Kinder allein unterwegs

Kinder- und Jugendreisen sind der Themenschwerpunkt auf der diesjährigen ITB Berlin. Auch der „junge“ Nachwuchs muss mitunter alleine verreisen. Für die Erziehungsberechtigten stellt sich dabei die Frage nach dem passenden Transportmittel. Die Bahn und Fluggesellschaften bieten Betreuung.

Die Globalisierung hinterlässt auch in den Familien ihre Spuren. Warum also nicht die Patentante in Spanien besuchen? Oder sich alleine auf dem Weg zu den Großeltern in den Schwarzwald machen? Tatsächlich fordern Kinder und Jugendliche mehr Freiheiten, beobachtet Manfred Fuß vom Bundesforum für Kinder- und Jugendreisen.

74 Prozent der Menschen in Deutschland leben in Städten, so das Institut der Deutschen Wirtschaft Köln. Sie sind es gewohnt, den öffentlichen Nahverkehr zu nutzen. Dennoch entspricht eine lange Zugfahrt von Berlin nach Köln nicht dem Alltag. Die Deutsche Bahn bietet Kindern zwischen sechs und 15 Jahren daher eine Betreuung an. Das Angebot gilt freitags und sonntags und ist zurzeit auf neun Verbindungen zwischen den Großstädten möglich. Damit die Deutsche Bahn eine Betreuung gewährleisten kann, arbeitet sie mit den Bahnhofsmissionen zusammen. Nach eigenen Angaben begleitet ein geschulter Betreuer maximal fünf Kinder auf einer Reise. Das Angebot der Deutschen Bahn kostet etwa 25 Euro zusätzlich zum Ticketpreis.

Fliegen ist ein besonderes Erlebnis. Ist das Kind einmal im Flugzeug, braucht es in der Regel keine Hilfe mehr. Anders sieht es am Flughafen direkt aus. Der organisatorische Ablauf ist dort deutlicher komplexer als bei einer Bahnfahrt. Das Ticket muss ausgegeben, das Gepäck abgegeben  und das Handgepäck kontrolliert werden. Einmal am Zielflughafen gelandet, wartet die Passkontrolle und Gepäckausgabe. Aus diesen Gründen dürfen Kinder erst ab zwölf Jahren ganz alleine reisen. Für die Fünf- bis Zwölfjährigen bieten viele deutsche Fluggesellschaften wie Lufthansa, Airberlin und Condor eine Betreuung an.  Die Verantwortlichen nehmen sich den Kindern an, sobald die Eltern alle benötigten Dokumente ausgehändigt haben. Dazu gehört je nach Reiseziel das Betreuungsschreiben, Flugticket, Reisepass und das Visum. Die Gebühren für die Kinderbetreuung variieren je nach Strecke. Für innereuropäische bezahlen Eltern etwa 40 Euro. Führt das Reiseabenteuer die Kids gar auf einen anderen Kontinent, werden bis zu 80 Euro fällig. Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren können dieses Angebot der Fluggesellschaften in Anspruch nehmen oder alleine fliegen.

Allgemein ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen

Verkehrte Welt: Wie PR-Meister von Bloggern lernen

Endlich aus der belächelten Nische herausgewachsen, scheinen es jetzt die Blogger zu sein, die den PR-Managern den Takt vorgeben. Emsig schreibt Senior PR-Managerin Frauke Rothschuh mit, was Profi-Bloggerin Angelika Schwaff kritisiert: Zu wenig fühlt sie sich von klassischen Pressemitteilungen angesprochen. Statt ellenlanger Texte bringen ihr Weblinks in den E-Mails mit kurzen Zusammenfassungen viel mehr. Viele PR-Agenturen würden sich nicht speziell um Blogger kümmern und schicken sie auf die gleichen Pressereisen wie Journalisten. Problem ist aber, dass diese an einem Ort viel länger brauchen. Bloggerin Yvonne Zagermann hat dabei schon zu viele unangenehme Erfahrungen gemacht: „Der Journalist klickt ein Foto und notiert einen Satz. Ich schieße erst mit dem Smartphone ein Foto für Instagram, dann hole ich die Kamera hervor und dann erst mache ich Notizen.“ In der Zwischenzeit wollen die Journalisten schon längst weiter. „Journalisten suchen Fakten, wir wollen Geschichten erzählen“, so Schwaff dazu. Gudrun Fertig vom Special Media Verlag geht noch weiter:  „Wenn wir nach Paris fahren, bringt uns nicht zum Eiffelturm. Jeder weiß, dass er da ist“. Sie macht als Journalistin für Schwule und Lesben die Erfahrung, dass PR-Manager auch diesen neu entdeckten Markt falsch bedienen. Sie bittet außerdem darum, nicht als „Versuchskaninchen“ missbraucht zu werden. PR-Agenturen hätten oft keine Ahnung was für sie gut ist. Vor Ort finde sie dann nichts spannendes vor. „Reisefreundin“ Schwaff versucht, Anfragen mit faulen Angeboten schon im Vorhinein auszusortieren, stößt aber trotzdem manchmal auf schwarze Schafe: „Eine gesponserte Reise nach Dubai letztens war sehr langweilig, das schreibe ich dann auch ehrlich so.“

Für die PR-Manager liegt darin allerdings ein großes Problem. Ihre Auftraggeber sind unter anderem die großen Hotels, in denen die Pressevertreter übernachten. Diese haben ein Interesse, dass über genau das Hotel auch – natürlich möglichst positiv – berichtet wird. Wenn aber tatsächlich das viel coolere Designhotel am gleichen Ort für den Blogger interessanter ist, müssen PR-Manager kreativ werden. „Wir hoffen darauf, dass die Blogger, wenn wir mal einen Tipp für ein ‚fremdes‘ Hotel geben, dafür kooperativer sind, wenn es heißt, bei einem Besuch beim Bürgermeister  freundlich in die Kamera zu schauen“, so Karen Kretschmann von Stromberger PR. Ihre Agentur hat eingesehen, dass Social Media sehr wichtig ist, und freut sich gar auf diese Weise eine „Spielwiese“ zu haben. Letztlich gebe es noch keine wahrhaften „Experten“, jede Firma probiere momentan aus. Von ihrer Vorgesetzten bekomme Kretschmann relativ freie Hand. Social Media ist ein Bereich der ihr am meisten Spaß mache, in dem sonst so „verregelten“ PR-Alltag. Schwaff verdient unter anderem ihr Geld damit, PR-Agenturen Tipps zu geben, wie sie sich Bloggern besser widmen können. „Für mich als Ex-PR-Frau schmerzt es sehr, wenn ich als Bloggerin Kontakt mit Unternehmen habe und merke, dass es nicht funktioniert“, so Schwaff. Allerdings erlebe sie meistens, dass ihre Ideen umgesetzt werden. Letztendlich sei es ein „absoluter Fehler, sich nicht spätestens jetzt damit zu beschäftigen“.

Allgemein ITB 2013 Trends

Job in der Sonne – Die Qualität von Jugendreiseleitern

Die erste Reise ohne Eltern ist eine Reise in die Selbstständigkeit, aber keine ohne Regeln. Eltern müssen sich darauf verlassen können, dass ihre Kinder fern ab der Heimat in guten Händen sind. Für Minderjährige gibt es ein breites Angebot an betreuten Reisen. So auch beim Reiseanbieter „ruf. Der Veranstalter castet auf der ITB frische Reiseleiter.

Unter den Bewerbern sind auffällig viele Studenten des Tourismusmanagement. Obwohl sie nun professionell in der Reisebranche arbeiten wollen, erinnern sich die jungen Leute noch gut daran, wie es war, selbst zum ersten Mal ohne Eltern zu verreisen. Studentin Eva weiß, dass es vor allem um Spaß und eine Form von Freiheitsgefühl geht, die Kinder anspornen alleine zu verreisen. Mareike möchte ihrer Funktion mit einem Mix aus Strenge und Coolness gerecht werden. „Regeln werden aufgestellt um sie zu brechen“, beschreibt sie eine Erinnerung aus ihrer Teenagerzeit und nimmt sich vor, mit Sympathie einen Draht zu ihrer Reisegruppe herzustellen.

Das Reiseleiterdasein ist nicht mit bezahltem Urlaub gleichzusetzen. 24 Stunden stellt man sich als Reiseleiter in den Dienst seiner Schützlinge. Die Durchführung und Begleitung von Ausflügen zählen ebenso zu den Aufgaben der Betreuer wie die Bereitschaft zu Nacht- und Notdienst. Die Leiter des Castings legen besonderen Wert darauf, den sozialen Kompetenzen der Bewerber auf den Zahn zu fühlen. Eine pädagogische Ausbildung gehört aber nicht zu den Voraussetzungen. Anhand eines Fragenkataloges wird getestet, wie die Bewerber mit Konflikt- und Problemsituationen umgehen.

Welche pädagogischen Qualifikationen von dem jungen Team gefordert werden, nennt Christoph Edling, Leiter der ruf Akademie, gleich am Anfang des Castings im Plenum. Dann werden die Bewerber in Gruppendiskussionen und Einzelgesprächen weiter auf ihre Eignung als Reiseleiter im Kinder- und Jugendbereich getestet. Hinterfragt wird, ob die Bewerber einfühlsam genug sind, ein Kind bei Heimweh zu trösten oder Mobbing in der Gruppe abzuwehren, bevor sie in die nächste Ausbildungsrunde in der „ruf“-Akademie eingeladen werden. In einer mehrtägigen Ausbildung müssen sie auch trockene Fakten lernen, wie beispielsweise das Jugendschutzgesetz. Wenn der Bewerber sich zudem als guter Ansprechpartner und souveräner Reisebegleiter auszeichnet, müssen nur noch wenige Dinge erfüllt sein.

„Bis zum Ende der Ausbildung muss der Bewerber einen großen Erste-Hilfe-Schein, einen Rettungsschwimmer-Schein und ein erweitertes Führungszeugnis vorlegen können“, sagt Christoph Edling. Die individuelle Betreuung ist gerade bei den Kleinen besonders gefordert. Für die Jüngsten gibt es deshalb mehr Betreuer als für die Teenager.

Auch Bewerberin Julia aus Berlin ist im Anschluss an die Gruppendiskussionen des Castings davon überzeugt, dass die Auswahl der Reiseleiter gewissenhaft durchgeführt wird. „Es kann nur der überzeugen, der von den Leitern als aufgeschlossen, belastbar und einfühlsam bewertet wird“, so die Tourismus- und Eventmanagementstudentin.

Qualitätskontrollen gibt es auch. Ruf verfügt über das Siegel „Sicher Gut“ vom Bundesforum Kinder und Jugendreisen e.V., welches auch die Qualität der Reiseleiterausbildung bescheinigt. Der Diplom-Sozialpädagoge Manfred Fuß bestätigt, dass auch ruf, obwohl diese anders als gemeinnützige Organisationen ökonomische Ziele verfolgen, das Siegel zurecht tragen. Die Akademie erfüllt die Mindestanzahl der Ausbildungsstunden ihrer Reiseleiter und vermittelt den Bewerbern rechtliches und pädagogisches Know-how. Das Bundesforum prüft die Qualität der Reiseleiter nicht ausschließlich über Resonanz und Fragenkataloge, sondern testet einmal jährlich vor Ort die Ausbildung. Die Prüfer nehmen zudem mindestens einen beschäftigten Reiseleiter im Gespräch genauer in Augenschein.

Allgemein ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen

Wer in ein ärmeres Land reist, informiert sich vorher gut

Die meisten Menschen, die aus Deutschland in sogenannte Entwicklungs- und Schwellenländer reisen, wollen sich vorher gut über Land und Leute informieren. Das ergab eine Studie des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung. Für die Studie wurden im Rahmen der jährlichen Reiseanalyse von 8.000 Teilnehmern diejenigen befragt, die schon einmal in einem Entwicklungs- oder Schwellenland waren. Gut zwei Drittel der Befragten gaben an, vor Reiseantritt gut informiert sein zu wollen. Nur etwa ein Fünftel will ein Land auf eigene Faust erkunden. Gespräche mit Einheimischen wollen aber zwei Fünftel führen, um ihr Reiseziel besser kennenzulernen. Die vollständige Studie wird in den nächsten Wochen veröffentlicht. Weitere Informationen dazu gibt es unter http://www.studienkreis.org.

Allgemein Fernreisen ITB 2013

In drei Schritten vom Naturerlebnis zur digitalen „Story“

 

Tipps für Firmen und Blogger, wie komplizierte Inhalte interessanter werden.

Audrey Scott und Daniel Noll beraten unter dem Namen „uncornered market“ Firmen und Organisationen, die ihr Marketing aufpeppen wollen. Für young press erklären sie, wie zum Beispiel ein Thema wie „Kayaking in Südfrankreich“ zu einer spannenden „Geschichte“ werden kann.  „Unter Begriffen wie Ecotourism oder Nachhaltigkeit kann sich oft keiner Konkretes vorstellen“, so Noll. Das Gegenmittel: Nicht einfach mit Begriffen um sich werfen, sondern lieber Geschichten erzählen – auf Englisch „storytelling“. Mit Geschichten ist nicht gemeint, einen Roman zu schreiben. „Eine Geschichte kann alles sein, sei es ein Bericht auf einer website oder auch nur ein tweet“, sagt Noll.

