Wegweiser zum Nordpol bilden die Kulisse des Schauspiels. Im Hintergrund hört man die Snowboarder vom Globetrotter Stand kreischen. „We are skating on very thin ice“ heißt es in der Anmoderation.

Zu kurz kommt: der Klimawandel. Das globale Thema unserer Zeit, das in Zukunft über Leben und Tod entscheiden wird. Wenigstens Sabine Minninger von der Climate Change und Disaster Prevention bringt es innerhalb ihrer 15-minütigen Sprechzeit auf den Punkt: „Der Tourismus ist selbstzerstörend“. Bis 2050 werde der Tourismus zu 25 Prozent Anteil an der globalen Emission haben. Dabei fliegen nur insgesamt zehn Prozent der Weltbevölkerung. Initiativen wie atmosfair drohen zu scheitern, da sie dem konstanten Wachstum der Tourismusbranche nicht hinterher kommen. Tatsächlich kompensiert bisher weniger als ein Prozent der Deutschen seinen CO2 Ausstoß mit einer Spende an die Umweltorganisation.

Am Ende der Veranstaltung wird die „Fairtrade Reisestandard-Urkunde“ verliehen. Dazu gibt es eine fair gehandelte Rose aus Kenia, wie Heinz Fuchs betont. Anstatt Rosen von regionalen Händlern zu überreichen, wird die Rose eingeflogen. Fairtrade bedeutet nicht automatisch auch klimafreundlich, geschweige denn nachhaltig. Ob solche Veranstaltungen zwischen schmelzenden Gletschern und sozialer Verantwortung für eine Kurskorrektur sorgen? Wohl eher nicht.

Der Tourismus nähert sich Themen wie Umweltschutz und Nachhaltigkeit, setzt sich aber – noch – nicht konkret genug damit auseinander.

Allgemein ITB 2011

Tausend Meter tief im Meer – Champagner gefällig?

Foto: Der C-Quester 3. Quelle: Moritz Jacobi.

Verdutzte Gesichter bei Besuchern, die plötzlich einem knallroten Mini U-Boot gegenüberstehen. Die niederländische Firma U-Boat Worx stellt auf der ITB Berlin 2011 ihr Produkt vor:  Mini U-Boote, die für Urlaubsausflüge, aber auch zu Forschungszwecken oder als Beiboot von Yachten eingesetzt werden können.

Das Ausstellungsmodell C-Quester 3 sieht aus wie eine Rettungsboje in „Baywatch“ im PKW-Format, wiegt knapp viereinhalb Tonnen und fährt mit maximal zwei Passagieren und einem Piloten bis zu 6 km/h. Lithium-Ionen-Batterien treiben vier Turbinen an, um das Boot in maximal 100 m Tiefe zu befördern. Im Innenraum sitzen zwei Passagiere während der Pilot stehend das Boot lenkt. Die transparente Kuppel bietet einen guten Rundumblick in die marine Umgebung. Die 15 Mitarbeiter des Unternehmens bauen und betreiben auch andere Bootstypen, etwa den C-Explorer mit bis zu sieben Passagieren und 1.000 m Tiefgang. Nachdem sich der Einsitzer der 2005 gegründeten Firma nicht besonders gut verkauft hatte – die Passagiere hätten selbst fahren müssen – stieg man vor zwei Jahren auf U-Boote für Kleingruppen um. Ein neues Marktsegment im Unterwassertourismus, denn bisher wurden U-Bootfahrten nur für größere Gruppen angeboten. Von Aruba in der Karibik legt beispielsweise die „Atlantis“ mit bis zu 45 Personen ab in die Tiefen des Meeres.

Wieviel Zeit der Bau eines U-Bootes beansprucht? Mindestens drei Monate, sagt Erik Hasselman, Marketing Manager bei U-Boat Worx, doch der neue Siebensitzer braucht bis zu eineinhalb Jahre. „Wir stellen das neue Modell für bis zu sieben Personen vor, um zu schauen, ob es dafür auch eine Nachfrage gibt. Es ist schon etwas Exklusives, man fährt im kleinen Kreis mit dem U-Boot durch das Meer und erhält wissenswerte Infos vom Kapitän, zum Beispiel über Korallenriffe. Unsere Piloten sprechen mehrere Sprachen, um sich mit den Passagieren zu unterhalten.“ Die Boote gehören zur Kategorie der one atmosphere submersibles, d.h. im Innenraum herrscht ungefähr derselbe Druck wie an der Oberfläche, und Probleme des Druckausgleichs erübrigen sich. Der C-Quester 3 kostet rund eine Million Dollar (über 720.000 Euro).

Bisher wurden fünf Boote verkauft, zwei als Beiboote von Superyachten, zwei für touristische Unternehmen und eines für die marine Forschung. Da die Boote auf Bestellung gebaut werden, berücksichtigt die Firma auch individuelle Wünsche der Kunden. So kann der klimatisierte Innenraum auf Wunsch sogar mit iPod-Station und Champagnerkühler ausgestattet werden. Aber das kostet extra.

httpv://www.youtube.com/watch?v=5U3RDuovv6A&tracker=False

Allgemein ITB 2011 Kurztrips

Tunesien – Folgt nach dem politischen der touristische Neuanfang?

Foto: Mehdi Houas, Minister für Handel und Tourismus. Quelle: Myriel Camp

Neues Logo, neuer Slogan „I love Tunisia – the Place to be … now!“, damit präsentiert sich Tunesien auf der ITB Berlin 2011. Mit dieser Kampagne möchten die Tunesier Urlauber in ihrem Land willkommen heißen. Denn inzwischen ist die Lage sicher, so die Botschaft.

Die Pressekonferenz von Tunesien lockte  dieses Jahr viele Journalisten an. Wie läuft der Tourismus nach der Revolution und dem Sturz des Diktators Ben Ali? Was erwartet sich das Land von der Zukunft? Diesen Fragen widmete sich Mehdi Houas. Tunesiens neuer Minister für Handel und Tourismus appelliert dabei gleich an die Deutschen, sein Land wieder zu bereisen. Denn seiner Meinung nach ist die Revolution in Tunesien vorbei, die Lage hat sich stabilisiert und Touristen können wieder kommen.

Dennoch: Das Vertrauen in die Sicherheit des Landes muss erst wieder aufgebaut werden. Zurzeit hat Tunesien 40 Prozent weniger Besucher als vor einem Jahr. Doch für große Werbekampagnen ist es wahrscheinlich noch zu früh, dafür ist die Lage im Land noch zu verworren. Aber es gibt auch ermutigende Zeichen: Rewe Touristik schickte als erster Veranstalter schon am 22. Februar 2011 wieder Touristen nach Tunesien, am 27. Februar 2011 folgten weitere Unternehmen. „2011 wird ein schwieriges Jahr für Tunesien werden“, sagt Mehdi Houas, „wir wollen jedoch die Zeit für Investitionen nutzen und den Tourismus auch in neuen Bereichen fördern.“

Der Kulturtourismus soll wichtiger werden, damit Besucher besser am Leben der Tunesier teilnehmen und die reiche Tradition des Landes erleben können. Als Beispiel nennt der Minister zwölf archäologische Fundstätten, die zu Besuchermagneten ausgebaut werden. Und möglicherweise kommen jetzt auch ganz neue Besucher ins Land, nämlich die, die aufgrund des korrupten Regimes Tunesien bislang boykottiert haben. Vor sechs Wochen haben die Tunesier ihren Diktator ins Exil geschickt. Und genau wie das Land, muss sich nun auch Tunesiens Tourismus wieder stabilisieren.

Allgemein ITB 2011