Daniel Noll erklärt "Digital Storytelling" Anhand des Beispiels Morgan's Rock in Nicaragua

Daniel Noll erklärt „digital storytelling“ anhand des Beispiels Morgan’s Rock in Nicaragua

Auf jeden Fall sollten „storyteller“ eine lange Auflistung von Fakten zu Nachhaltigkeit und Ökologie vermeiden. Vielmehr heiße es, diese Worte mit Emotionen zu füllen, mit Inhalten. Eine Geschichte zu Kayaking müsste man  so bearbeiten:

1) Personalisieren: Analysieren, wer an dem Angebot beteiligt ist. Ist es der Reisende, ist es der Guide, der im Vordergrund steht? So könnten die Beweggründe, warum ein Tourguide diesen Job gewählt hat oder was ein Tourist mit dem Ort verbindet, für eine „Geschichte“ sehr spannend sein.

2) Illustrieren: Mit allen Medien arbeiten. Bilder, Texte, Videos und alles andere, was die Technik noch so hergibt, einbinden. Insbesondere Geräusche könnten eine wichtige Rolle spielen. „Paddler sind so leise, dass sie oft ganz nah an Vögel herankommen, Geräusche unverfälscht aufnehmen“, weiß Scott. Zu erleben, dass dies am beworbenen Ort möglich sei, könne die „Geschichte“ daher sehr gut erzählen. Es muss aber nicht gleich ein Video sein. Fotos unterlegt mit zwitschernden Vögeln, plätscherndem Wasser könnten neben Videos genauso effektiv sein.

3) Streuen: Die Materialien auf allen Kanälen der sozialen Medien herausgeben. „Für Fotos könnte Instagram sehr passend sein“, so Scott, schließlich sei es sehr bildlastig. Ein besonderes sinnliches Format für Bilder einer Kayakreise könne Pinstagram sein. In Form einer virtuellen Pinnwand dargestellt wirke die Präsentation der Fotos dort „sehr visuell“. Für Videos sei Youtube wie gemacht. Idealerweise per facebook veröffentlicht, um dieses auch zu verbreiten. Nicht zu vergessen natürlich die eigene website, sofern vorhanden.

Daniel Noll und Audrey Scott erkären Storytelling im digitalen Kontext

Daniel Noll und Audrey Scott erkären storytelling im digitalen Kontext

Über die genaueren technischen Schritte und Möglichkeiten, die sozialen Netzwerke bieten, referieren Scott und Noll auf der ITB am Samstag, 9. März. Ort: Halle 7.1c auf der eTravel-Stage. Mehr Infos: http://www.itb-berlin.de/Besucher-Service/Fachbesucher-Service/RecommendedForBloggers/Tagesempfehlungen/VierterTag/

Allgemein ITB 2013 Trends

Videos: Klettern und Bier in Halle vier

 

Julia Harig entdeckt in der Halle „Ecotourism“, dass Messe auch spannend sein kann. Statt öder Vorträge erforscht sie, was einige Messestände besser machen.

httpv://youtu.be/9EdB3GDxV9I

 

 

Marcel Weyrich verrät, wo es leckere Goodies gibt und präsentiert den Globetrotter Kletterpark für Adventure-Begeisterte.

httpv://youtu.be/8lfJUMMMKbA

Allgemein Interview ITB 2013 Trends Video

Rebellin auf Mission – Auf der Suche nach dem Drei-Gänge-Menü

Wie ein Tiger schleicht sie um den Stand herum. Sie will etwas, traut sich aber nicht. Das Raubtier bin ich. Was ich will ist ein Apfel. Den habe ich am Infostand entdeckt. Aber da die Herren der Hotelkette dort unglaublich wichtige Gespräche führen, erbeute ich keinen. Im Imagefilm des Hotels bekommen gutaussehende Gäste ein Gourmetgericht serviert. Das will ich auch! Ich habe gewettet. In der Mittagspause zwischen zwölf und ein Uhr soll ich für mich ein Drei-Gänge-Menü ergattern. Ich könnte es auch schnorren nennen, Geld ausgeben sieht die Wette nämlich nicht vor. Als „How I Met your Mother“-Junkie kenne ich auf solche Herausforderungen nur eine Antwort: Challenge accepted. Die Zeit läuft, ich habe nur noch 55 Minuten.

Ich bin optimistisch. Halle 26 ist mein Ziel und direkt davor steht ein Imbiss neben dem anderen. Es riecht köstlich nach gebratenem Reis und Sojasauce. In der Halle riecht es nicht mehr so gut. Es riecht auch nicht schlecht, aber einfach nicht nach Essen. Wenn ich schon nicht die Nase eines Raubtieres habe, suche ich mir ein Leittier. Zwei Männer laufen an mir vorbei. Sie tragen jeweils zwei Tüten voller Essen. Hier ein Ausfallschritt, dort ein Sprint. Primitiv wie ich bin, folge ich ihnen. Doch plötzlich schlagen sie einen Haken und die Tür vor meiner Nase zu. Nach dem verlorenen Hindernisrennen schreit mein Magen nach Aufmerksamkeit. Und dann muss mein Körper auch noch die Last des Zeitdrucks auf seinen Schultern tragen. Ich habe schon zehn Minuten vertrödelt. Wohin soll das führen? Keine drei Minuten später habe ich einen malaysischen Tee in der Hand. Eigentlich bin ich wegen der Konservendosen zu dem Stand gelaufen. Die Dosen sind zu und was sie dort sollen, verstehe ich nicht. Aber man versichert mir, dass der traditionelle Tee immer getrunken werden könne. Auch als Appetizer. Ich trinke und bekomme einen Zuckerschock. Der Tee liefert sogar Energie, ist mein erster Gedanke. Mein zweiter ist weniger euphorisch: Nach dem Zuckerhoch folgt üblicherweise das Zuckertief. Jetzt muss ich neben der weltlichen auch noch die biologische Uhr bezwingen. Ich habe nur noch 40 Minuten. Die Mission geht vielversprechend weiter, ich bekomme eine Brezel. Malaysischer Tee und bayerisches Gebäck – wenn das mal kein Appetizer ist. Jetzt ist der Hauptgang dran.

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Ich habe eine Theorie. Eine Art Geheimbund verteilt die leckeren Häppchen exklusiv an seine um den Stand verteilten Mitglieder. Essen sehe ich jetzt nur noch, wenn es gegessen wird – und zwar von anderen. Trotz Augenkontakt und freundlichem Lächeln wird mir von dem Geheimbund keine Mitgliedschaft angeboten. Ich bin kein Barney Stinson, meine Mittel sind begrenzt. Als mich auch noch ein Gitter von einem Buffet trennt, wächst in mir die Rebellin. Bin ich eine Gefangene? Als Revoluzzerin bin ich natürlich gegen ungerechte Verteilung. Die Uhr tickt, das Ziffernblatt gibt mir nur noch 30 Minuten. Also durchbreche ich die Mauern. Eben war noch ein Minister aus Indonesien auf der anderen Seite. Jetzt ist er weg. Jetzt bin ich da. Ich stehe auf der anderen Seite, kaue auf einem Bananenblatt rum und löse das Rätsel. Der Geheimbund heißt Cateringfirma und arbeitet für den Indonesienstand. Von dem Essen kann, nein soll ich gerne mal was probieren: Rindersaté, scharfe Erdnusssoße und Shrimpchips. Ach, wie schön ist das Rebellenleben. Das Bananenblatt war übrigens als Deko gedacht. Hauptgang: Check!

Hier eine Schokolade, da ein Bonbon. Überall stehen Schälchen mit Knabbersachen und Gummibärchen. So was es zumindest gestern. Doch wo sind die Nachspeisen, wenn man eine Wette zu gewinnen hat? James Bond spielt in Macao mit dem Glück, bekommt Geld und trifft sein Bondgirl. Ich bin auch auf Mission, also folge ich seinen Spuren. Doch James und ich müssen zwei verschiedene Macao aufgesucht haben. Mir wird an diesem Messestand mein ganzer Optimismus genommen. Essen sei hier nicht so wichtig. Was würde James tun? Waffen besitze ich nicht, auf die stehe ich als friedliebende Rebellin auch nicht. Also probiere ich es mit Charme und bekomme einen Hinweis. Es geht gen Hongkong. Dort bietet man seinen Gästen etwas an. Die Verantwortlichen evaluieren sogar, welche Gerichte bei den Besuchern gut ankommen und welche nicht. Ich habe noch zwölf Minuten und die Mission in Bond-Manier erfüllt. Wie im Film erwartet mich ein Happy End: Panna Cotta.

Gegen mich gewettet hatte übrigens mein Magen. Der scheint mit der Niederlage aber ganz gut leben zu können.

Allgemein Ernährung ITB 2013

Heute mal Salat statt Burger: gesunde Ernährung ist hip

Die „Vitaminbar“ : So sieht gesunde Ernährung am ITB-Stand von ruf Jugendreisen aus

 

Schon seit längerer Zeit liegt gesunde Ernährung in Deutschland im Trend. In den vergangenen Jahren beschäftigen sich auch immer stärker Eltern von Kindern und Jugendlichen mit dem Thema, bestätigt auch Maike Rummich, Online Marketing Managerin und Presseprecherin für „A und O Hostels und Hotels“ in Deutschland. Bei der Entscheidung „Wo schicke ich meine Schützlinge eigentlich hin?“ spielt die Frage, ob dort gesund gegessen wird eine wichtige Rolle – sei es auf Klassenfahrt, Vereinsausflug oder im Sommerurlaub.

Dass gesundes Essen ein brisantes und „großes Thema“ ist, meint auch Prof. Dr. Heike Bähre, Geschäftsführerin des Institus für Tourismus und Kommunikation. Spätestens seit der rot-grünen Regierung von 1998 bis 2005 sei das Interesse an bewusster, gesunder Ernährung gewachsen. „Heutzutage muss in Deutschland das Essen gesund sein“, sagt Bähre. Touristen, die nach Deutschland kommen, seien hingegen oft überrascht und sogar abgeneigt gegenüber der gesunden deutschen Kost. Seitdem Hotels durch die Vergabe von Sternen zertifiziert werden, erwarten Kunden auch gewisse Standards – gesunde Ernährung, aber auch die Garantie, dass auf Lebensmittelunverträglichkeiten Rücksicht genommen wird.

Aber nicht nur Eltern, auch Lehrer und Kinder sowie die Jugendlichen selbst achten vermehrt darauf, was sie auf den Teller bekommen. Klassenfahrten und –ausflüge werden immer häufiger an bewusster Ernährung „ausgerichtet“. In Schullandheimen wie dem ADS Schullandheim Ulsnis an der Schlei lernen junge, aber auch ältere Menschen Lebensmittel kennen, erfahren, wo diese herkommen und wie man sie verarbeiten kann. „Wir betreiben damit sozusagen eine Aufklärungskampagne“, erläutert Andreas Heiler, Leiter des Schullandheims.

Auch Jugendreiseveranstalter wie ruf Jugendreisen haben den Trend längst erkannt. Neben gluten- und laktosefreien Speisen und Getränken, so verspricht die ruf-Broschüre, werden auch zu jeder Mahlzeit vegetarische Gerichte angeboten. „Bei 250 Teilnehmern sind im Durchschnitt 10 Prozent Vegetarier“, sagt ein Koch bei ruf. Um die gesunde Ernährung zu unterstützen, bietet ruf bei Reisen unter anderem eine Vitaminbar an, an der jeder seinen eigenen Joghurt mit Obst mischen kann – frei nach dem Motto „Pimp My Joghurt“. Bei der Veranstaltung „Das ruf Verpflegungskonzept – Verköstigung“ auf der ITB konnte man sogar selber mal seinen eigenen Joghurt „pimpen“, allerdings keinen laktosefreien.

Aber kommt das gesunde Essen denn bei den Kindern und Jugendlichen überhaupt an? „Sicherlich achten ältere Kinder mehr auf gesunde Ernährung und essen bewusster als jüngere“, meint der ruf-Koch. Insgesamt werde das Essen jedoch gut angenommen, das bestätigen auch die Fragebögen, bei denen die Jugendlichen die Reisen im Nachhinein bewerten.

Doch obwohl die Nachfrage nach gesundem Essen immer mehr steigt, ist der Bedarf doch noch nicht so hoch, dass es sich schon im Preis niederschlägt. Somit ist gesundes Essen derzeit weder für Verbraucher noch für Unternehmen teurer.

Allgemein Ernährung ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen Nachhaltigkeit Trends

Tourismus – Chance oder Feigenblatt für Aserbaidschan?

Menschenrechte werden unter den Teppich gekehrt

 

Dieses Jahr ist Aserbaidschan als offizieller Kulturpartner mit besonders vielen Angeboten auf der ITB vertreten.

Es wirbt mit Bildern von der unberührten Natur des kaspischen Kaukasus, der Tradition der Teppichwebekunst und der Millionenmentropole Baku. An dem Stand des Kultur- und Tourismusministeriums erfährt man, dass Aserbaidschan eine der niedrigsten Kriminalitätsraten der Welt hat.
Was man hier nicht erfährt: 2013 landet das Land in der Rangliste für Pressefreiheit der Reporter ohne Grenzen auf Platz 156, hinter Ländern wie Afghanistan oder dem Irak. Auch von der hohen Arbeitslosigkeit, die insbesondere junge Leute betrifft, ist hier auf der Messe nichts zu hören. Der Kultur- und Tourismusminister Abulfas Garayev betont: „Our country is open.“ Die Reaktion von Marie von Möllendorf, der Fachreferentin von Amnesty International für Zentralasien: „Gegenüber ihren Kritikern zeigt sich die aserbaidschanische Regierung ganz und gar nicht offen und tolerant. Vielmehr lässt sie weiterhin Demonstrationen brutal niederschlagen oder von vorneherein verbieten“. So geschehen bei Protesten im Januar. Tausende größtenteils junge Menschen wendeten sich gegen die korrupten Strukturen des ölreichen Landes, das für sie nur Arbeits- und Perspektivlosigkeit bereithält.

Mit Wachstumsraten von über 10% und einem Anstieg der Touristinnen und Touristen von 450.000 auf 2.5 Millionen in den vergangenen Jahren boomt der Tourismussektor in Aserbaidschan.
Über tausend Ausbildungsplätze wurden laut Kulturministerium in diesem Bereich geschaffen. Dies könnte einen Ausweg aus der Perpsektivlosigkeit bedeuten.

Allgemein Fernreisen ITB 2013

Das spielende Geschäft – wie einfach ist es, Besucher an den Stand zu locken?

Romina im Seilgarten von Globetrotter; Foto von: Pia-Maria Schäfer

Romina Berni ist als nächste an der Reihe. Sie trägt einen Helm zur Sicherheit und schaut die Leiter hoch. „Es ist schon ein ziemlicher Nervenkitzel“, sagt sie und steht kurz danach lächelnd auf dem Seil. Von dort aus geht es, auf wackeligen Beinen, einmal im Viereck um den Stand von Globetrotter. Wieder unten angekommen und nach dem Ablegen der Sicherung und des Helms erzählt sie begeistert: „Es war super und es hat echt gut geklappt.“

Für die zukünftige Bürokauffrau ein Erlebnis und für die Firma Globetrotter ein Erfolg. Der Seilparcour kommt nicht nur bei Romina gut an, sondern auch bei vielen anderen Besuchern. Günther Hoffmann, Geschäftsführer der Globetrotter Akademie meint: „Ein kleiner Stand nur mit Heften reizt dazu, vorbei zu gehen. Jede Aktivität, sei es ein Seilgarten  oder eine Kleinigkeit, wo man aktiv werden kann, ist ein Eyecatcher.“

Auf der ITB Berlin versuchen jeden Tag rund 10.000 Aussteller aus 180 Ländern Geschäfte zu machen. Doch wie lockt man potenzielle Geschäftskunden am besten an? Wie macht man auf sich aufmerksam?

Zwei Gänge neben Globetrotter ist alles gelb und schwarz. Wer hier an Fußball denkt ist falsch. Das gelbe Auto und die großen Pappschilder gehören zum ADAC- Stand. Fabian Balon steigt nach dem simulierten Autounfall mit Überschlag lächelnd aus dem Wagen aus. Es stehen viele Besucher der Messe um das Auto und haben ihm zu geschaut. Fabian erzählt: „Es war relativ lustig. Es geht ein bisschen auf den Kopf, denn wenn man kopfüber ist, fließt das Blut in den Kopf. Wenn man minutenlang so bleibt, bekommt man Kopfschmerzen. Aber es ist mal ´ne Erfahrung.“

Mit der Simulation lockt der ADAC viele Zuschauer an, und diejenigen, die eingestiegen sind, bleiben gerne noch am Stand stehen und reden über das Erlebte. Und schon geht es weiter. Neue Interessierte wollen einsteigen. Die Simulation läuft den ganzen Tag, noch bis Sonntag ist die Tourismusmesse offen. Das Auto wird im Dauereinsatz sein.

Ein kurzes Stück den Gang hoch gibt es ein weiteres Beispiel für erfolgreiches Anwerben: der Jugendhof Knivsberg. Eigentlich ein unscheinbarer Stand, wäre da nicht das Spiel Jakkolo. Das aus Holz bestehende Spiel lädt zum Mitmachen und Zugucken ein. Ein Spieler kickt die kleinen Scheiben in Lücken mit verschiedenen Punkten. Zum Schluss wird gezählt und aufgeschrieben. Am Ende des Tages wird der beste Spieler benachrichtigt und gewinnt eine viertägige Reise des Veranstalters.

Heiko Frost, Organisator des Standes sagt: „Es ist ganz wichtig, einen Magneten zu haben, damit man Leute einbinden kann und Spaß vermittelt. Dadurch hat man die Chance, dass die Leute stehen bleiben und Fragen stellen. Nur so kann man im Prinzip etwas verkaufen.“

Also alles ganz einfach: Interaktionen anbieten, die Spaß machen, und dann verkaufen. So sieht er aus: der Weg zum Erfolg.

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Allgemein ITB 2013 Trends

Sozial verantwortlich reisen – aber wie?

Centre for Community Tourism in the Amazon; Foto: Madeleine Hofmann 

Wer in fremde Länder reist, erlebt häufig einen Kulturschock. Nicht nur ist man einem ganz neuen Klima ausgesetzt, auch Sprache und Lebensgewohnheiten der Einheimischen wirken oft erst einmal befremdlich. Mehr über die fremde Kultur und die Traditionen des Urlaubslandes kann der Reisende lernen, wenn er sich einen Reiseveranstalter sucht, der Touren und Aktivitäten mit Einheimischen organisiert. Die Entscheidung für ein Programm fällt bei der großen Auswahl an Reiseangeboten jedoch oft schwer.

Gleich mehrere Möglichkeiten, mit der brasilianischen Bevölkerung in Kontakt zu treten bietet das „Centre for Community Tourism in the Amazon“ (CCTA). Dieses, von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) geförderte Projekt verspricht „gemeindebasierten Tourismus“. In der Niederlassung des CCTA in der Stadt Manaus können Touristen Übernachtungen im Amazonasgebiet buchen – zum Beispiel in voll ausgestatteten Holzhütten oder auf einem am Flussufer ankernden Schiff. Wer mag, kann den Einheimischen auch bei der traditionellen Herstellung von Kunstgegenständen über die Schulter schauen oder mit ihnen gemeinsam Bootstouren unternehmen. CCTA legt besonders Wert darauf, dass die Gemeinden ihre Projekte selbst auf die Beine gestellt haben und übernimmt lediglich die Rolle desVermittlers zwischen Kunde und Anbieter. Ziel des Projektes ist es, die Entwicklung dieser regionalen Tourismusprojekte anzutreiben und den Beteiligten vor Ort auch Know-how im Bereich Marketing zu vermitteln. „Alle finanziellen Mittel, die von Touristen gezahlt werden, bleiben in der Gemeinde“, berichtet Dirk Henker, der das Projekt als Abgesandter der GIZ unterstützt. „Wir sind ein auf NGOs gestütztes Projekt“.

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Anders ist das bei Anbietern wie „Socialtours“ aus Nepal oder „The Blue Yonder“ aus Indien. Auch hier kann man in Gemeinden übernachten und Workshops zum Beispiel im Töpfern oder Kochen mit Einheimischen belegen. Die Projekte sind allerdings nicht aus einer Idee von Einheimischen entstanden, sondern auf Nachfrage durch die Agenturen. Diese möchten mit ihren Angeboten kulturelle Schätze erhalten. „Manche Traditionen würden einfach aussterben, wenn wir den Einheimischen durch den Tourismus kein neues Standbein bieten würden“, erklärt Anne Zummach von „The Blue Yonder“. Die Gemeinden bekommen etwa ein Drittel von den Gebühren, die Touristen für die Touren zahlen.

Beim Stöbern in all diesen Angeboten darf man nicht vergessen, dass der Kontakt mit der Bevölkerung im Reiseland immer zwei Seiten hat. Für Europäer ist es wichtig, Einblicke in fremde Kulturen zu bekommen. Gleichzeitig dürfen die im Reiseland bestehenden Sozialsysteme aber nicht zu sehr beeinflusst werden. Als Besucher sollte man deshalb immer sicherstellen, dass die Gemeindemitglieder mit dem Besuch der Touristen einverstanden sind und über die Häufigkeit und Dauer selbst bestimmen können. „Häufig wird die Tradition in ländlichen Gegenden durch den Tourismus erhalten“, erklärt Adina Panicke von Tourism Watch. „Der Tourismus ist ein wichtiger Arbeitssektor, ohne den die Jugendlichen abwandern würden.“ Damit der Ausflug in die fremde Kultur sozialverträglich ist, sollte ein langfristiger Nutzen der Einheimischen gewährleistet sein. Adina Panicke rät dazu, sich vor der Reise gut zu informieren: „Eine Möglichkeit die Sozialverträglichkeit sicherzustellen ist, sich einen für sozialverträgliches Reisen zertifizierten Veranstalter zu suchen.“

Allgemein Fernreisen ITB 2013 Nachhaltigkeit Trends

Interview gesucht

Zwischen Strand und Messe ist da noch der Präsident

„Hugo Chavez ist tot“. Diese Radionachricht ließ mich heute morgen auf meinem Weg zur ITB aufhorchen. Ich hatte sofort das Gefühl, dass dies das perfekte Thema für meinen ersten young press-Artikel ist:
„Ich werde eine Interview mit einer Venezolanerin oder einem Venezolaner führen.“ Hat zwar nicht viel mit Reisen zu tun, aber ich finde es neu, wichtig und überaus interessant (diese drei Merkmale braucht ein guter Beitrag, wie ich gestern gelernt habe). Der venezolanische Präsident Chavez war eben kein gewöhnlicher Politiker, sondern seit über fünfzehn Jahren trotz Putschversuchen und Generalstreiks im Amt. Er versprach, das Land auf den „Pfad des Sozialismus des neuen Jahrhunderts“ zu führen, er war der Commandante.

Nachdem ich in unserem Büro den Wikipedia-Artikel über Hugo Chavez durchgeackert habe und gefühlt hundert Google-News durchgegangen bin,  mache ich mich auf den Weg in Halle 3.1, wo der venezolanische Stand zu finden ist.
Wie finde ich jetzt einen Interviewpartner oder eine Interviewpartnerin? Nachdem ich meine Schüchternheit überwunden habe, frage ich einen wichtig aussehenden Businessmenschen. Er verspricht mir, dass ich in wenigen Minuten jemanden mit meinen Fragen bombardieren kann.
Während mich leichtbekleidete Frauen und Männer von den großen Propagandabildern her anlachen und in ihr Paradies hineinziehen wollen, gehe ich im Kopf noch einmal meine Fragen durch: Wie haben sie vom Tod erfahren? Was war ihre erste Reaktion? Glauben sie, dass sich jetzt viel in ihrem Leben ändern wird? Ich erinnere mich daran, offene Fragen zu stellen, damit ich Platz für die Geschichten der oder des Interviewten lasse.

Doch ich werde enttäuscht. Als ich der jungen Frau, auf die ich gewartet habe, mein Anliegen schildere, schreckt sie kurz zurück und blockt dann mit einem unsicheren Lächeln ab. Sie könne leider kein Interview geben, sie sei nur Repräsentantin des Landes. Außerdem sei der zuständige offizielle Vertreter direkt nach der Nachricht von Chavez´ Tod zurück nach Venezuela geflogen.
Ich muss umdisponieren.
Wie kann ich daraus jetzt noch einen Artikel machen, damit ich nachher um 17 Uhr nicht mit leeren Händen dastehe?
Ich versuche sie in ein Gespräch zu verwickeln, indem ich nach anderen Dinge frage. Das klappt auch ganz gut und ich stelle einfach während dieses Gespräches meine vorbereiteten Fragen, nur ohne Aufnahmegerät.  Sie durchschaut meine Taktik des versteckten Interviews aber schnell und will das Gespräch beenden. Als Ausgleich verspricht sie, mir eine Pressemitteilung zu schicken, in der Länder wie Kuba oder Bolivien ihre Trauer um den Tod des Präsidenten ausdrücken.
Das reicht mir aber nicht und ich hake weiter nach.  Mehr als vage Andeutungen, dass es für ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und sie natürlich ein Schock gewesen sei, aber die offizielle Anweisung laute, die Arbeit fortzusetzen, kriege ich nicht aus ihr heraus. Relativ schnell ist das Gespräch dann doch beendet.
Als sie mich dann auch noch bittet, ihren Namen nicht zu nennen, kommen Fragen in mir auf. Erlebe ich hier gerade live mit, wie in Venezuela mit Meinungsfreiheit umgegangen wird? Oder ist diese Situation nur der Unsicherheit der Venezolanerin geschuldet?
Ich nehme auf jeden Fall den Eindruck mit, dass ihr die Situation äußerst unangenehm war. Bestimmt wird mich dieses Erlebnis an den verbleibenden Messetagen weiter beschäftigen. Interessant fände ich es, einmal mit einem venezolanischen Journalisten über diese Geschichte und die Lage im Land zu sprechen. Vielleicht klappt das ja noch auf der ITB.

Allgemein Interview ITB 2013

Kurzurlaub auf der ITB

Zu Fuß nach Lateinamerika – Wie man auf der ITB Kurzurlaub machen kann

Für Menschen wie mich, die unter chronischem Fernweh leiden ist die ITB Fluch und Segen zugleich. Einmal durch die Hallen gestreift, wächst in mir die Sehnsucht nach der Ferne mit jedem Schritt. Vor meinem inneren Auge buche ich mich bereits an den nächsten Traumstrand. Aber warum Geld ausgeben wenn die Welt hier zum Greifen nahe ist? Lateinamerika ist mein altes Laster – zu finden in Halle 1.1. Auf dem Weg dorthin versetze ich mich bereits in den Travelmodus.

Ich starte auf den Rolltreppen in Halle 6.3. Flughafenatmosphäre – check. Auf jeder Etage wartet am Ende der Treppe eine Frau mit Empfangsschild. Wie am Flughafen. Rollkoffer und Multikulti tragen ebenfalls zur richtigen Stimmung bei. Mir begegnen auf meinem Gang Richtung Süden Menschen mit verschiedenstem ethnischen Hintergrund. Es überwiegt allerdings der Modetrend Jackett und Bluse, auch die Umhängeschilder, die ein jeder um den Hals trägt, trügen meine Gedankenreise in Richtung Lateinamerika.

Ich betrete Halle 1.1 – nein stopp, ich betrete den lateinamerikanischen Kontinent. Ich steuere auf Bolivien zu und vergesse das Rechts und Links und konzentriere mich ganz auf meinen Gesprächspartner, in dessen Kultur ich eintauchen möchte. Ich reise in der Landessprache Spanisch. Mein Gegenüber und ich verfallen in ein interessantes Gespräch über die mit Getreide gefüllten Porzellanschalen auf dem Tresen vor uns. „Quinua“ gibt es in drei Farben und ist eine der wichtigsten Nahrungsgrundlagen in Bolivien.

Esther von der bolivianischen Tanzgruppe hat sich zu uns gesellt und ihr Anblick – sie trägt eine bolivische Tracht – schafft den Rahmen. Sie hat lange in Bolivien gelebt und ist Mitglied einer Tanzschule, die von den Standbetreibern angefragt wurde, das kulturelle Flair zu schaffen. In Bolivien fehlt mir noch der Zauber. Ich linse nach Brasilien. Das ist das Großartige auf der imaginären Weltreise auf der ITB – nur wenige Schritte und eine neue Welt offenbart sich.

Auf der Brasilienfläche wechselt nicht nur die Sprache, im Grunde springe ich auch in die Zukunft, denn hier stehen bereits alle Zeichen auf 2014. Fußballfieber treibt die Tourismusbranche an. Ich mache mich auf die Suche nach Impressionen und lande bei Nüssen und Kaffee. So langsam wird es was mit der Sinnesreise. Augen, Nase, Mund und Ohren sind jetzt auf kulturellen Abwegen.

Weiterreise in Paraguay bei „Aristocrata“ – ein köstliches Gemisch aus Guavensaft, Kondensmich und Rum. Alkohol am Mittag, warum nicht, ich bin ja schließlich auf Urlaubsreise. Angepriesen von Alexandra aus Asunción, die eine bezaubernde „Traje tipico de Aruna“ – die typische Landestracht – trägt, lasse ich mich hinreißen.

Um die Ecke treffe ich Tania Perez. Sie fertigt ecuadorianische Sombreros an. Ganz verloren habe ich mich dann nebenan in Kolumbien. Ich fahre Fahrrad durch den Tayorana Nationalpark und besuche im Anschluss das „Museo del Oro“ (Goldmuseum). Auch eine Salsastunde lasse ich mir nicht entgehen. Multimedia macht es möglich. Radeln vor riesigem Bildschirm und Tanzstunde á la  Spielkonsole. Sightseeing trifft Action. Kolumbien hat überzeugt. Und bei abschließendem Kaffee frage ich mich, welche Sinneseindrücke ich vermisse.

Wärme und Strand fehlen. Ich beschließe in die Karibik zu wechseln. Der Transit zwischen den Kontinenten wird durch die Verbindungswege zwischen den Hallen verkörpert. In verlasse Lateinamerika.

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Strand suche ich vergeblich, treffe aber in der Dominikanischen Republik auf einheimisches Handwerk. Hier werden Porzellanpüppchen und Zigarren ad hoc hergestellt. Die Mitarbeiter am Stand begrüßen meine Neugier sehr, schließlich ist man stolz auf seine Kultur und man schenkt mir eine der frisch gerollten Zigarren. Diese landet in meiner mitgebrachten Tasche aus Kolumbien.

Im grünen Urwald von Costa Rica gönne ich mir einen letzten Kaffee. Mit Koffeinüberdosis verlasse ich den Kontinent und begebe mich zurück nach Berlin, also zurück ins Pressezentrum. Satt vom Essen und den Eindrücken Lateinamerikas, nur braun geworden bin ich auf meiner bunten Weltreise durch die Hallen leider nicht.

Allgemein Fernreisen ITB 2013 Topstories Trends

Der Trend zum Nichttrend

Jugendreiseveranstalter setzen in diesem Jahr auf Altbewährtes, die Kids auf Mitbestimmung

Die Jugendreiseveranstalter sind sich einig: Abenteuerurlaub ist bei Teenagern sehr beliebt und läuft gut. Eltern und Lehrer wünschen sich, dass der Nachwuchs kulturell und sprachlich im Urlaub etwas dazulernt. Die Teenager wollen vor allem eins: Spaß! Wenig überraschend, kaum was Neues auf der Messe für die jungen Kunden.

Generator Hostel zum Beispiel ist auf diese Zielgruppe spezialisiert: Die Kundenansprache ist modern,  das Design ist hip. Über soziale Medien wie Facebook und Twitter sind sie im ständigen Kontakt mit den jungen Erwachsenen. Das war aber auch schon im letzten Jahr so. Trotz des direkten Drahts bleibt die Antwort nach Trends vage. „Die Gäste machen meistens das gleiche: Hauptattraktionen und ein paar Insidertipps reichen“, berichtet ein Mitarbeiter Schulter zuckend. Nur eins fällt ihm auf: Dass die Jugendlichen sich unabhängig in das Abenteuer stürzen wollen. Das Geschäft mit den Freiheitsliebenden wächst für die Hostels seit Jahren.

Sind also Individualreisen der neue Trend? Das Bundesforum Kinder- und Jugendreisen sieht das anders. Alleine elf Millionen Kinder und Jugendliche nahmen im vergangenen Jahr an organisierte Gruppenreisen teil. Vielleicht wurde für die Jugendlichen schon das passende Urlaubsrezept gefunden. Manfred Fuss vom Bundesforum Kinder und Jugendreisen kann sich das vorstellen. Er ist überzeugt, dass die Jugendlichen heute genauso begeisterungsfähig seien wie vor einigen Jahren. Er unterstreicht aber auch noch einmal, wie wichtig die Unabhängigkeit für die Jugendlichen sei. Sie wollen ihre Reise selbst mit planen, ihren Leidenschaften nachgehen. Manfred Fuss hat das Gefühl, dass die Teenager heute selbstbewusster sind. Daher können sie mehr fordern.

Ganz neue Entwicklungen haben die Jugendreiseveranstalter in den vergangenen Jahren nicht gefunden. Bei den Erwachsenen wird das Wohlergehen immer wichtiger. Hier gibt es einen ganz klaren Trend in Richtung Gesundheitstourismus. Es gibt durchaus auch Eltern, die Jugendreisen mit Sport und Stressregulierung für ihren Nachwuchs suchen. Der klassische Gesundheitstourismus spielt in dieser Altersgruppe allerdings immer noch keine Rolle.

Allgemein ITB 2013 Kinder- und Jugendreisen Kurztrips Trends

Wie oft verlaufe ich mich? – Unterwegs im Messedschungel

Wo geht’s denn bloss hin? Orientierungslos auf der Messe. Foto: Sara Bagladi

Mein Standort: Las Vegas. Mein Ziel: Uganda. Wie oft verliere ich mich an meinem ersten Tag auf der Messe?

Im Labyrinth der ITB ist es gar nicht so leicht, sich zurecht zu finden. Jeder, den ich frage, hat sich bestimmt schon einmal in dem Wirrwarr der Hallen und Stände verloren. Ich stelle meinen Schrittzähler auf 0 und stürze mich in die riesigen Räume voller Menschen, fremden Gerüchen und Ständen mit Informationen über fast alle Länder der Erde.

Prompt biege ich auch schon falsch ab – statt, wie angenommen in der Karibik, finde ich mich plötzlich in Brasilien wieder, wo leichtbekleidete Frauen mit Federschmuck auf dem Kopf an ihren Stand locken wollen. Meinem Messeplan entnehme ich, dass ich einen Stock nach oben sollte, doch wo verflixt finde ich die Rolltreppe? Ich durchquere die Halle und versuche mich nicht von dem verlockendem Duft der Brüsseler Waffeln ablenken zu lassen. Die ersten der insgesamt sieben Hallen liegen hinter mir. Alessia, eine italienische Reiseberaterin, die mir über den Weg läuft, verrät mir, dass es ihr ähnlich geht: „So eine Konstruktion habe ich noch nie gesehen! Es ist unmöglich sich hier zurecht zu finden.“

Weiter geht’s nach Jemen. Nach Plan muss ich nur noch zwei Hallen durchqueren, bis ich an mein Ziel gelange. Gerne würde ich noch ein bisschen länger zuschauen, wie der Handrücken einer Frau mit Henna Tattoos verziert wird, doch die Zeit drängt. „Ich verlauf’ mich mindestens einmal pro Stunde. Mittlerweile geht’s aber immer besser“, meint die Reisebloggerin Yvonne Zagermann, die heute von einem Termin zum nächsten springt. Yvonne benutzt die App von der ITB, um den Überblick zu behalten. Doch das hilft leider auch nicht, wenn ein Riesenstand mit meterhohen Plakaten die Sicht verdeckt. Zwei weiteren Messebesucherinnen hingegen reicht der Messeplan aus Papier: „Mit dem Plan haben wir bis jetzt alles problemlos gefunden.“

Nach wirren Zickzackläufen durch die Hallen sehe ich endlich das ersehnte Afrika-Schild vor mir. Auch der Stand von Uganda ist nicht mehr weit. Ein Blick auf den Schrittzähler zeigt mir, dass ich 4789 Schritte von Las Vegas nach Uganda benötigte und dabei 156 Kalorien verbraucht haben soll. Von Miriam aus Kampala, Uganda lerne ich ein paar Worte eines Dialektes aus ihrer Heimat, welche für die nächsten Messetage mein Mantra werden: Lw’e yayale tabula! (Have fun and don’t get lost)

So mache mich auf zu meinem nächsten Termin, als ich mich prompt schon wieder verlaufe.

Allgemein ITB 2013

Chance für Nachwuchsjournalisten. Presseworkshop young press berichtet täglich von der ITB Berlin 2013

Zum 19. Mal veranstaltet die Thomas-Morus-Akademie Bensberg in Kooperation mit der Messe Berlin einen Presseworkshop auf der weltgrößten Tourismusmesse in Berlin. Ein Training on the job bietet der Workshop 15 jungen Teilnehmern und Teilnehmerinnen, die journalistische oder touristische Vorerfahrungen aus Studium oder Beruf mitbringen und sich um einen der Workshopplätze beworben haben. Unter fachkundiger Begleitung erstellen sie während der ITB Berlin 2013 den Pressedienst young press und vertiefen ihre (reise-)journalistischen Kenntnisse. Mit kritischer Distanz begleitet young press die Tourismusmesse in der Bundeshauptstadt. Das Augenmerk des Pressedienstes, der u.a. vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend finanziell unterstützt wird, richtet sich dabei vor allem auf Themen, die sonst eher vernachlässigt werden: internationale Kinder- und Jugendreisen.

Betreut werden die jungen Journalistinnen und Journalisten von Dr. Jan-Christoph Kitzler (Deutschlandradio), Christine Berger (freie Reisejournalistin, u.a. National Geographic), Tobias Asmuth (freier Journalist u.a. FR, Berliner Tageszeitung), Edith Kresta (die tageszeitung) und Yvonne Zagermann (u.a. http://www.justtravelous.com). Die von young press produzierten Artikel werden auf mehreren Social-Media-Portalen wie Social-Media-Portalen wir Xing oder Facebook für spannende Diskussionen rund um das Thema Tourismus sorgen. Zudem werden die Artikel auf der Homepage der ITB Berlin und im Blog der Thomas-Morus-Akademie platziert.

Das Büro von young press befindet sich im Pressezentrum (Zwischengeschoss, Raum 503) und ist vom 6. bis 10. März 2013 täglich von 9.00 Uhr bis 18.00 Uhr besetzt. Ansprechpartner sind Astrid Zand, Messe/ITB Berlin sowie Stefan Leister von der Thomas-Morus-Akademie Bensberg.

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Allgemein ITB 2013 Topstories

Die Virtuelle Welt wird auch beim Reisen wichtiger – Stefan Niemeyer über Chancen und Perspektiven der mobilen Vermarktung

Foto: IC Tourismus

Auf der Fachbesuchermesse der ITB 2012 in Berlin wird ein Vortrag nach dem anderen über Social Media, Smartphones & Co. gehalten. Die Säle sind übervoll. Und die Referenten freuen sich über die große Anzahl an interessierten Zuhörern. Mitten drin im Geschehen Stefan Niemeyer, Agenturleiter bei IC Tourismus. Nach seinem spannenden Vortrag „Kultur wird sozial und mobil. Wie Social Media und Mobile Marketing den Kulturtourismus verändern“, beantwortet der Marketing Designer & Entwickler Fragen von young press:

Katharina Czech: Täglich sind wir mehr und mehr der virtuellen Welt ausgesetzt. Wie wirkt sich dies auf die Tourismusbranche aus?  Sehen die Anbieter Smartphones und Apps als Gefahr oder fasst die Branche diese Erneuerung als Erweiterung der eigenen Möglichkeiten am Markt auf?

Stefan Niemeyer: Ich hoffe sehr das die Tourismusbranche dies nicht als Gefahr sieht, denn es ist keine Gefahr. Es ist  vielmehr eine ganz große Chance, die es in den unterschiedlichen Reisephasen gibt. Unter anderem in der Phase des Aufenthaltes. Der Gast hat durch die mobile Welt die Möglichkeit seine Reise noch interaktiver zu gestalten. Diese Medien können stärker herauszufinden, was der Gast während  seiner Reise erlebt, was er empfiehlt und was er für Impressionen hinterher mitnimmt.  Dies sind die Anforderungen, die ein Gast mobil während eines Aufenthaltes nutzt. In all den Medienanwendungen, die ich mit meinem Smartphone mache, kann ich alle kleinen Eindrücke festhalten, die ich in der Destination sehe. Und je besser die Destination, das Unternehmen, der Reiseanbieter darauf einsteigt, diese animiert und auch reflektiert, um so größer ist die Chance für die Destination, Multiplikatoren zu finden aber auch die eigene Qualität zu kontrollieren.

Katharina Czech: Was folgt daraus? Werden zum Beispiel im klassischen Tourismus-Geschäft Stellen abgebaut? Kann man das heute schon beobachten?

Stefan Niemeyer: Das klassische Reisebüro muss grundsätzlich niemals aussterben, weil es schon vor 10 Jahren so war, das gesagt wurde, das Reisebüro ist tot. Aber auch heute lebt es noch. Jedes Unternehmen muss aber auch einen Wandel mitmachen, muss die Komponenten, die den Reiseinteressierten beschäftigen und die er anwenden will, mittragen können. Es muss nicht zwingend Personal reduziert werden. Das Personal muss da eingesetzt werden, wo es gebraucht wird. Für den Gesamttourismus würde ich nicht von echten Rückgängen sondern von Personalverlagerungen sprechen, und Unternehmen müssen sich neu definieren.

Katharina Czech: Der Weiterbildungssektor wird somit in den nächsten Jahren für den klassischen Tourismus eine große Rolle spielen?

Stefan Niemeyer: Es ist ein sehr dynamischer Trend und auf dem Weiterbildungsmarkt gibt es spannende Ansätze, bestehende Berufsfelder werden zum Beispiel um neue Komponenten erweitert. Ob es nun zwingend einen neuen Weiterbildungsbereich geben muss, da bin ich mir nicht sicher, in manchen Teilen vielleicht. Ich glaube aber schon, dass man die bestehenden Berufsfelder an die Angebote anpassen muss. Dies passiert auch gerade und wird in Zukunft bestimmt weiter ausgebaut. Aber mit Sicherheit gibt es in der Tourismusbranche noch Nachholbedarf. Dass natürlich der Nachwuchs jetzt schon das erlernt, was er dann in vier bis fünf Jahren wirklich anwenden muss und anwenden will, damit der Gast zufrieden ist, steht außer Frage.

Katharina Czech: Ist es möglich, dass die virtuelle Welt den Menschen aus Fleisch und Blut in seiner Funktion ersetzt, z. B. den Reiseführer? So wie mit der Industrialisierung auch die Maschinenkraft die menschliche Arbeitskraft ersetzt hat?

Stefan Niemeyer: Das glaube ich nicht. Ich glaube viel mehr, dass die Kombination aus beidem spannend sein kann. Also, Reisen und der Urlaub als solches ist ein emotionales Gut,  der persönliche Kontakt ist ein wichtiger Faktor. Eine gewünschte Führung durch einen Urlaub ist immer etwas, das im Kopf haften bleibt. Ein Smartphone kann das nicht ersetzen, und auch die beste App nicht. Aber es gibt Bereiche während einer Reise, auf denen das Smartphone mir Mehrwerte bieten kann, die über den persönlichen Kontakt hinausgehen. Technik ist immer ein Unterstützer. Technik ist nicht dominierend. Und beide Komponenten, das Persönliche und das Mediale, sind sicherlich spannende Ergänzungen. Somit sollte das Thema Servicequalität und das Thema  der persönlichen Ansprache in den Vordergrund rücken. Weil es genau diese herzlichen Begegnungen sind, die Dinge, die ein Smartphone niemals leisten kann. Und das sind die Bereiche, wo man auf einmal noch stärker als bisher punkten kann.

Katharina Czech: Wie sieht die Zukunft aus? Kann man dann auf Bargeld verzichten, da es z. B. heute schon die Möglichkeit des Tickting gibt?

Stefan Niemeyer: Ich kann es mir vorstellen. Technisch ist es jetzt schon machbar. Das größte Hindernis dabei ist der Mensch und das wir bereit sind, auf alte Gewohnheiten zu verzichten. Die Hauptkomponente beim bargeldlosen Zahlen ist aber immer der Sicherheitsaspekt. Wenn dieser so gelöst ist, dass das Vertrauen der Menschen da ist, dann glaube ich, dass man in vier bis fünf  Jahren in Ansätzen und in 10 Jahren schon flächendeckend  diese Bezahlmöglichkeit praktizieren kann. Unterm Strich glaube ich, dass die Kreditkarte in der Tasche ein höheres Sicherheitsrisiko ist als das Smartphone. Es ist natürlich eine Sache, die im Kopf sich abspielen muss, und ein flächendeckendes Angebot der Geräte muss gegeben sein.

Katharina Czech: Und eine persönliche Abschlussfrage. Was ist ihr nächstes persönliches Reiseziel?

Stefan Niemeyer: Amerika, genauer New York. Bruce Springsteen geht auf Tour, und ich möchte ihn gerne in New York sehen. Das wäre mein nächster Wunschreiseort.

Allgemein Interview ITB 2012

Abireisen: Abfeiern oder Abchillen?

Abireise-Anbieter wie Ruf locken Schulabgänger mit Partytrips. Foto: Tobias Sauer

Der Markt für Abireisen scheint seit Jahren stabil. Doch in der letzten Zeit sind ruhigere Ziele im Kommen, während Buchungen für Partyhochburgen wie Lloret de Mar stagnieren. Der Beginn einer Trendwende?

Endlich ist das Abitur bestanden, die lange Schulzeit vorbei. Und nun? Seit Jahrzehnten fahren Abiturienten mit ihren Mitschülern noch einmal gemeinsam in den Urlaub, bevor sie Studium oder Ausbildung beginnen. Worum es bei den Fahrten geht, machen die grell bebilderten Kataloge der Reiseveranstalter deutlich: Tanzen, Trinken, Flirten. „Wenn die Abiturienten 13 Jahre Schulzeit ausklingen lassen möchten, heißt das in neunzig Prozent der Fälle: Party, Party, Party!“, sagt Okay Parlar von Ruf-Jugendreisen. Abiturienten, die bei einem Reiseanbieter buchen, wüssten genau, was sie erwartet, meint er. „Wenn man alleine bucht, kann man dagegen nie sicher sein: Sind am Urlaubsort etwa Rentner?“ Auch die Kataloge zeigen: Man bleibt gerne unter sich. „Hier treffen sich ausschließlich Abiturienten und junge Partyhungrige aus ganz Deutschland“, wirbt Ruf für eine Fahrt nach Lloret de Mar an der spanischen Costa Brava, der klassischen Partyhochburg für Abiturienten.

Und auch am Urlaubsort kümmern sich die Anbieter um das richtige Party-Umfeld. Junge Reiseleiter, die bei Ruf „Buddys“ heißen, begleiten die Abiturienten und organisieren vor Ort das Unterhaltungsprogramm. Auf dem Plan stehen unter anderem Ausflüge, zum Beispiel von Lloret nach Barcelona, Beachvolleyballturniere und Disco-Abende. Für die Gäste handeln sie bei Einlass und Getränken Spezialkonditionen aus.

Doch viele Abiturienten gehen nicht wegen, sondern trotz des umfangreichen Partyprogramms auf Abireise. Rosa Peschken, Bruno Dietel und Arne Markuske, Abiturienten am Händel-Gymnasium in Berlin, wollen nach dem Abitur mit ihren Klassenkameraden nach Kroatien an den Strand fahren – eine klassische Abireise. Den dreien geht es allerdings vor allem darum, ihre Freunde noch einmal zu sehen, das Rahmenprogramm spielt dagegen keine große Rolle. „Eigentlich finde ich solche Touren abschreckend“, sagt Rosa. „Aber man muss zum Glück nicht am ganzen Programm teilnehmen, an irgendwelchen Schaumpartys zum Beispiel.“ Cocktails und Unterhaltungsprogramm seien ihm egal, meint auch Arne. „Mir kommt es eher darauf an, entspannt mit meinen Freunden zusammen zu sein.“ Für Kroatien spricht vor allem der Preis. „Kroatien war das billigste Reiseziel, hier gibt es am meisten fürs Geld“, sagt er.

Auch Anbieter wie Ruf registrieren veränderte Reisewünsche. Während Ruf nach eigenen Angaben in den letzten Jahren einen langsamen aber kontinuierlichen Anstieg der Buchungszahlen für Abireisen verzeichnen konnte, würden Party-Ziele wie Lloret de Mar stagnieren. Ruhigere Urlaubsorte seien stattdessen stärker nachgefragt, sagt Ruf-Pressesprecherin Inga Krusch.

Manche Abiturienten entscheiden sich allerdings auch ganz gegen eine Abireise. Zum Beispiel Judith Lau, Abiturientin am Berliner Rosa-Luxemburg-Gymansium. „Das ist nicht mein Urlaub“, sagt sie. „Das Geld, das die Abireise kostet, möchte ich lieber in etwas stecken, das mir mehr Spaß macht, wo ich selber entscheiden kann, was ich mache.“ Für den August plant sie statt einer Woche Party am Strand deshalb eine lange Reise mit dem Zug durch Osteuropa.

Allgemein ITB 2012

Schluss mit Folklore

Foto: Eine Szene am Algerien-Stand. Quelle: Miriam Gutekunst.

Wenn ich über die ITB Berlin schlendere, stoße ich immer wieder auf skurrile Situationen.

Da steht eine junge, halbnackte Frau mit dunkler Haut und langen schwarzen Haaren. Bekleidet ist sie mit einem Bastrock und ein paar beigen Lappen. Verschüchtert und mit leicht gesenktem Blick steht sie da, als eine Besucherin sich vor ihr aufbaut und abdrückt.  Als der Blitz der Kamera ihr ins Gesicht schlägt, sieht sie nicht so aus, als ob sie sich in dieser Rolle wohl fühlen würde. Die Fotografin dagegen ist begeistert über ihren Treffer und träumt im Weitergehen schon von exotischen Wochen in Papua Neuguinea. Ein paar Stände weiter bittet eine andere Besucherin ein Mädchen in bunter Blütentracht den Kopf ein wenig zu neigen, damit die prächtige Blume im Haar besser zu sehen ist. Hinter mir meint im gleichen Moment jemand: „So sehen die dort aber nicht aus!“ Gemeint sind die Frauen auf den Malediven. Die Inseln werden an diesem Stand präsentiert.

Das Schema setzt sich in den Hallen der südamerikanischen, afrikanischen und asiatischen Länder fort. Die Szenen erinnern an die Entdeckung der Urvölker in kolonialen Zeiten. Sie gleichen den Fotografien des Ethnologen Bronislaw Malinowski, der sich Anfang des 20. Jahrhunderts auf den Weg zu den Trobriand-Inseln in der Südsee machte, um über die Bevölkerung dort zu forschen. Heutzutage steht sein Verständnis als überlegener, fortschrittlicher Forscher in der Ethnologie stark in der Kritik. Es findet ein Wandel statt, weg von einem ethnozentristischen Blick, der nicht-westliche Völker grundsätzlich als unterlegen und rückschrittlich betrachtet.

Aber nicht auf der ITB Berlin. Touristen sehnen sich nach Gegensätzlichem und Exotik und zahlen dafür, wenn sie einen Urlaub buchen. Die Reiseveranstalter möchten Geld verdienen und bedienen diese Wünsche und stereotypen Bilder. Der Tourismus ist in vielen Regionen ein wichtiges Standbein. Während die europäischen Länder also in schicken Lounges mit technischem Fortschritt, Hochkultur und Feinkost werben, liegen in den Afrika-Hallen Trommelklänge und Gesänge in der Luft. Stammesführer mit Lendenschurz und Speer verteilen Visitenkarten und verschleierte Frauen ziehen Besucher in ihren Bann. Doch Afrika, Asien und Südamerika haben mehr zu bieten als Musik, Tanz und Tracht. In den verschiedenen Ländern haben sich Metropolen entwickelt, die reich sind an jungen Kreativen und politisch Engagierten.

Ägypten hat im letzten Jahr auf der ITB Berlin gezeigt, dass deren Kultur nicht nur aus Kunsthandwerk, Bauchtänzerinnen und Pyramiden besteht. Sie warben mit ihrer Revolution, auf die sie stolz sind und für die sie weltweit Bewunderung und Respekt erhalten haben. Slogans wie „Eine friedliche Revolution inspiriert die Welt“ und „Tahrir – ein Platz rockt die Welt“ sind Beispiele, wie eine andere Vermarktung funktionieren kann. In diesem Jahr sind sie als Partnerland zurück zum Gewöhnlichen gekehrt und haben einen großen Basar aufgebaut mit einem Teppichweber, einer Wahrsagerin und einem Schriftenzeichner, dazwischen ein paar Kleopatras und Männer mit Turban. Der Tourist möchte im Urlaub eben das Exotische entdecken.

Die Frage ist, ob wir das wirklich wollen? Oder gibt es nicht viel Spannenderes zu entdecken in diesen Ländern, wenn wir uns öffnen und den Menschen die Möglichkeit geben, zu zeigen, was ihr Land noch zu bieten hat?  Über was wollen wir uns informieren auf einer Tourismusmesse? Wollen wir Neues erfahren oder vielmehr die Bilder live konsumieren, die wir sowieso in uns tragen? Ich habe für mich entschieden, dass Folklore für mich bestimmt kein Grund ist, um in ein Land zu reisen.

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Allgemein ITB 2012 Topstories

Auf den Spuren der Gebrüder Grimm

Quelle: Katharina Czech.

Wem sind die Gebrüder Grimm kein Begriff? Schon in unserer Kindheit werden wir mit ihren Märchen und Sagen in die Welt der Literatur eingeführt. Vor 200 Jahren sammelten die Gebrüder Grimm in Hessen ihre Geschichten und Abenteuer. Aber nicht nur in der literarischen Prosa sind die Gebrüder Grimm zu finden. Merian macht die beiden Geschichtensammler jetzt auch zu Hauptfiguren eines Reiseführers.

Auf  den Spuren der Gebrüder Grimm stellt Merian den Reiseführer zum Thema „Grimm in Hessen“ auf der ITB Berlin 2012 vor. Passend dazu wurde Rotkäppchensekt und Schneewittchenkuchen gereicht. Pünktlich zur Leipziger Buchmesse erscheint der literarische Reiseführer auf Deutsch, Niederländisch und als E-Book auch auf Englisch.

Gehen Sie auf Jagdfieber und genießen Sie in den Wäldern Hessens Naturschauspiele, reisen Sie in einer gemütlichen Kutsche durch verwunschene Städte, residieren Sie in Schlössern und genießen märchenhafte Menüs im Zeichen der Gebrüder Grimm.  Flanieren Sie durch das Hessische Lichtenau, das mit seinen kleinen Altstadtgassen und verträumten Hinterhöfen, die von einer Stadtmauer umschlossen sind. Die Stadt bezeichnet sich selbst als „ Tor zum Frau Holle-Land.  Erobern sie den Kunstwanderpfad „Ars Natura“, der die Märchenfiguren Grimms immer wieder aufgreift. Erleben Sie Hessen als Heimat der größten Märchenschreiber,  Jacob und Wilhelm Grimm.

Allgemein ITB 2012

Verleihung des Tourismus Wissenschaftspreises 2012

Quelle: Katharina Czech.

Die Deutsche Gesellschaft für Tourismuswirtschaft (DGT) verlieh auf der ITB in Berlin den Wissenschaftspreis  für Tourismus 2012.  In fünf Kategorien wurde der Nachwuchspreis von Professor Dr. Edgar Kreilkamp überreicht, darunter auch die „Beste Arbeit zum Thema Nachhaltigkeit im Tourismus“ von Johanna Karoline Krechel von der Universität Leipzig.

Insgesamt wurden 30 Abschlussarbeiten aus ganz Deutschland, Österreich und der Schweiz  eingereicht. Sie durchlaufen ein faires Verfahren: Die Gutachter können das Titelblatt der Arbeiten nicht mehr einsehen. Bewertet wird nach einem transparenten Punktesystem.  Falls es in der Jury Auseinandersetzungen  gibt, wird ein Dritt- oder sogar Viertgutachter hinzugeholt.

„Preisträger sollen einen Preis bekommen“, so Professor Dr. Kreilkamp. Gesa Wicke, die für die Beste Arbeit zum Thema  „Touristische Fachsprache, Medien und Kommunikation“ ausgezeichnet wurde, bekam einen Scheck in Höhe von 2.000 Euro überreicht. Einen Zweitagestrip nach Berlin für zwei Personen im 4-Sterne Hotel bekam Josef Schmid aus Österreich für seine Masterarbeit in der „Kategorie Beste wissenschaftlich-theoretische Arbeit.“

Allgemein ITB 2012

Nach dem Maya-Kalender geht eine Ära zu Ende, aber nicht die Welt

Foto: Der Maya-Priester und die Messekoordinatorin von Guatemala auf der ITB Berlin. Quelle: Jana Rentmeister

Am 21. Dezember geht der Maya-Kalender zu Ende. Gerüchte über das, was dann passiert, gibt es viele. Ein großes Naturereignis ist nicht zu erwarten. Stattdessen zeigen bunte Feste und Zeremonien eine lebendige Mayakultur – lebendig sicherlich noch weitere 5128 Jahre.

Auf der ITB Berlin, der weltweit größten Tourismusmesse, treffe ich am Guatemala-Stand auf einen Maya-Priester. Genauer gesagt ist er Tagzähler, in seiner Sprache Ajkij, was wohl am besten seine Berufung in der Heimat beschreibt. Er stammt aus Guatemala, ist nicht besonders groß, vielleicht 1,70 Meter. Ich vermute, sein gestreiftes Hemd ist aus seiner Heimat: Vereinzelte Stickereien mit dickem bunten Garn ähneln der Dekoration des Messestandes. Er ist klein, aber kräftig und er wirkt agil in seinen Bewegungen, als würde er tatsächlich oft spirituelle Tänze machen.

Der Mann aus Guatemala ist für mich der Richtige, um die Bedeutung über das Ende des Maya-Kalenders zu ergründen. Viele Gerüchte bestehen: Am 21. Dezember 2012 soll die Welt untergehen. Dass an dem Kalender etwas wahr ist, hatten schon viele astronomische Ereignisse bewiesen, die tatsächlich auftraten: Sonnen- oder Mondfinsternisse beispielsweise. Eine andere Theorie kam mir noch zu Ohren: Die Mayas waren gerade dabei, den Kalender zu schreiben, als plötzlich die Spanier ins Land einfielen. Sie konnten ihre Arbeit einfach nicht zu Ende bringen.

Zugegeben, für mich sind diese bewiesenen astronomischen Phänomene in Kombination mit spiritueller Endzeitphantasie nur nette Esoterik. Ich bin weniger spirituell als dass ich rational denke, wie wahrscheinlich die meisten Menschen in Europa.

Der Mann aus Guatemala lacht. „Sicherlich geht nicht die Welt unter und der Kalender ist auch vollständig“, versichert er. Alle 5128 Jahre endet ein Kalender – und geht am nächsten Tag wieder von vorne los. „Vielleicht wird es für ein bis zwei Tage dunkel …“

Tatsächlich soll sich die Sonne in den dunklen Graben im Zentrum der Milchstraße bewegen – sie lädt ihre Energie wieder auf und kann uns weitere 5128 Jahre damit versorgen. Sollte das passieren, dann am Tag der Wintersonnenwende – eben am 21. Dezember 2012. Im Maya-Kalender hat jeder Tag eine andere Energie „und wir Menschen stehen in direkter Verbindung dazu.“ Das kann man sich etwa so vorstellen, wie ein Handy, das an das Stromnetz angestöpselt wird – es füllt sich wieder mit neuer Energie, so auch die Sonne.

Der Maya-Kalender gilt als wesentlich präziser als der Gregorianische, den wir hier im Abendland kennen. „Sonne, Venus und Erde werden im Dezember ansatzweise in einer Linie stehen“, erklärt der Maya-Priester und Tagzähler.

Wir sitzen während der Tourismusmesse in Berlin in einem nachgebauten Mayatempel, dieser ist etwa vier Meter hoch und aus Plastik. Die graue Außenwand ist stufig, wie auch die der richtigen Tempel in Guatemala, Mexiko und Belize, die vor tausenden von Jahren gebaut wurden. Von allen vier Himmelsrichtungen kann man bei den originalen Mayabauwerken je 91 Stufen bis zu einer Plattform hinaufsteigen. Von dort haben die Astrologen in die Sterne geschaut und ihre Berechnungen aufgestellt. 91 mal vier plus eins ergibt 365. Ein Zeichen?

Vor dem Übergang in die neue Ära haben die Einwohner Guatemalas keine Angst. Sie planen großartige Feste und Zeremonien, Tänze, und Opfergaben von Schokolade und anderen Süßigkeiten, denn das ist, was die Götter lieben. Außerdem gibt es Alkohol, der die bösen Geister vertreibt. Kerzen werden bei solch einer Zeremonie in alle vier Himmelsrichtungen aufgestellt und die Götter werden vom Maya-Priester angerufen. Im Feuer erkennt der Priester das Wohlwollen der Götter. Die Bewohner freuen sich nicht nur auf die Zeremonien: Festivals und künstlerische Auftritte werden das Bild von einem bunten und spirituellen Land abrunden.

Zeit ist die Leidenschaft der Mayas. Für sie ist sie wiederkehrend, nicht linear wie bei uns Europäern. Unterschiedliche Kalender existieren in der Maya-Welt: Für rituelle Zwecke nutzen sie den Tzolkin-Kalender mit 260 Tagen. 260 ist das Produkt aus den Multiplikatoren 13 und 20. 13 Zahlen und 20 Namen greifen wie unterschiedlich große Zahnräder ineinander – 260 Kombinationsmöglichkeiten gibt es. Dem Haab-Kalender liegt der Umlauf der Sonne um die Erde zugrunde – eine Periode von 365 Tagen. Angenommen, beide Kalender starten am gleichen Tag, ist dieser Anfangspunkt erst wieder nach 52 Jahren erreicht. Die Mayas nennen dies „Kalender Runde“.

Iris Lohrengel ist Reiseleiterin in Guatemala

Iris Lohrengel ist Reiseleiterin in Guatemala

„Jegliche Prophezeiungen, die sich um den 21. Dezember 2012 drehen, basieren auf einem dritten Kalender. Die sogenannte ‚lange Zählung’“, erklärt Iris Lohrengel, die einst als Deutsche nach Guatemala reiste, um dort Spanisch zu lernen und nun dort als Reiseleiterin arbeitet, „begann wahrscheinlich am 11. August 3114 v. Chr.“ Das Ende der Periode von 5128 Jahren ist auf den 21. Dezember diesen Jahres datiert.

Ich bin nur mäßig überrascht, dass die Welt nicht untergehen wird. Stattdessen überrascht und fasziniert mich die Kultur der Mayas, ihre astronomische Wissenschaft, deren Großteil erst vor 30-40 Jahren entschlüsselt wurde. 90 bis 95 Prozent der Inhalte sind heute überliefert.

„Die Welt geht nicht einfach unter, höchstens lassen wir Menschen sie untergehen“, sagt Iris Lohrengel. Für die Zukunft wünscht sie sich eins: „Ich hoffe, das Jahr 2012 ist für die Menschen eine Anregung einmal über den Sinn des Lebens nachzudenken. Der Sinn sollte nicht das eigene Haus und der BMW davor sein. Ich wünsche mir, dass die Menschen die Welt als Geschenk sehen und mehr teilen. Sie sollen ihr Leben so führen, dass sie direkt oder indirekt niemandem schaden.“

Allgemein ITB 2012 Trends

Reisen mit Risiko – von der Lust nach Lebensgefahr

Quelle: Marcel Weyrich

Warum es Personen gerade jetzt in Länder wie Libyen treibt und wie das von Destinationen und Reiseveranstaltern ausgenutzt wird, erklärt Touristik-Professor Rainer Hartmann von der Hochschule Bremen. Er erstellte nach jüngsten Entführungen im Frühjahr in Äthiopien eine Typologie abenteuerlustiger Reisender und gibt Tipps, wie man auch risikoarm Abenteuer erleben kann.

Krieg, Verwüstung oder Elend: Wenn ein Land mit einem dieser Begriffe in Verbindung gebracht wird, so steigt es bei bestimmten Reiseabenteurern schnell im Kurs. Das gilt aktuell für Libyen. Trotz des Bürgerkrieges, der vor kurzem zu Ende gegangen ist, präsentierte sich Libyen Tourismus auf der ITB Berlin 2012. Khaled Ghellali, Direktor der staatlichen Tourismus-Behörde, bestätigt: „Klar, wenn man Abenteurer ist, will man natürlich gerade zu uns, Anfragen gibt es momentan sehr viele“.  Touristen-Visa werden aber nicht ausgestellt. „Wir wollen zuerst eine Basis schaffen, in der Sicherheit herrscht“, so Ghellali, um ohne Bedenken Touristen einlassen zu können. Das gehe aber nicht vor den Neuwahlen im Juni, zu riskant sei die Lage momentan. 

Dass eine Vorsicht wie die Libyens oft nicht an den Tag gelegt wird, prangert Professor Hartman an. Dabei meint er nicht nur Destinationen, sondern auch Reiseführer und Medien. „Viele Destinationen informieren nicht oder nur im Kleingedruckten über eventuelle kleine oder große Gefahren“, so Tourismus-Experte Hartmann. Jemen zum Beispiel präsentiere sich im Internet zu positiv, und weise nicht sehr transparent auf die Entführungsgefahr hin. „Dort entführt zu werden, ist momentan aber schon recht wahrscheinlich“, schätzt er. Wenn von einer Stadt eine Warnung bekannt sei, hält das Abenteurer noch lange nicht von einem Jemenbesuch ab. Sie führen trotzdem in den Jemen und umgingen diese Stadt einfach.

Problematisch findet er auch den aktuellen lonely planet-Reiseführer über Eritrea. Dort werde sogar erwähnt, wie wirtschaftlich zerstört das Land und unsicher die Gegend sei. Sobald aber von der unvergleichlichen Schönheit der Landschaft geschrieben werde, entstehe der Eindruck „es ist alles gefährlich und unsicher aber, boah, Leute, fahrt dorthin“. Psychologisch begründet Hartmann, dass Gefahren wie Krankheiten als viel größer eingeschätzt werden als Kriege oder Unruhen. Er bezieht sich dabei auf aktuelle Studien der Mondial Versicherungs-AG.

Seine Typologie (geschlechtsübergreifend):

Der Special-Interest-Reisende
Er ist Interessiert an Naturphänomenen, aber ein sehr reflektierter Reisender. Er geht keine großen Risiken ein. Er will etwas Besonderes erleben, aber bitte alles geführt und gesichert.

Der unkonventionelle Entdecker
Er empfindet das Risiko beim Reisen als Teil eines bestimmten Lebensstils. Motive sind in etwa nicht nur, etwas Besonderes erlebt zu haben: Auch Freunden und Kollegen erzählen zu können, wo er war und was er gemacht hat, spielt bei ihm eine Rolle.

Der bewusst risikobereite Abenteurer
Er sucht die besondere Herausforderung, den Thrill, aber als kontrollierte Grenzerfahrung. Der Marktanteil dieser Gruppe ist sehr gering, dafür ist dieser Typus am ehesten in Ländern wie Lybien in seiner aktuellen Lage vorzufinden.

Wer sicher nach Hause kommen will, kann aber einige Tipps beachten, um einen sicheren Urlaub zu verbringen. „Als allererstes sollte man die Hinweise des Auswärtigen Amtes beachten“, rät Hartmann. Die Infos seien immer sehr aktuell und ausgewogen und ein guter Hinweis, ob man überhaupt in ein Land reisen kann. „Gerade bei den Destinationen, die große Veranstalter vorsichtshalber aus dem Programm genommen haben, tut sich eine Nische auf, die gerne von unseriösen Anbietern genutzt wird“, erklärt der Experte. Abenteuerurlaub finde meistens sowieso individuell statt, aber wenn Reiseveranstalter wie Studiosus, die für kulturnahe Begegnungen bekannt sind, schon bestimmte Orte nicht mehr anführen, so solle es sich der Individualtourist auch besser noch einmal überlegen.

Khellali von der Tourismus-Behörde träumt davon, dass Touristen eines Tages in Libyen so herumspazieren können, wie es in Europa möglich ist. Auch wenn es ein langer Weg bis dahin scheint: Er glaubt, dass eine neue Regierung darauf setzen wird, alleine wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit. Bald wird sich zeigen, ob Libyen für den Massen-Tourismus interessant , oder das Land für den bewusst risikobereiten Abenteurer bleibt.

Allgemein ITB 2012

Weltenbummler, Teppichhändler, Entertainer – Doug Lansky kann den Beruf Reisejournalist nicht empfehlen

„Die größten Fehler im Tourismusmarketing … und was wir von ihnen lernen können” – über dieses Thema sprach Doug Lansky auf der ITB Berlin 2012. Bekannt wurde der 40-Jährige als Reisejournalist. Er war in den letzten 20 Jahren in über 120 Ländern unterwegs und schrieb für Zeitungen und Magazine wie die Huffington Post und National Geographic. Auch bei Reiseführern wie Lonely Planet und Rough Guides war er als Autor beteiligt. Mittlerweile ist Doug Lansky vor allem als Redner erfolgreich und sorgt mit seinen unterhaltsamen Präsentationen für ausverkaufte Säle. Auch an Universitäten ist er als Dozent tätig und lehrt dort seine Art des Reisens. Wie er zum Reisejournalismus kam, warum dieser Beruf keine Zukunft hat und wie er eine Alternative für sich gefunden hat, erzählte er im Interview mit Young Press.

Miriam Gutekunst: Was warst du zuerst – Journalist oder Reisender?

Doug Lansky: Das ist eine gute Frage. Eigentlich war ich zuerst Reisender. Aber ich schrieb schon während der Highschool. Ich arbeitete damals bei einer Zeitung. Dann reiste ich das erste Mal und übernahm den Schreibstil, den ich während dieser Zeit gelernt hatte.  

Miriam Gutekunst: Was war deine erste Reise?

Doug Lansky: Das kommt darauf an, was man als Reise versteht. Ich denke das erste Mal, dass ich das Gefühl hatte gereist zu sein, war, als ich 20, 21 war. Ich studierte damals für sechs Monate in London und den Sommer nutzte ich, um mit dem Zug durch Europa zu fahren. Reisen ist wie Ski fahren: Du beginnst am Anfängerhügel und wagst nach und nach immer schwierigere Pisten. Nach zwei Monaten in Europa war ich auf der Suche nach einer neuen Herausforderung und landete in Marokko. Ich habe damals in Marrakesch Teppiche verkauft. Da springt wirklich viel Geld heraus.

Miriam Gutekunst: Wie bist du denn dazu gekommen, Teppiche zu verkaufen?

Doug Lansky: Eigentlich habe ich sie nicht wirklich verkauft. Ich hatte im Zug zwei Marokkaner kennengelernt, die ein Teppichgeschäft hatten. Ich bot ihnen an, an die touristischen Plätze zu gehen und dort Kunden zu werben. Ich bin also auf Touristen zugegangen und habe ihnen gesagt: Wenn Sie noch nie in einem Teppichgeschäft waren, müssen sie das unbedingt noch nachholen. Ob heute oder morgen, lassen Sie mich das einfach wissen. Ich bin hier. Ich habe sie dann zu dem Laden geführt und wenn sie fertig waren mit Verhandlungen und Tee trinken, haben sie mir Bescheid gegeben und ich habe sie zurückgeführt. Das war mein Job. Und ich bekam für jeden Touristen Provision.

Miriam Gutekunst: Also hast du in Marokko ziemlich schnell die Seiten gewechselt!

Doug Lansky: Also ich war bei jedem Geschäft ehrlich mit den Leuten. Ich habe gesagt, dass ich etwas verkaufe und damit Geld verdiene. Ich habe nichts versteckt. Aber du hast Recht, ich wurde vom Touristen zum Teppichverkäufer. Und ich habe ziemlich gutes Geld gemacht.

Miriam Gutekunst: Als Nachwuchsjournalistin würde mich interessieren, ist es möglich vom Reisejournalismus zu leben?

Doug Lansky: Es kommt darauf an, was du willst. Es gibt nicht viele Reisejournalisten, die einen besonders hohen Lebensstandard haben. Ich hatte lange Zeit wirklich wenig Geld. Aber heutzutage ist es eigentlich einfacher als je zuvor Reisejournalist zu sein. In Zeiten von Twitter und Blogs kannst du auf eigene Faust über deine Reisen schreiben. Du kannst das machen ohne auf Verlage angewiesen zu sein. Just do it. Veröffentlichungen haben heutzutage keinen Anreiz mehr. In den USA zahlen sie so wenig für einen Beitrag, denn jedermann bloggt und macht es umsonst. Es gibt also keinen Anreiz mehr zu veröffentlichen. Wenn hunderttausend Menschen deine Twittereinträge verfolgen, dann kommen Verlage von selbst auf dich zu und fragen an, ob du für sie schreiben würdest. Sie setzen darauf, dass du den Artikel über Twitter publik machst und deine Follower das lesen. Die Anzahl der Twitter Follower ist die Währung.

Miriam Gutekunst: Machst du deine Arbeit als Redner und Dozent also einfach aus finanziellen Gründen oder auch aus Leidenschaft?

Doug Lansky: Beides. Es zahlt sich schon aus. Das Problem ist, dass meine Begeisterung für Reisejournalismus nachgelassen hat, weil immer und immer wieder die gleichen langweiligen Geschichten gewünscht sind. Das habe ich lange Zeit gemacht. Die Vorträge über das Reisen machen dagegen einfach Spaß. Es macht Spaß auf der Bühne zu stehen. Aber auch wenn ich als Dozent Studenten unterrichte. Wenn ich danach in ihren Augen sehe:  Wow, ich kann jetzt auf Reisen gehen. Ich kann es und zwar auf eine andere Art und Weise und ich werde Einheimische treffen. Ich habe das Gefühl, dass ich bei diesen Studenten etwas bewegen kann. Auch wenn es nur ein paar wenige Menschen sind, es fühlt sich wichtig an. Der Reisejournalismus fühlt sich viel weniger wichtig an.

Miriam Gutekunst: Welche Eigenschaften sollte jemand haben, der Reisejournalist werden möchte?

Doug Lansky: Er sollte unabhängig und wohlhabend sein. Du musst nette Eltern oder genug Geld haben, um davon leben zu können.

Miriam Gutekunst: Hattest du diese Eigenschaften?

Doug Lansky: Ja, ich hatte Geld. Meine Großmutter ist gestorben als ich die Universität abschloss und sie hat mir Geld hinterlassen. Meine Mutter meinte, ich soll mir ein Auto, eine Wohnung und schöne Kleidung kaufen und mir dann einen Job suchen. Ich sagte: Auf keinen Fall! Also ging ich auf Reisen, weil ich die finanziellen Mittel dazu hatte. Aber ich hatte auch während der Reisen Jobs und arbeitete die ganze Zeit. Deswegen hatte ich bei meiner Rückkehr immer noch Geld und konnte es mir leisten weiter als Reisejournalist zu arbeiten. Du musst eben von etwas leben. Ich hatte versucht vor allem in Länder zu reisen, in denen die Lebenshaltungskosten niedrig sind. Aber du musst ja auch immer wieder zurück nach Hause, irgendwohin, wo es eine gute Internetverbindung gibt. Um Leute zu finden, die dich unterstützen und dir bei der technischen Umsetzung helfen. Man muss Zeit und Geld investieren.  Außerdem sind Leidenschaft  und einfach Talent wichtige Voraussetzungen. Du musst richtig gut darin sein. Man muss sich durch etwas Einzigartiges auszeichnen, durch eine besondere, persönliche Sichtweise. Es gibt keinen richtigen Weg. Du musst deinen eigenen Weg finden. Wenn du den gleichen Weg wie ich gehen würdest, würdest du wahrscheinlich scheitern.

Miriam Gutekunst: Immer mehr Journalisten, vor allem Reisejournalisten, arbeiten sowohl im Journalismus als auch in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Was hältst du von dieser Entwicklung?

Doug Lansky: Ich finde es nicht gut. Ich denke das ist wie die Kirche im Staat und das muss getrennt sein. Ich gehe diesen Weg nicht. Aber ich kenne viele Leute, die es tun. Die meisten arbeiten für beide Seiten.

Miriam Gutekunst: Aber was ist mit deiner Arbeit beim Scandinavian Airlines Inflight Magazin? War das etwa keine PR?

Doug Lansky: Nein, das war etwas anderes. Ich war damals Reiseredakteur. Der Chefredakteur hat nie verlangt, dass die Autoren nach den Wünschen der Airline schreiben. Ein Grund, warum ich irgendwann gekündigt habe, war, dass sich das geändert hat. Sie gaben plötzlich vor über welche Orte wir berichten sollen und da kam ich ins Zweifeln, denn die Airline flog genau diese Orte an. Also war es Zeit zu gehen.

Miriam Gutekunst: Noch eine letzte Frage: Was wird deine nächste Geschichte sein?

Doug Lansky: Ich bringe gerade vier Bücher zu Ende. Zwei davon aktualisiere ich nur. Außerdem bringe ich ein kleines, lustiges Buch heraus, ein Geschenkbuch voll mit kitschigen Souvenirs. Ansonsten schreibe ich immer wieder kleine Reisegeschichten. Wenn ein befreundeter Redakteur mich anfragt etwas zu schreiben, dann mache ich das gerne und gehe wieder auf Reisen.

Allgemein Interview ITB 2012 Topstories

Malediven überleben die Klimaerwärmung nicht: Futuristisches Bauprojekt als Rettungsansatz

Foto: Paul H.T.M. van de Camp präsentiert „Greenstar“ – ein schwimmendes Tagungshotel, das Nachhaltigkeit verkörpert. Foto: Jana Rentmeister

Die Malediven feiern in diesem Jahr 40-jähriges Bestehen als Urlaubsdestination – 1972 öffnete das erste Urlaubsressort. Auf natürlichem Wege würde die Inselgruppe längst keine weiteren 40 Jahre schaffen und den Klimawandel überleben: Drei Viertel der Inselgruppe ragt nur einen Meter aus dem Wasser, steigen wird der Meeresspiegel jedoch um 1,5 Meter. Holländische Vorreiter der Architektur geben Einwohnern Hoffnung: Sie bauen auf Wasser.

Visionäre werden vielfach für verrückt und wahnsinnig gehalten, selten für fantastisch. So kämpfen auch die niederländischen Architekten Koen Olthuis und Paul H.T.M. van de Camp (Dutch Docklands) hart für ihre Vision: Sie wollen auf 800 Hektar Wasser treibende Bauwerke positionieren. In Kooperation mit der maledivischen Regierung planen sie futuristische Bauprojekte, um die Malediven zu erhalten: deren „touristische Welt“ und „die der Einwohner“.

Der Klimawandel wird bis zum Jahr 2100 80 Prozent der Malediven unter Wasser gesetzt haben. Nahe der Südspitzen Indiens befindet sich dieses Taucherparadies: 220 der insgesamt 1.196 Inseln werden von Einheimischen bewohnt, 87 weitere werden für touristische Zwecke genutzt. Dort wohnen keine Malediver, sie kommen nur zum Arbeiten. Über eine Strecke von 871 Kilometern erstreckt sich die Inselkette. Die höchste Erhebung ist auf der Insel Vilingili – 2,4 Meter über Null. Drei Viertel der Fläche ist hingegen nur ein Meter höher als der Meeresspiegel, bei einer Steigung von 1,5 Metern wird demnach der Großteil geflutet.

„Das Problem der Malediver ist die Knappheit von Lebensraum. Wir Architekten haben immer nach Lösungskonzepten gesucht, diesem Mangel entgegenzuwirken“, so der Architekt Koen Olthuis. „Als der Aufzug erfunden wurde, konnte die Stadtplanung vertikale Richtungen einschlagen. Das haben Architekten und Stadtplaner genutzt. Auch sie wurden anfänglich für verrückt erklärt.“

Für die Malediven ist zunächst ein schwimmender Golfplatz geplant, dessen Design-Phase in den End-Zügen steckt. 500 Mio. US-Dollar wird die Entwicklung kosten; drei Inseln sind über Unterwassertunnel mit einander verbunden. Andere Projekte stecken schon in der Bauphase. High-Tech-Elemente werden in den Niederlanden entwickelt und hergestellt und erst dann auf dem Wasserweg zu den Inseln gebracht – für die Forscher ist ihre Nähe zur Produktion besonders zu Beginn der Bauphase essentiell. Neben dem Golfplatz ist „Greenstar“ geplant, ein sternenförmiges Tagungshotel, in dem vorzugsweise Tagungen über Wassermanagement, Klimawandel und Nachhaltigkeit stattfinden.

„Bis zu Flächen von 200 x 200 Metern können wir bauen“, erklärt Koen Olthuis, „das ist ähnlich wie beim Lego-Spiel: Man muss lernen, Dimensionen immer neu abzuschätzen.“ Fachleute prognostizieren bis 2020 einen Zuwachs von 70.000 Einwohnern auf den Malediven. Neben Golfplätzen und Hotels können auch Nutzflächen für die Landwirtschaft, Büros oder Parkhäuser an bestehende Landerhebungen angekoppelt werden, Styropor ist jeweils der Trägerstoff.

„Dadurch, dass die Bauelemente schwimmen und ihr Herstellung nahezu überall möglich ist, können wir auch besonders günstig produzieren“, führt Koen Olthuis weiter aus. „Stellen Sie sich einmal vor, wir bauten ein Stadion für die Olympischen Spiele. Das könnte zu jedem Land gebracht werden, das diese ausrichtet, ohne dass immer wieder ein neues gebaut werden müsste, welches nach den Spielen leer steht.

Fathimath Raheel von der maledivischen Tourismusvertretung lebt auf den Malediven. Sie freut sich auf das Projekt: „Es ist ein unglaubliches Projekt, aber wir wissen, ohne das Projekt hat unser Land keine Chance, wir müssten sonst auswandern.“

Die verheißungsvollen Pläne der Architektur-Pioniere kompensieren auf den Malediven heute den Flächenrückgang, der anderen Nationen morgen drohen könnte, denn 90 Prozent der größten Städte dieser Welt liegen am Wasser. Die Firma Dutch Docklands gilt als der Experte für Wasser-Management.

„Einen Tsunami muss kein Bewohner eines treibenden Bauwerks fürchten: Auf hoher See ist lediglich eine kleine Welle zu merken, erst am Ufer kommt es zu der großen Flutwelle“, ergänzt der Architekt. Er zählt zu den weltweit einflussreichsten.

Mehr Informationen unter http://www.dutchdocklands.com

Allgemein ITB 2012

Zoff um Ruhrpott-Klischee bei Sat.1

Foto: Ingo Lenßen auf dem Werbeplakat für die nach ihm benannte Sendung bei Sat.1. Quelle: Sat.1

Kaum angelaufen, gibt es schon Zoff um TV-Anwalt Ingo Lenßen. Für die neuen Folgen, die Sat.1 seit dem 5. März im Vorabendprogramm ausstrahlt, hat der Münchener seine Kanzlei ins Ruhrgebiet verlegt. Auf dem Werbeplakat für die Sendung thront der Mann mit dem gezwirbelten Schnurrbart in seinem Schreibtischstuhl auf einer Halde. Im Hintergrund: Dunkle Industriegebäude und rauchende Schlote.

Das Motto für die neuen Folgen lautet: ‚Der Pott ist sein Büro’. Ein Klischee, dass die Ruhr Tourismus GmbH nervt. „Wir sehen das nicht gerne“, sagt Jochen Schlutius von Ruhr Tourismus. „Das alte Image vom Kohlenpott ist zwar immer noch begehrt“, sagt er, „aber wir wollen den Menschen in Deutschland lieber das neue Bild vom Ruhrgebiet zeigen.“ Auf der ITB Berlin 2012 wirbt Ruhr Tourismus deshalb mit erstklassigen Kulturveranstaltungen, guter Küche und und dem Ruhrtalradweg um Besucher.

SAT.1-Sprecherin Diana Schardt erklärt die Wahl des Plakats so: „Anzeigenmotive arbeiten mit Stereotypen und überspitzten Darstellungen. Das ist auch in diesem Fall so.“ Seine Schönheit wolle man dem Ruhrgebiet aber nicht absprechen. TV-Anwalt Ingo Lenßen meint: „Mir gefällt das Motiv, da es genau das in den Mittelpunkt stellt, was der Pott war und heute noch ist: Er hat seine alten Industrieanlagen in Kulturstätten umgewandelt.“ Ganz so genau nimmt es Sat.1 anscheinend dennoch nicht. Schließlich haben  Kulturstätten in ehemaligen Industriegebäuden heutzutage keine rauchenden Schlote mehr.

Allgemein ITB 2012 Topstories

Deutsche reisen trotz Finanzkrise

Foto: Prof. Hans-Werner Sinn, Volkswirt und Chef des Münchener ifo Instituts, spricht bei der Kongresseröffnung der ITB Berlin 2012 über die Entwicklung der Weltwirtschaft. Quelle: ITB Berlin 2012

Die Reiselust der Deutschen ist ungebrochen. Das hat die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ermittelt. „Die Finanzkrise ist keine Tourismuskrise“, sagte Vorstandsvorsitzender Matthias Hartmann am Mittwoch auf der ITB Berlin 2012.

Obwohl die Medien intensiv über die weltweite Wirtschaftskrise berichten, wirke sich die Krisenstimmung nicht auf die Reisebranche aus. Die Deutschen seien Konsumoptimisten. Die Ursache sieht Hartmann in der gesunkenen Arbeitslosenquote. Mit mehr Geld in der Tasche könne man auch mehr ausgeben. Wer hierzulande dennoch mit weniger Geld auskommen muss, kürze lieber bei Essen und Trinken, bei der Kleidung oder beim Ausgehen. „Am Urlaub sparen die Deutschen als letztes.“

In unsicheren Zeiten geht der Trend hin zum Urlaub im eigenen Land: Statt um die Welt zu fliegen, verbringen immer mehr Deutsche ihre Ferien lieber zwischen Flensburg und Garmisch. Von den Umbrüchen in der Arabischen Welt profitieren laut GfK insbesondere die Kanarischen Inseln und die Türkei. Das Land am Bosporus zieht in der Finanzkrise zudem viele Griechenland-Fans an. Hans-Werner Sinn, Chef vom Münchener ifo Institut, hat dafür eine Erklärung parat. In der Türkei könne man genauso gut Urlaub machen wie in Griechenland – allerdings zum halben Preis.

Allgemein ITB 2012 Topstories

Zukunftsfähiger Tourismus: im Mittelpunkt steht der Mensch

Quelle: Angelica Germanà

Was haben ein junger Mann in Nepal, der mit einem grossen roten Kühlschrank zur Reparatur unterwegs ist, brasilianische Fischermänner und der Mythos von Bali als touristisches Paradies  gemeinsam? Sie sind alle Protagonisten der prämierten Filme im Wettbewerb “Toura D’Or”. Das Projekt hat das Ziel, einen “zukunftsfähigen Tourismus” zu fördern. Nach der “Best of  Toura D’Or – Mehr als nur tolle Filme”- Konferenz, die in der “Culture Conference Lounge” der Halle 10.2 stattfand, habe ich mich mit Franziska Werner – der jungen Projektleiterin von Toura d’Or – über die Idee des Wettbewerbs unterhalten.

Angelica Germanà: Was für Filme möchten Sie mit Ihrem Projekt unterstützten?

Franziska Werner: Der Wettbewerb Toura D’Or prämiert umweltbewusste und sozialbewusste Filme, also Filme, die Mut zur Begegnung mit der einheimische Bevölkerung machen; Filme, die sich um gegenseitigen Respekt bemühen, und sich mit eine konstruktiven und kritischen Perspektive mit dem Tourismus auseinandersetzen. Es wurden Filmen prämiert, die die Menschen in ihrer Alltagsrealität zeigen, so dass Urlauber Interesse daran bekommen, hinter die bloße touristische Kulisse eines Gastlandes zu blicken.

 Angelica Germanà: Für welchen Tourismus sollen die Filme stehen?

Franziska Werner: Auf keinen Fall für einen Urlaub, wo man nur ein oder zwei Wochen in einem Hotel verbringt und überhaupt nicht erfährt, wie die Menschen in dem Land leben, von was sie träumen, was sie interessiert, wie sie sich fühlen. Wenn man reist, soll man sich gegenseitg kennenlernen, um  eventuelle Vorurteile abzubauen. Nur so kann man ein besseres Verständnis von dem Land und seiner Kultur bekommen. Darum möchten wir auch Filmemacher fördern, die diesen Aspekt im Tourismus bewerben wollen.

 Angelica Germanà: Wie kann man bei Toura D’Or mitmachen?

 «Der Wettbewerb wird alle zwei Jahre ausgeschrieben. Die Ausschreibung befindet sich auf der Webseite. Dort gibt es auch die detallierte Liste der Einreichungskriterien der Filme. Auf der Homepage können zwar Filme eingereicht werden, aber wir freuen uns auch über Tipps und Hinweise, damit wir viele Filme bekommen, weil momentan auch viele Filme eingereicht werden, die nicht ganz thematisch passen.

 Welche Filme passen denn nicht zum Wettbewerb?

 «Touristische Werbefilme passen nicht, die keine Umwelt- und Sozialverantwortung vertreten, sondern einfach nur ein Land darstellen. Wir wollen keine Filme, die Massentourismus präsentieren, die vielleicht bunt und toll gemacht worden sind, aber… trotzdem nur Werbefilme bleiben. Wir suchen Filme mit einem ganz speziellen Ansatz.

Weitere Infos und die Gewinnerfilme finden Sie auf der Toura D’Or Webseite http://www.tourador-contest.org/index.html

Allgemein Interview ITB 2012

Ein künstlerischer Weltblick

Quelle: Angelica Germanà

Die Tourismus Zentrale des Saarlands initiierte im Jahr 2011 auf der ITB Berlin das künstlerische Projekt „Mosaik der Nationen“. Vertreter der verschiedenen Länder, egal ob Fachbesucher, Botschaftsbeamte oder Maler, die nebenbei bei der Messe arbeiteten konnten ihre eigenen Länder mit einer kleinen Malerei darstellen.

Das Mosaik der Nationen wird dieses Jahr im Halle 8.2 ausgestellt. Wo es mit seinen 182 Leinwänden aus 154 Ländern gut sichtbar ist.

Am Donnerstag, den 08.03 feierten die Künstler den ersten Geburstag des Mosaiks. Die berliner Künstlerin Anne Simone Westphal koordinierte und inszenierte das Projekt. „Wir möchten zeigen, wie die Kunst als Teil der Kultur eines Landes, auch zum Tourismus gehört“, – erklärt Westphal. „Wir wollten so viele künstlerische Darstellungen wie möglich, aus den verschidensten Ländern sammeln“, erklärt Britta Holzmann, die mit Nora Molitor an dem Projekt mitgearbeitet hat. „Eigentlich wollten wir für jedes Land ein Bild haben, aber die meisten Malerei kommen aus Indien, aus Sry Lanka und aus der Turkei. Das Projekt hat den Besuchern letztes Jahr so gut gefallen, dass wir uns dafür entschieden haben, es dieses Jahr noch einmal vorzustellen.“

Allgemein ITB 2012